
Gegen Ende wirkte ZDF-Intendant Thomas Bellut derart verdattert, dass ihm sogar das Top-Argument zu entfallen schien, warum noch mal das ZDF mit einer gewaltigen, nicht offen genannten Summe den Privatsender Sat.1 bei den Rechten an der Fußball-Champions League überboten hatte. Maybrit Illner half gerne aus: damit auch junge Zuschauer ab und zu einschalten und sich dabei einprägen, wo auf ihrer Fernbedienung das Zweite zu finden ist.
Diese Hilfe für einen Gast war kein Schaden, denn bis dahin hatte die blendend aufgelegte ZDF-Moderatorin ihrem Intendanten kräftig Contra gegeben und ihre Sendung zum Thema „Gebühren, Quoten, Qualität – Sind ZDF und ARD ihr Geld wert?“ zu einer weit überdurchschnittlich sehenswerten Talkshow gemacht. Sie hatte Bellut gefragt, wie Thomas Gottschalk beim ZDF den „Status einer heiligen Kuh“ bekommen konnte, warum sich ARD und ZDF bei der Übertragung von Fußball-Welt- und Europameisterschaften nicht einfach alle zwei Jahre abwechseln anstatt gemeinsam riesige Teams hinzuschicken, und wie viele Digitalkanäle das ZDF eigentlich benötigt, wenn inzwischen doch alles Fernsehen weitgehend digital verbreitet wird. Den SWR-Justitiar Hermann Eicher hatte mit taffen Nachfragen unter anderem zu der neuen Rundfunkgebührenpflicht auch für Behinderte derart verblüfft, dass diese ziemlich oft „mit Verlaub“ sagen musste, und dass „der Gesetzgeber“ es eben so gewollt habe.
Bild: dpa/picture alliance„hart aber fair“ mit Moderator Frank Plasberg
Das WDR-Urgestein hat mit seiner seit 2001 laufenden Talkshow eine feste Fangemeinde. Nur acht Prozent der im Auftrag des „Focus“ vom Meinungsforschungsinstitut Emnid befragten Deutschen würden auf Plasberg verzichten wollen. Dafür setzt sich sein montäglicher Talk durch kurze Einspielfilme, die Zuschaueranwältin Brigitte Büscher und den unaufgeregten Stil von Plasberg auch zu deutlich ab.
Bild: dpa„Günther Jauch“
Jeden Sonntag nach dem ARD-Krimi empfängt Jauch 60 Minuten lang unter dem Motto „Der Polittalk aus dem Herzen der Hauptstadt“ Gäste im Berliner Gasometer. Dabei ist das Thema Politik keine allzu strenge Vorgabe, auch gesellschaftliche Aspekte werden behandelt. Nur acht Prozent der Deutschen würden darauf verzichten wollen.
Bild: Screenshot„Menschen bei Maischberger“ mit Moderatorin Sandra Maischberger
Im September 2003 übernahm die Münchener Journalistin den Sendeplatz von Alfred Bioleks Sendung „Boulevard Bio“ am Dienstagabend. Bei „Menschen bei Maischberger“ stehen traditionell eher gesellschaftliche Themen und Diskussionen im Vordergrund. 16 Prozent der 1006 Befragten könnten darauf verzichten.
Bild: dpa/picture alliance„Anne Will“
2007 startete der Polit-Talk unter dem Slogan „Politisch denken, persönlich fragen“ auf dem sonntäglichen Sendeplatz von Sabine Christiansen, seit Jauchs Rückkehr läuft die Sendung mittwochs um 22.45 Uhr. Anne will auf jeden Fall noch, dafür würden aber 17 Prozent der Zuschauer auf die Talkshow verzichten können.
Bild: NDR/Morris Mac Matzen„Beckmann“ mit Moderator Reinhold Beckmann (hier mit Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg)
Wenn es nach den deutschen Zuschauern geht, ist das „persönliche, konzentrierte Gespräch mit prominenten und ungewöhnlichen Gästen“ ein Auslaufmodell: 21 Prozent würden die Sendung am Donnerstag - hier mit Ex-Verteidigungsminister zu Guttenberg als Gast - nicht vermissen.
Bild: picture alliance / dpadpa picture allianceKritik an der Talkshow-Schwemme im Ersten hatten zuletzt noch Bundestagspräsident Norbert Lammert und der der Rundfunkrat des Westdeutschen Rundfunks (WDR) geäußert: Die Flut von Talkshows sei problematisch für das politische Urteilsvermögen der Bevölkerung, sagte Lammert am Dienstag bei der Feier zum 60-jährigen Bestehen des Berliner Presse Clubs. „Das Format schließt aus, dass die Sachverhalte ernsthaft diskutiert werden.“
Zuvor hatte bereits die Vorsitzende des WDR-Rundfunktrats Ruth Hieronymi gefordert, die Zahl der Talkshows zu reduziern. „Der Rundfunkrat hat ja schon, als die fünf Talkshows gestartet sind, die Sorge geäußert, dass das zu viel sein könnte“, sagte sie. Diese Bedenken hätten sich bestätigt.
„hart aber fair“ mit Moderator Frank Plasberg
Das WDR-Urgestein hat mit seiner seit 2001 laufenden Talkshow eine feste Fangemeinde. Nur acht Prozent der im Auftrag des „Focus“ vom Meinungsforschungsinstitut Emnid befragten Deutschen würden auf Plasberg verzichten wollen. Dafür setzt sich sein montäglicher Talk durch kurze Einspielfilme, die Zuschaueranwältin Brigitte Büscher und den unaufgeregten Stil von Plasberg auch zu deutlich ab.
Überhaupt war die Sendung gut besetzt (auch wenn der Jurist Ermano Geuer, der erste Kläger gegen die neue Rundfunkgebühr per Twitter bekundet hatte, dass auch er gern eingeladen worden wäre). „Handelsblatt“-Redakteur Hans-Peter Siebenhaar, durch sein Buch „Die Nimmersatten“ derzeit einer der bekanntesten Kritiker des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, zeigte sich zahlenstark und brachte sowohl die über 150 privatwirtschaftlichen Tochterfirmen der Sendeanstalten wie auch seine Forderung, ARD und ZDF zu fusionieren aufs Tapet.
Christoph Keese, der „Außenminister“ des Springer-Konzerns, kritisierte die Programmgestaltung des Digitalkanals ZDF-Neo, lobte aber auch andere ZDF-Programme und ritt am Ende noch ein wenig sein Steckenpferd der „elektronischen Presse“, die ARD und ZDF seiner Ansicht nach im Internet veranstalten. Olaf Scholz, Erster Bürgermeister von Hamburg, hielt sich dermaßen zurück, dass man gar nichts von SPD-Wahlkampf spürte, dafür jedoch einen Eindruck von der „Staatsferne" erhielt, die zum Anspruch des öffentlich-rechtlichen Fernsehens ja unbedingt zählt.
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