Wowereit-Nachfolger: Michael Müller wird neuer Regierender von Berlin

Wowereit-Nachfolger: Michael Müller wird neuer Regierender von Berlin

, aktualisiert 18. Oktober 2014, 15:42 Uhr
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Berlins Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) wird neuer Regierender Bürgermeister der Hauptstadt.

Entgegen der meisten Erwartungen hat Berlin nach nur einer Runde im SPD-Mitgleidervotum einen neuen Regierenden Bürgermeister: Michael Müller folgt auf Klaus Wowereit.

Nächster Regierungschef Berlins soll nach dem Willen der SPD-Basis der bisherige Stadtentwicklungssenator Michael Müller werden. Im Mitgliedervotum für die Nachfolge des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) erzielte der 49-Jährige am Samstag bereits im ersten Wahlgang mit 59,1 Prozent überraschend die absolute Mehrheit. „Dass es so einen großen Vertrauensbeweis gibt, freut mich wahnsinnig. Ich hoffe, dass wir gemeinsam als Berliner SPD dieses Votum der Mitglieder auch nutzen und die führende Kraft bleiben“, sagte Müller nach der Auszählung.

Sein Konkurrent, SPD-Chef Jan Stöß, kam auf 20,8 Prozent der Stimmen. SPD-Fraktionschef Raed Saleh als dritter Bewerber für das Amt erhielt 18,6 Prozent, wie die Leiterin der Zählkommission, Barbara Loth, sagte. Regierungschef Wowereit äußerte sich erfreut, dass mit Müller die Arbeit des rot-schwarzen Senats in „politischer Kontinuität, aber auch mit neuen Akzenten“ fortgesetzt werde.

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Müller soll Berlin regieren Totgesagte leben länger

Ein alter Weggefährte tritt in die Fußstapfen von Berlins Regierungschef Klaus Wowereit. Michael Müller gilt als Arbeiter unter den Politikern. Beim Glamourfaktor muss er noch nachholen.

Er war schon abgesägt, doch jetzt ist er in Berlin oben auf: Michael Müller. Quelle: REUTERS

Müller muss nun noch bei einem SPD-Parteitag am 8. November nominiert und dann im Dezember im Abgeordnetenhaus gewählt werden. Auch der Koalitionspartner CDU muss also zustimmen.

Insgesamt hatten sich 11.136 der rund 17.200 Mitglieder an der Befragung beteiligt, das entspricht 64,77 Prozent.

Kandidaten wollen künftig zusammenarbeiten

Alle drei Bewerber beim SPD-Votum betonten bei einem gemeinsamen Auftritt vor der Presse, dass sie die Rivalitäten nun hinter sich lassen wollten. „Dass es so einen großen Vertrauensbeweis gibt, damit habe ich nicht gerechnet“, sagte Müller. Er hoffe, dass die SPD gemeinsam dieses Votum nun nutze für einen starken Auftritt. Er sei „ein bisschen reingegrätscht“ in die Kandidaturen der beiden Vorsitzenden von Partei und Fraktion. Manche Schärfe in der Auseinandersetzung sei dem innerparteilichen Wahlkampf geschuldet: „Konkurrenz heißt auch, Dinge auf den Punkt zu bringen.“

Wer wird Wowereits Nachfolger?

  • Hintergrund

    Berlins Regierungschef Klaus Wowereit will am 11. Dezember, knapp zwei Jahre vor Ablauf seiner dritten Amtszeit, zurücktreten. Die Berliner SPD sucht einen Nachfolger - und tut sich damit schwer. Die rund 17 200 Parteimitglieder dürfen entscheiden, wen die Partei als künftigen Regierenden Bürgermeister nominiert, der sich dann auch mit dem Pannenflughafen Schönefeld herumschlagen darf.

  • Jan Stöß

    Der 41-Jährige ist Landeschef der Berliner SPD. Er inszeniert sich als Intellektueller, ein wenig schon jetzt als Regierungschef. Sein Leitsatz: „Mut zur Veränderung“. Als Einziger legte Stöß ein Programm vor: Mit einem milliardenschweren „Zukunftsinvestitionsprogramm“ in die öffentliche Infrastruktur und Personal verspricht er wesentlich mehr als die anderen. Unklar bleibt, wie er das finanzieren will. Stöß will die SPD mehr nach links rücken. Erfahrung im Parlament hat der kurzzeitige Stadtrat nicht. Für den Wahlkampf ließ sich der promovierte Verwaltungsrichter beurlauben.

  • Michael Müller

    Wowereits ehemaliger Kronprinz Michael Müller, 49,  will an die Arbeit des Noch-Regierenden anknüpfen. „Ich lasse mir unsere Erfolge nicht kleinreden“, sagt er. Dick auftragen ist dabei nicht seine Art. Er betont stattdessen die Erfahrung von mehr als zehn Jahren als SPD-Partei- und Fraktionschef und drei Jahren als Senator. Oft wurde ihm Blässe nachgesagt - das münzt Müller jetzt in Verlässlichkeit um. „Regieren muss man auch können“, sagte er leicht süffisant in Richtung der weniger erfahrenen Konkurrenz. Selbstkritisch gibt er zu, beim Glamourfaktor „noch Luft nach oben“ zu haben.

  • Raed Saleh

    Fraktionschef Raed Saleh spielt die Migrantenkarte und setzt auf Emotionen. Er sei ein „waschechter Berliner“, versichert der gebürtige Palästinenser, der als Fünfjähriger in die Stadt kam. Saleh will der erste deutsche Ministerpräsident mit ausländischen Wurzeln werden und Wowereits Erfolgsgeschichte von der weltoffenen Metropole weiterschreiben. Sozialer Aufstieg und Bildung sind Salehs Themen. Dabei scheut er sich auch nicht, in Debatten die Ratschläge seiner Grundschullehrerin und seines bereits gestorbenen Vaters zu beschwören: „Arbeite hart, Raed!“ Und: „Achte die deutschen Gesetze!“.

Vor allem Stöß hatte Müller mit einem eigens geschriebenen 100-Tage-Programm „Mut zur Erneuerung“ attackiert, während Müller Erfolge der SPD-Regierungsbeteiligung der vergangenen 13 Jahre in den Vordergrund stellte. Stöß sagte Müller nun Unterstützung zu: „Alle für einen, einer für alle. Dieser eine ist Michael Müller.“ Die SPD müsse in den nächsten Wochen alles daran setzen, die Abgeordnetenhauswahl 2016 in den Blick zu nehmen: „So kann das mit der SPD gut weitergehen.“ Saleh sagte: „Meine Solidarität gehört dem neuen Regierenden Bürgermeister.“

Müller steht Wowereit nahe

Wowereit will nach 13 Jahren im Amt zum 11. Dezember zurücktreten. Am selben Tag muss sein Nachfolger gewählt werden. Auch die Senatoren werden neu vereidigt. Mit Müller verbindet Wowereit eine lange politische Zusammenarbeit. Beide stehen sich auch menschlich nah. Dennoch hatte Wowereit keine offizielle Wahlempfehlung ausgesprochen.

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Der Nachfolger von Klaus Wowereit könnte bereits an diesem Wochenende feststehen.  Wer auch immer neuer Bürgermeister in der Hauptstadt werden sollte: Es bleibt reichlich zu tun.

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Müller ist seit drei Jahren Stadtentwicklungssenator in Berlin und hat damit das größte Ressort im SPD/CDU-Senat inne. Zuvor war er zehn Jahre SPD-Fraktionschef und acht Jahre Parteivorsitzender gewesen.

Der SPD-Bundesvorsitzende Sigmar Gabriel gratulierte ihm zu diesem „überzeugenden Ergebnis“ und nannte ihn einen „hervorragenden Kandidaten“ für das Amt. „Michael Müller hat die Erfahrung, den Kompass und auch das Herz, unsere Hauptstadt gut zu regieren.“ Zugleich rief Gabriel die Berliner SPD zu Geschlossenheit nach dem innerparteilichen Wettbewerb um die Wowereit-Nachfolge auf.

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