Zinsentscheidung: Die Fed ist zu spät dran

kolumneZinsentscheidung: Die Fed ist zu spät dran

Kolumne

Verzögert die US-Notenbank die Zinsanhebung zu lange? Riskiert sie damit neue Übertreibungen an den Finanzmärkten? Turbulenzen am Kapitalmarkt sind jedenfalls schon jetzt nicht mehr auszuschließen.

Die konjunkturellen Daten der USA sprechen eigentlich eine klare Sprache. Die Wirtschaft wächst gut: 2013 betrug das Wirtschaftswachstum der Vereinigten Staaten 1,9 Prozent und für 2014 wird ein Zuwachs von 1,7 Prozent erwartet. Die Teuerungsrate betrug 2013 noch 1,5 Prozent und wird in diesem Jahr voraussichtlich auf rund 1,9 Prozent steigen. Die Arbeitslosenquote in den USA ist sehr niedrig. Sie liegt nur noch gut 0,5 Prozentpunkte über dem Vollbeschäftigungsniveau. Und dennoch liegen dort die Leitzinsen seit fünfeinhalb Jahren bei nur 0,0 bis 0,25 Prozent.

Duales Mandat

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Besorgnisse, dass die US-Notenbank die Leitzinsen zu lange zu niedrig hält, werden an den Finanzmärkten immer häufiger geäußert. Selbst einige Mitglieder des geldpolitischen Rats (FOMC) der US-Notenbank fordern, den Kurs der US-Notenbank schon bald deutlich zu straffen.

Inwieweit die Fed tatsächlich schon „behind the curve“ ist, lässt sich anhand der allgemein anerkannten Taylor-Regel bestimmen. Ziel dieser im Grunde einfachen Regel ist es, den angemessenen Notenbankleitzins in Abhängigkeit vom jeweils aktuellen ökonomischen Umfeld zu bestimmen. Bei der amerikanischen Notenbank ist dabei zu beachten, dass sie ein duales Mandat hat. Die Fed strebt Vollbeschäftigung und  Preisniveaustabilität an.

Stefan Bielmeier Quelle: Presse

Stefan Bielmeier ist seit 2010 der Chefvolkswirt und Leiter Research der DZ Bank, dem Zentralinstitut von mehr als 900 Genossenschaftsbanken. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Bild: Presse

Die Taylor-Regel zeigt dabei unmissverständlich, dass die Fed ihre Leitzinsen gegenwärtig erheblich höher ansetzen müsste, als sie dies tatsächlich tut. Gemäß der Regel und unter Berücksichtigung des derzeitigen ökonomischen Umfeldes, müsste der US-Leitzins bei 2 Prozent liegen. Tatsächlich liegt der US- Leitzins bei 0,0 bis 0,25 Prozent.

Die Leitzinsen der USA hätten bei strikter Anwendung der Taylor-Regel also bereits um mindestens 150 Basispunkte angehoben werden müssen. Entscheidendes Resultat für die aktuelle Geldpolitik laut Taylor-Regel ist, dass die US-Notenbank in ihrem derzeit noch immer geführten Kampf gegen (zu) niedrige Inflationsraten, gegen eine hohe Arbeitslosigkeit und gegen eine Konjunkturschwäche mit ihrem Dauer-Niedrigzins den Bogen zu überspannen droht.

Gefährliche Verspätung

Verfolgt die Fed diese Politik noch länger, besteht die Gefahr, dass der „Exit“ aus der expansiven Politik zu spät erfolgt. Zentrale, kritische Folge hieraus könnte zweifelsohne sein, dass die Inflationserwartungen auf die mittlere Sicht, ihre Verankerung verlieren und die Notenbank Vertrauenskapital an den Finanzmärkten verspielt.

Die Glaubwürdigkeit der US-Notenbank als Hüterin der Geldwertstabilität könnte zur Disposition stehen. Alternativ können die Währungshüter mittels einer laxen Geldpolitik, gewollt oder ungewollt, Vermögenswerte, wie Aktien und Immobilen,  unverhältnismäßig aufblähen, was eine Blasenbildung in der Volkswirtschaft unterstützt. Ein Platzen derartiger Blasen geht fast zwangsläufig mit makroökonomischer Instabilität einher. Turbulenzen am Kapitalmarkt wären die Folge davon.

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