Wolfgang Schäuble: "Wir verteidigen den Euro nicht aus Großzügigkeit"

InterviewWolfgang Schäuble: "Wir verteidigen den Euro nicht aus Großzügigkeit"

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von Christian Ramthun, Henning Krumrey und Roland Tichy

Der Bundesfinanzminister sorgt sich über die Geldschwemme der EZB – die aber wird für die Rettung der Südländer gebraucht. Er hält die Abwicklung von Banken à la Zypern für das Modell der Zukunft. Und trotz mancher Nazi-Anfeindungen und der AfD-Partei sieht er Europa auf gutem Weg und die Bürger hinter sich.

Wirtschaftswoche: Herr Minister, Sie wollen den Euro retten und zerstören Europa. Im Süden entsteht Hass auf die Deutschen, in Deutschland formiert sich mit der AfD eine Anti-Euro-Partei. Frustriert Sie das nicht?

Schäuble: Eine Mediendemokratie lebt von kritischen Stimmungen und negativen Berichten, das sieht man ja auch an Ihrer Frage. Aber lassen wir doch mal die Fakten sprechen: Einer aktuellen Umfrage zufolge sind 69 Prozent der Bundesbürger für den Euro. Manche Medien kehren in der Überschrift das Ergebnis um und sagen, 27 Prozent sind für die D-Mark. Aber ich finde fast 70 Prozent Zustimmung angesichts der andauernden Staatsschuldenkrise sensationell gut, vor allem weil die Zustimmung für den Euro gegenüber 2012 deutlich angestiegen ist. Und auch die Gelassenheit der Finanzmärkte bei der Zypern-Krise – vor zwei Jahren hätte das massive Börsenturbulenzen ausgelöst – zeigt uns, dass wir mit unseren Rettungsbemühungen auf dem richtigen Weg sind.

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Die Zentralbanken haben ja auch reichlich Geld in die Märkte gepumpt.

Es ist viel Geld im Markt, meiner Meinung nach zu viel Geld. Das muss man im Auge behalten.

Zahlreiche Länder wollen aber mit viel Liquidität ihre lahme Konjunktur ankurbeln. Was wollen Sie denen sagen?

Wir haben es fast mit einer ökonomischen Schizophrenie zu tun. Alle sagen, wir haben zu große Defizite, und eine zu hohe Liquidität mache alles noch gefährlicher. Und dann sagen einige aber dennoch, wir haben zu wenig Wachstum, und deswegen brauchen wir mehr Liquidität.

Auf welcher Seite stehen Sie?

Wer nur mehr Geld in den Wirtschaftskreislauf pumpt, ohne die erforderlichen Reformen anzugehen, schafft damit noch kein nachhaltiges Wachstum. Die Leute übersehen, dass dann die Gefahr einer Blasenbildung schwerer wiegt als der kurzfristige Konjunktureffekt. In den Niederlanden sind die Immobilienpreise zuletzt rasant gestiegen, viel stärker als bei uns.

Der frühere Bundesbank-Präsident Otmar Emminger sagte einmal, wer mit der Inflation flirte, werde von ihr geheiratet.

Das ist ein schönes und wohl leider zutreffendes Bild.

Es gibt Signale, dass die EZB die Zinsen vorsichtig anheben wird. Kommt es nun zu einem von EZB und Politik besprochenen Strategiewechsel und einem Abrücken von der expansiven Geldpolitik?

Die Stabilität des Euro seit seinem Start belegt, dass die EZB es sehr gut versteht, ihrer Kernaufgabe mit großem Erfolg nachzukommen. Wenn die EZB zudem versucht, Spielräume auszunutzen, um die große Liquidität ein wenig zu verringern, kann ich das nur begrüßen. Wir dürfen in Deutschland allerdings nicht vergessen, dass viele europäische Länder noch in einer prekären Wachstumslage sind.

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