ZEW-Studie: Kürzung von Hartz IV motiviert zur Jobsuche

ZEW-Studie: Kürzung von Hartz IV motiviert zur Jobsuche

von Bert Losse

Je härter Arbeitsagenturen mit unkooperativen Hartz-IV-Empfängern verfahren, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese wieder einer geregelten Arbeit nachgehen.

Dies berichtet die WirtschaftsWoche unter Berufung auf eine bislang unveröffentlichte Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim. Die Ökonomen Bernhard Boockmann, Stephan Thomsen und Thomas Walter werteten dazu umfangreiches Datenmaterial von 154 Jobcentern aus und analysierten das „Suchverhalten“ von mehr als 15 000 Personen zwischen 18 und 58 Jahren. Dabei verglichen sie jene Jobcenter, die – vor allem im Süden der Republik – stärkeren Druck ausüben und solche, die Sanktionen eher lax handhaben.

„Die Modellrechnungen zeigen, dass Sanktionen und insbesondere ein Strategiewechsel der Jobcenter von einer milden zu einer intensiven Sanktionsstrategie tatsächlich Wirkungen auf Leistungsempfänger haben“, resümieren die Ökonomen. Bei Hartz-IV-Empfängern, die einem sanktionsfreudigen Jobcenter zugeteilt sind, sei die Wahrscheinlichkeit eines sozialversicherungspflichtigen Jobs nach der Sanktion „signifikant höher als im Falle ohne Leistungskürzung aufgrund einer milden Sanktionsstrategie“.

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Nach acht Monaten betrage „der Anstieg der Beschäftigungswahrscheinlichkeit der Sanktionierten bereits mehr als 50 Prozentpunkte.“ Die Mannheimer Ökonomen kommen daher zu dem Ergebnis: „Ein verstärkter Einsatz von Sanktionen würde zu einer effektiveren Aktivierung der Hilfebedürftigen beitragen und die Übergangsraten aus der Hilfebedürftigkeit in Beschäftigung deutlich erhöhen.“

Nach letzten verfügbaren Zahlen kürzten die Arbeitsagenturen zwischen Januar und Oktober 2009 laut WirtschaftsWoche in knapp 600 000 neuen Fällen die Hartz-IV-Leistungen, etwa weil Langzeitarbeitslose Meldepflichten versäumt oder Arbeits-und Eingliederungsangebote abgelehnt hatten.

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