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ZDF talkt über sich selbst: Maybrit Illner geht den eigenen Chef an

18. Januar 2013, aktualisiert 18. Januar 2013, 06:56 Uhr
Moderatorin Maybrit Illner sprach mit ihren Gästen über das Thema GEZ. Quelle: Carmen SauerbreiZDF/Carmen SauerbreiBild vergrößern
Moderatorin Maybrit Illner sprach mit ihren Gästen über das Thema GEZ. Quelle: Carmen SauerbreiZDF/Carmen Sauerbrei
von Christian Bartels Quelle: Handelsblatt Online

Ausgerechnet beim Rundfunkbeitrag und der „heiligen Kuh“ Thomas Gottschalk als Talkthemen zeigte sich ZDF-Moderatorin Maybrit Illner in Bestform – insbesondere ihrem Intendanten Thomas Bellut gegenüber.

Gegen Ende wirkte ZDF-Intendant Thomas Bellut derart verdattert, dass ihm sogar das Top-Argument zu entfallen schien, warum noch mal das ZDF mit einer gewaltigen, nicht offen genannten Summe den Privatsender Sat.1 bei den Rechten an der Fußball-Champions League überboten hatte. Maybrit Illner half gerne aus: damit auch junge Zuschauer ab und zu einschalten und sich dabei einprägen, wo auf ihrer Fernbedienung das Zweite zu finden ist.

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Diese Hilfe für einen Gast war kein Schaden, denn bis dahin hatte die blendend aufgelegte ZDF-Moderatorin ihrem Intendanten kräftig Contra gegeben und ihre Sendung zum Thema „Gebühren, Quoten, Qualität – Sind ZDF und ARD ihr Geld wert?“ zu einer weit überdurchschnittlich sehenswerten Talkshow gemacht. Sie hatte Bellut gefragt, wie Thomas Gottschalk beim ZDF den „Status einer heiligen Kuh“ bekommen konnte, warum sich ARD und ZDF bei der Übertragung von Fußball-Welt- und Europameisterschaften nicht einfach alle zwei Jahre abwechseln anstatt gemeinsam riesige Teams hinzuschicken, und wie viele Digitalkanäle das ZDF eigentlich benötigt, wenn inzwischen doch alles Fernsehen weitgehend digital verbreitet wird. Den SWR-Justitiar Hermann Eicher hatte mit taffen Nachfragen unter anderem zu der neuen Rundfunkgebührenpflicht auch für Behinderte derart verblüfft, dass diese ziemlich oft „mit Verlaub“ sagen musste, und dass „der Gesetzgeber“ es eben so gewollt habe.

Überhaupt war die Sendung gut besetzt (auch wenn der Jurist Ermano Geuer, der erste Kläger gegen die neue Rundfunkgebühr per Twitter bekundet hatte, dass auch er gern eingeladen worden wäre). „Handelsblatt“-Redakteur Hans-Peter Siebenhaar, durch sein Buch „Die Nimmersatten“ derzeit einer der bekanntesten Kritiker des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, zeigte sich zahlenstark und brachte sowohl die über 150 privatwirtschaftlichen Tochterfirmen der Sendeanstalten wie auch seine Forderung, ARD und ZDF zu fusionieren aufs Tapet.

Christoph Keese, der „Außenminister“ des Springer-Konzerns, kritisierte die Programmgestaltung des Digitalkanals ZDF-Neo, lobte aber auch andere ZDF-Programme und ritt am Ende noch ein wenig sein Steckenpferd der „elektronischen Presse“, die ARD und ZDF seiner Ansicht nach im Internet veranstalten. Olaf Scholz, Erster Bürgermeister von Hamburg, hielt sich dermaßen zurück, dass man gar nichts von SPD-Wahlkampf spürte, dafür jedoch einen Eindruck von der „Staatsferne" erhielt, die zum Anspruch des öffentlich-rechtlichen Fernsehens ja unbedingt zählt.

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Kommentare | 5Alle Kommentare
  • 18.01.2013, 10:32 Uhrhmohs

    Liebe Wiwo, lieber Hr. Tichy,

    bitte halten Sie den Druck durch Beiträge wie Trichys Totale vom 14.1, Nr. 3 auf die öffentlich-rechtliche Abzocke aufrechtrecht. Die Uneinsichtigkeit der öffentlich-rechtlichen Staatssender in Sachen Gebühren ähnelt sehr stark den Argumenten der NRA gegen Waffenbesitzeinschränkungen in den USA - Besitzstandwahrung, Uneinsichtigkeit, Pfründe sichern, Ableitung von Rechten aus grauer Vorzeit.

    Mit freundlichen Grüßen
    Ein langjähriger Leser und Abonnent

  • 18.01.2013, 11:10 UhrNichtDumm

    Alleine wie alle am Fernsehen beteiligten zur Zeit jedem mit weitaufgerissenen Augen treudoof ins Gesicht glotzen sagt schon alles. Da haben wirklich ein paar zehnmalkluge Dumpfbacken geglaubt, sie könnten ihr Schürzchen aufhalten und es würde widerspruchslos Goldtaler in die Eingeweide ihrer Geldsäckchen regnen. Der Bürger muss sich erheben und gegen eine heimlich übers Hintertürchen eingeführte Gebührenerhöhung wehren. Alle aufrechten Politiker haben sich den Gebührenzahlern zur Seite zu stellen und zwar nicht nur den Firmen, denn sonst trägt zuletzt die ganze Last nur noch der kleine Mann. Natürlich auch die kleine Frau.

  • 18.01.2013, 14:21 Uhrmathias

    -Sendeleistung Halbieren
    -Bund der Steuerzahler "Transparenz" bei Ausgaben

    Das sind NICHT die Kernprobleme dieser Abzocke

    VERHÄLTNIS öff.-rechtl.-Sender zu den Politikern

    Der Staat (will) hat hier Zwangsabgaben eingeführt,oder anders
    gesagt-
    ZWANGSSTEUER damit sich die Politiker Ihre Propagandasendezeit
    sichern können.

    NUR IN EINER DIKTATUR kann sich dies eine politische Partei
    erlauben. SPDCDUFDPGRÜNE sichern damit nur IHRE Sendezeit um
    Parteipropaganda-Mist verbreiten zu können.

    Wofür erhalten die Parteien Wahlkampfgelder aus Steuern
    wenn für die Verbreitung auch Zwangsabkassiert wird.

    Noch genauer zu sagen:
    EIGENWERBUNG der pol.-Parteien doppelt Zwangsfinanziert.

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