Zapfenstreich: Vuvuzelas gegen Wulff

Zapfenstreich: Vuvuzelas gegen Wulff

Ein Rücktritt mit Pauken und Protest: Politiker machten sich durch Fernbleiben Luft, Demonstranten störten den großen Zapfenstreich mit Lärm und Rufen. Wulff ertrug's mit Fassung.

Nicht nur Wulffs Gegner meinten, er hätte sich den feierlichen Abschied mit Großem Zapfenstreich besser geschenkt. Draußen vor dem Schloss Bellevue machten Bürger ihrem Ärger mit Vuvuzelas Luft. So hatte sich der Ex-Bundespräsident den Abend nicht vorgestellt. Die Gäste waren noch gar nicht da im Schlosspark von Bellevue, und auch das Musikkorps der Bundeswehr noch nicht, aber die Trillerpfeifen und Tröten und Vuvuzelas waren schon aktiv. Als dann zum Auftakt des Großen Zapfenstreichs für Christian Wulff der erste Marsch ertönte, da kämpften Bundeswehr und Demonstranten um die akustische Lufthoheit am Spreeufer. Der Abschied für Christian Wulff - drei Wochen nach seinem Rücktritt - verlief anders als geplant.

Mit ernstem Gesicht, vielleicht ein bisschen gerührt, verfolgte der Bundespräsident a.D. die Zeremonie, die er sich so sehr gewünscht hatte. In der ersten Reihe der Zuschauer Wulffs Frau Bettina, Kanzlerin Angela Merkel und der große Teil des Kabinetts. Fast ein bisschen verloren wirkten die knapp 200 Gäste auf dem großen Rasen, viele von ihnen Mitarbeiter des Präsidialamtes. Am Ende schienen manche doch auch genervt von den Protestgeräuschen. Die „Pfui“- und „Schande“-Rufe waren nicht zu überhören.

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Zapfenstreich - und keiner geht hin
Die Ehrung war wegen der Umstände des Rücktritts und der Vorwürfe gegen Wulff umstritten. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Vorteilsannahme. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast warf Wulff vor, mit der militärischen Verabschiedung der Bundeswehr zu schaden. Im „Hamburger Abendblatt“ sagte Künast zudem, Wulff solle sich über die Annahme des Ehrensolds in Höhe von 199 000 Euro äußern. „Wir alle haben das Gefühl, dass Herr Wulff mit 52 Jahren nach 20 Monaten Amtszeit zu viel Geld bekommt.“Wulff war nach nur knapp 600 Tagen im Amt zurückgetreten. Rot-grüne Spitzenpolitiker fehlten bei der Verabschiedung ebenso wie Wulffs mutmaßlicher Nachfolger Joachim Gauck oder Wulffs Nachfolger. Als Gastgeber fungierte der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer, der als Bundesratspräsident das Staatsoberhaupt vertritt.

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