Wirtschaftsstandort: Deutschland verliert an Wettbewerbsfähigkeit

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Schiffe im Hamburger Hafen

Kolumne

Deutschland hat sich auf den erfolgreichen Reformen der Vorjahre ausgeruht. Stück für Stück verlieren wir hierzulande an Wettbewerbsfähigkeit. Noch spüren wir zwar keine negativen Auswirkungen auf unser Wirtschaftswachstum. Doch mittelfristig wird Deutschland an Wachstumsdynamik verlieren, wenn nicht gegengesteuert wird. Dann drohen die deutschen Unternehmen die in den letzten Jahren eroberten Marktanteile wieder zu verlieren.

Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen auf internationalen Märkten wird maßgeblich durch die Entwicklung der Lohnstückkosten bestimmt. Besonders innerhalb des Euro-Raums, wo Wechselkurse keine Rolle mehr spielen, sind Lohnentwicklung und Produktivität die entscheidenden Einflussgrößen, aus denen sich die Lohnstückkosten ergeben. Je stärker die Lohnstückkosten im Vergleich mit anderen Ländern ansteigen, desto mehr gerät die Wettbewerbsfähigkeit einer Nation in Gefahr.

Vereinfacht ausgedrückt, funktioniert der Mechanismus wie folgt: Die Lohnstückkosten berechnen sich aus den Lohnkosten je Beschäftigtem im Verhältnis zur Arbeitsproduktivität. Die Produktivität ist das Produktionsergebnis jedes Beschäftigten. Steigen die Löhne bei gleichbleibender Produktivität, verliert das betroffene Unternehmen an Wettbewerbsfähigkeit. Umgekehrt ist es, wenn die Produktivität eines Unternehmens steigt, während die Löhne unverändert bleiben. Dann gewinnt das Unternehmen an Wettbewerbsfähigkeit.

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Um die Entwicklung der Wettbewerbsfähigkeit verschiedener Länder seit Gründung der europäischen Währungsunion im Jahr 1999 zu analysieren, ist ein Vergleich der Produktivitäts- und der Lohnstückkostenentwicklung sehr aufschlussreich. In den USA ist in diesem Zeitraum die Produktivität am schnellsten gestiegen, gefolgt von Großbritannien und Japan. Deutschland liegt im hinteren Mittelfeld, Italien ist weit abgeschlagen. Bei der Entwicklung der Produktivität war Deutschland in diesem Zeitraum also gehobenes Mittelmaß.

In Deutschland steigt die Produktivität im langfristigen Trend um etwa 1 bis 1,5 Prozent pro Jahr. Die Krise 2008/2009 hat dabei in Deutschland zu einem besonders starken Einbruch der Produktivität geführt, weil die Unternehmen hierzulande ihre Beschäftigten trotz des Produktionsrückgangs weitgehend gehalten haben. Auch nach der Krise ist die Produktivität hierzulande aber nur sehr verhalten gestiegen, denn die Beschäftigung hat seither in Deutschland recht stark zugelegt, relativ zum Wirtschaftswachstum.

Italien hat stark an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt

Ein anderes Bild ergibt sich jedoch bei der Analyse der Lohnstückkosten seit 1999. In Deutschland sind die Lohnstückkosten seit der Euro-Einführung 1999 langsamer gestiegen als in allen anderen betrachteten Ländern – mit der Ausnahme von Japan, hier sind wegen der großteils vorherrschenden Deflation die Nominallöhne langsamer gestiegen als die Produktivität. Damit hat Deutschland insbesondere gegenüber den anderen EWU-Ländern an Wettbewerbsfähigkeit gewonnen.

Das liegt jedoch nicht an einem guten Produktivitätswachstum, sondern allein an der verhaltenen Lohnentwicklung. Hier zahlen sich vor allem die Arbeitsmarktreformen 2002 bis 2005 und die damalige Phase der Lohnzurückhaltung aus. In den USA hat dagegen das kräftige Produktivitätswachstum für einen relativ verhaltenen Anstieg der Lohnstückkosten geführt.

In Italien sind die Lohnstückkosten im Vergleich zu Deutschland seit 1999 um rund 25 Prozent stärker angestiegen. Die italienische Wirtschaft hat entsprechend an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt. Das ist zweifellos ein wichtiger Grund für die wirtschaftliche Misere Italiens in den vergangenen Jahren. In Frankreich weist der Trend ebenfalls stetig nach unten. Dagegen hat Spanien durch die Reformpolitik seit der Krise die Wende geschafft.

Es gilt aber auch festzuhalten, dass die relativ gute Entwicklung Deutschlands hauptsächlich in den Jahren 1999 bis 2004 erarbeitet wurde. Gänzlich andere Ergebnisse erhält man, wenn man die relative Entwicklung von Produktivität und Lohnstückkosten erst seit 2007 betrachtet.

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