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Zinsen: Fed fährt auf Sicht

Die Währungshüter in Europa und Amerika drehen weiter an der Zinsschraube.

Am vergangenen Donnerstag war US-Notenbankchef Ben Bernanke wieder an der Reihe: Er erhöhte den Leitzins um einen weiteren viertel Prozentpunkt auf jetzt 5,25 Prozent. Der Schritt war weithin erwartet worden. Wie es weitergeht, darüber sind die Experten jedoch uneins. Einige glauben, dass es die Fed dabei bewenden lassen wird, andere rechnen mit einem weiteren Anstieg der Leitzinsen auf bis zu sechs Prozent. Nach ungewöhnlich deutlichen Warnungen Bernankes vor einer zu hohen Inflationsrate hatte in den vergangenen Wochen die Nervosität an den Finanzmärkten deutlich zugenommen – aus Sorge, die Notenbank könnte über das Ziel hinausschießen und mit zu hohen Zinsen die Konjunktur abwürgen. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Märkte an der Sinnhaftigkeit weiterer Zinserhöhungen zweifeln, ist auch die Tatsache, dass die Kurzfristzinsen in den USA im Juni mit 5,24 Prozent höher lagen als die Zinsen für Langläufer mit 5,1 Prozent. Eine solche inverse Zinsstruktur ist ungewöhnlich und deutete in der Vergangenheit häufig auf eine bevorstehende Rezession hin. Kein Wunder, dass sich Bernanke in seinem Statement erst einmal alle Optionen offen hielt: Er wies sowohl auf die akuten Inflationsgefahren hin als auch auf die Möglichkeit einer Abkühlung der US-Konjunktur. Das bedeutet: Die Fed wird in den nächsten Monaten weiter auf Sicht fahren und die weiteren Konjunkturdaten abwarten. Experten rechnen schon für das zweite Quartal mit einer deutlichen Verlangsamung des Wachstums – die Ökonomen der Deutschen Bank erwarten zum Beispiel eine Rate von 2,0 Prozent. Im ersten Quartal wuchs die amerikanische Wirtschaft allerdings noch stürmisch: Das Handelsministerium revidierte die auf das Jahr hochgerechnete Wachstumsrate nach oben – von 5,3 auf 5,6 Prozent. Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte ebenfalls bald mit ihren Zinserhöhungen fortfahren. Dafür spricht, dass die Inflation im Euro-Raum zuletzt mit 2,5 Prozent deutlich über der von der EZB angestrebten Zielmarke von weniger als zwei Prozent lag. Auch läuft die Geldmenge M3 weiter aus dem Ruder – im Mai erhöhte sie sich um 8,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr, nach 8,7 Prozent im April. Damit liegt das Geldmengenwachstum schon seit fast fünf Jahren über dem von der EZB angestrebten Referenzwert von 4,5 Prozent, bis zu dem kein übermäßiger Preisanstieg zu befürchten ist. Die meisten Beobachter erwarten, dass die EZB den Leitzins Ende August um weitere 0,25 Prozentpunkte auf dann drei Prozent erhöhen wird. Einige EZB-Ratsmitglieder hatten allerdings kürzlich angedeutet, der nächste Zinsschritt könne auch schon Anfang August erfolgen.

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