Wirtschaftsminister: Das Erfolgsrezept von Rainer Brüderle

Wirtschaftsminister: Das Erfolgsrezept von Rainer Brüderle

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Regieren ist schön. Brüderle genießt seinen Auftritt als Delegationsleiter in Korea

von Henning Krumrey

Ob Kohle, Opel oder USA: Rainer Brüderle fährt der Kanzlerin in die Parade. Mit hartnäckiger Fröhlichkeit überdeckt der erfolgreichste FDP-Politiker Vorsicht und Kalkül.

Der Mann ist noch gar nicht richtig angekommen, da wirft sich ihm das Glück schon an die Brust. Kaum ist Rainer Brüderle im südkoreanischen Gyeongju aus der Luftwaffen-Maschine geklettert, überreicht ein Protokollbeamter die Insignie der Verhandlungsmacht: den blau umrandeten Anstecker des Delegationsleiters. Brüderle genießt: Er pinnt sich das Abzeichen nicht selbst ans Revers, er lässt sich vom Protokollbeamten dekorieren, als erhielte er einen Orden. Er reckt sich, er schmunzelt. Regieren macht Spaß.

Für den Bundeswirtschaftsminister ist es eine besondere unter seinen vielen Auslandsreisen: Er soll den erkrankten Kollegen Wolfgang Schäuble vertreten. Bei der Finanzministerkonferenz der wichtigsten Staaten der Erde gilt es, den G20-Gipfel in Seoul vorzubereiten. Zwei Tage Verhandlungen über die Ungleichgewichte in der Weltwirtschaft, die Sicherheit des Bankensystems und die Zukunft des Internationalen Währungsfonds. Und er ist mittendrin und mischt mit: Brüderle, der Liberale, den sie vor einem Jahr noch verspottet haben als Provinzonkel, als Riesling-politischen Sprecher, als pfälzische Frohnatur, die mehr Weinköniginnen geküsst hat, als Staaten dem IWF angehören. Heute lacht nur noch einer: der Rainer.

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Rüffel für US-Minister

Die mitgereisten Beamten aus dem Finanzministerium staunen, dass der Novize Klartext spricht. „Es ist gar nicht schlecht, wenn die Amerikaner mal Bescheid bekommen“, freut sich ein Delegationsmitglied. Brüderle hat den amerikanischen Finanzminister Timothy Geithner heftig für dessen Vorschlag attackiert, eine Obergrenze für Leistungsbilanzüberschüsse und -defizite einzuführen. Absurd, findet Brüderle; gar nicht machbar, weil man dann Unternehmen zwingen müsste, Aufträge abzulehnen. Die Welt dürfe nicht „in Planwirtschaft zurückfallen“. Die USA sollten nicht bei Drittweltstaaten manipulierte Wechselkurse kritisieren, denn „Geldschöpfung ist für mich indirekte Manipulation“, greift er die amerikanische Inflationspolitik an. Den USA mangele es an Wettbewerbsfähigkeit, sie könnten aber gern kostenlos das gute deutsche Beispiel kopieren: „Das ist free of charge!“ Mit Rekordwachstumszahlen, direkt vor dem Abflug verkündet, fühlt er sich stark.

Auf den Korea-Auftritt hat sich der Mann, der elf Jahre als Wirtschaftsminister in Rheinland-Pfalz diente und elf Jahre auf der Oppositionsbank im Bundestag saß, intensiver vorbereitet als auf andere Termine, die er schon gern mal mit einigen Zahlen, reichlich Erfahrung und Fundstücken aus seinem marktwirtschaftlichen Spruchbeutel bewältigt. Diesmal aber nutzte er nicht nur eine Ausarbeitung der eigenen Beamten, sondern auch die dicke Mappe aus dem Finanzministerium.

Schäuble besuchte er im Krankenhaus, mit Finanz-Staatssekretär Jörg Asmussen telefonierte er mehrfach; den Sozialdemokraten kennt und schätzt er aus dem Verwaltungsrat der KfW Bankengruppe. Und dann holte sich Brüderle noch höchsten Rat: Er bat Ex-Bundespräsident Horst Köhler um dessen Einschätzung, weil er die währungspolitische Erfahrung des früheren geschäftsführenden IWF-Direktors schätzt. Das ehemalige Staatsoberhaupt kam sogar, ganz ungewöhnlich, zu Brüderle ins Ministerbüro, damit der Termin am Donnerstagmorgen vergangener Woche noch klappen konnte, kurz vor dem Abflug nach Fernost.

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