Wirtschaftsministerium: "Keine Abwrackprämie für Schiffe"

Wirtschaftsministerium: "Keine Abwrackprämie für Schiffe"

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Dagmar Wöhrl (CSU)

Auch die Schifffahrt leidet unter der Krise. Die Bundesbeauftragte für maritime Wirtschaft, Dagmar Wöhrl, erklärt im Interview wie deutsche Werften und Häfen unterstützt und gesichert werden sollen.

WirtschaftsWoche: Frau Wöhrl, die Schiffbauer erhalten kaum noch Aufträge, rufen nach Hilfe. Doch braucht Deutschland überhaupt Werften? Unser Weltmarktanteil bei Schiffsneubauten beträgt nur drei Prozent.

Wöhrl: Ja, absolut ja. Wir brauchen die Werften. Unsere Schiffbauer unterscheiden sich erheblich von den Billigkonkurrenten im Ausland. Wir sind sehr stark im Spezialschiffbau, bauen hier die modernsten Schiffe, auch die umweltfreundlichsten. Insgesamt hängen an der maritimen Wirtschaft in Deutschland 500.000 Arbeitsplätze, wenn man unter anderem die Häfen und die Seeschifffahrt einbezieht. Bei der Bereederung von Containerschiffen sind wir weltweit die Nummer eins. Und dann haben wir eine leistungsfähige Meerestechnologie und Meereswissenschaft.

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Wo sehen Sie die Schwerpunkte?

Ich möchte eine stärkere Orientierung auf den Bau von Spezialschiffen, auf Offshore-Anlagen und auf die Meerestechnik.

Wie hilft die Bundesregierung der maritimen Wirtschaft?

Nach dem sogenannten Bankenschirm haben wir im Rahmen des Konjunkturpaketes I das branchenübergreifende KfW-Sonderprogramm 2009 aufgelegt, mit dem zum Beispiel auch die Werften 90 Prozent eines Kredites absichern können, den sie während der Bauzeit eines Schiffes aufnehmen müssen. Daneben haben wir die Bedingungen für die Innovationsförderung verbessert und die Maximalrahmen für Hermes-Bürgschaften für exportierende Werften erweitert. Zudem lade ich zu runden Tischen ein.

Trotzdem klagen die Werften, sie hätten Probleme, Aufträge – wie in der Branche üblich – vorzufinanzieren?

Weil die Werften eine geringe Eigenkapitalquote haben, weil die Banken sich tendenziell zurückhalten, aber auch weil Endfinanzierungen und die Abnahme von Schiffen unsicher sind.

Zieht die Bundesregierung Aufträge für den Bau von Marine- oder Forschungsschiffen vor?

Das prüfen wir derzeit. Ich habe alle betroffenen Bundesressorts angeschrieben. Ein Ergebnis habe ich erst in den nächsten Wochen.Weltweit liegen fast 500 Containerschiffe vor Anker, weil sie keine Aufträge haben.

Planen Sie eine Abwrackprämie für Schiffe?

Nein, da ist nichts geplant.

In Bremerhaven sollen bis zu 1400 Hafenarbeiter ihren Job verlieren. Wie unterstützen Sie die Häfen?

Noch im ersten Halbjahr 2009 wird das Kabinett ein Nationales Hafenkonzept beschließen. Insgesamt sind auch als Ergebnis der Konjunkturpakete I und II für die Verkehrsinfrastruktur in Deutschland für die nächsten zwei Jahre nunmehr insgesamt 24 Milliarden Euro vorgesehen. Mit einem Teil des Geldes sollen auch die Logistik und die Verkehrsanbindung zu den Häfen verbessert werden.

Brauchen wir trotz Krise noch den Jade-Weser-Port, Deutschlands ersten Tiefwasserhafen, der jetzt in Wilhelmshaven entsteht?

Um in Zukunft als Wirtschafts- und Hafenstandort wettbewerbsfähig zu sein, brauchen wir den Jade-Weser-Port. Der Welthandel wird ja wieder wachsen. Und es werden immer größere Schiffe gebaut – Schiffe, für die Elbe und Weser nicht tief genug sein könnten oder bei denen die Wege zu den Häfen in Hamburg und Bremerhaven zu weit sind, sodass sie sich für die Reeder gegebenenfalls nicht rechnen. Sollen wir diese Schiffe nach Rotterdam schicken?

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