_

Wirtschaftspolitik: Graf Lambsdorff übt massive Kritik an Merkels Wirtschaftspolitik

Der frühere Bundeswirtschaftsminister und ehemalige FDP-Vorsitzende Otto Graf Lambsdorff hat massive Kritik an der aktuellen Wirtschaftspolitik der Bundesregierung geübt und der CDU mit Bundeskanzlerin Angela Merkel vorgeworfen, nicht mehr den Grundsätzen der Marktwirtschaft zu folgen.

„Ich will Frau Merkel nicht nachsagen, sie sei wegen ihrer Biografie im Herzen Sozialistin oder Planwirtschaftlerin. Aber wenn man eine Linie zieht von den CDU-Parteitagen in Leipzig 2003 über Dresden, Hannover bis Stuttgart 2008, zeigt sich, dass sich die CDU in einem erschreckenden Maße von den Grundprinzipien der sozialen Marktwirtschaft verabschiedet“, sagte Lambsdorff der WirtschaftsWoche. „Dies kann nicht ohne Billigung der Parteivorsitzenden geschehen sein.“

Anzeige

Der Einstieg des Staates bei der Commerzbank mit Sperrminorität erinnert Lambsdorff an die alte SPD-Theorie vom Staatskapitalismus, kurz Stamokap. „Hier erhält der Staat eine direkte Beteiligung mit Sperrminorität. Das hat mit sozialer Marktwirtschaft nichts mehr zu tun. Das riecht nach Stamokap.“

Mit der Marktwirtschaft wenig zu tun habe auch, dass die Bundesregierung nun den Bezug des Arbeitslosengeldes verlängere und die Arbeitgeberanteile beim Kurzarbeitergeld übernehme. „Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt mag das fabelhaft finden, aber die Ausweitung von Kurzarbeiter- und Arbeitslosengeld muss über Steuern und Abgaben bezahlt werden. Und die Verlängerung der Laufzeit beim Arbeitslosengeld bedeutet nach den Erfahrungen der Siebziger- und Achtzigerjahre, dass die betroffenen Menschen länger arbeitslos bleiben werden. Das hat mit sozialer Marktwirtschaft wenig zu tun.“

Zu spät wird nach Einschätzung des früheren Wirtschaftsministers das beschlossene zweite Konjunkturprogramm wirken. „Offenbar glaubt die große Koalition, dass ihre Maßnahmen, die am 1. Juli in Kraft treten und zum großen Teil erst 2010 wirksam werden, Deutschland vor der Rezession schützen können. Das ist nicht der Fall. Es ist das alte Lied: Konjunkturprogramme entfalten ihre Wirkung, wenn die Baisse vorüber oder im Abklingen ist. Die Bundesregierung hat aus den Fehlern der Siebzigerjahre nichts gelernt.“

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 19.01.2009, 14:04 UhrAnonymer Benutzer: HR

    Wenn die bRD so weiter wirtschaftet sind wir über kurz oder lang bei ex DDR Verhältnissen. Staatlich hier, staatlich dort, - die Einzige, die sich dann noch auskennt, ist Frau Merkel, - denn sie ist ja in einem solchen System groß geworden. Also stimmt auch die bezeichnung bRD: bananen Republik Deutschland.

  • 17.01.2009, 16:39 UhrAnonymer Benutzer: Sebastian

    ich war bisher enttäuscht, weil die Wirtschaftswoche, die ich noch als "Der Volkswirt" kennenlernen durfte, bisher die teuerste Wahlpropaganda, genannt "Konjunkturprogramm", noch nicht volkswirtschaftlich kritisch gewürdigt hatte. Überlas ich etwas?
    Dass gewichtige kritische Stimmen zum Thema veröffentlicht wurden, ist wenigstens ein Trostpflaster.
    Seltsamerweise wurde die Wahlpropaganda von den Koalitionsparteien gemeinsam abgesegnet, obwohl CDU/CSU und die SPD doch zur Wahl gegeneinander antreten wollen.
    ist denn der studierte Volkswirt Peer Steinbrück davon überzeugt, dass das sogenannte Konjunkturprogramm seinen eigentlichen Sinn erfüllt, oder hat er nur das Rückgrad eines Gummibärchen?
    Sollte er als Kanzlerkandidat antreten wollen, müsste er sich als Staatsmann denn als Parteipolitiker profiliern können.
    Seine kritikbelastete Vorgeschichte in NRW stellt seine gelernten Fachkenntisse wohl in Frage.
    bringt das "Konjunkturprogramm" tatsächlich den gewünschten Effekt der Konjunkturbelebung oder erhöht es nur die Sparquote noch mehr, die ohnehin die größte seit der Nachkriegszeit sein soll?
    Nur die Senkung von Verbrauchssteuern kann den Verbrauch ankurbeln und nicht "mehr Netto vom brutto". Nur wer wieder konsumfreudiger wird, hat etwas vom Konjunkturprogramm. Sollte das nicht klappen, hat man zig Milliarden Steuergelder gespart. Aber kann man denn nicht gerade die Angstsparer vom Aufwärtstrend überzeugen, wenn sie sogar selber dem Drang nachgeben wollen, das Zurückbehaltene endlich wieder verwenden zu dürfen?

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Alternativen gesucht
Alternativen gesucht

Der Euro wird mit jedem Tag mehr zum Verhängnis für Europa, wirtschaftlich wie politisch. Wann endlich werden...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.