Zschäpe im NSU-Prozess: Nichts gewusst, nichts gehört, nichts gesehen

Zschäpe im NSU-Prozess: Nichts gewusst, nichts gehört, nichts gesehen

, aktualisiert 09. Dezember 2015, 17:20 Uhr
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Beate Zschäpe vor der Verlesung ihrer Aussage.

Beate Zschäpe hat im Münchner NSU-Prozess ihr Schweigen gebrochen. Aber überzeugt hat sie die Angehörigen der NSU-Mordopfer nicht. Einer von ihnen sagt am Ende sogar: Hätte sie doch besser geschwiegen.

Endlich. Endlich ist er da: der Tag, auf den Gamze Kubasik, Ismail Yozgat und all die Angehörigen der NSU-Opfer so viele Jahre gewartet haben. Beate Zschäpe, Hauptangeklagte im NSU-Prozess, will ihr Schweigen brechen, nach fast 250 Verhandlungstagen. Einige Zuschauer hatten schon über Nacht gewartet, um einen Platz zu ergattern, die Tribüne ist rappelvoll. Und: Mehrere Angehörige sind gekommen. Sie hoffen auf Erklärungen, warum ihre Ehemänner, Väter, Söhne sterben mussten. Doch - diese Erkenntnis wird am Ende dieser denkwürdigen Stunden im Gericht stehen - sie werden keine bekommen.

Alle Augen sind auf Zschäpe gerichtet, als die 40-Jährige um 9.43 Uhr in den Saal gebracht wird. Und das ist neu: Erstmals dreht sie sich nicht weg und den Fotografen den Rücken zu. Vielmehr setzt sich Zschäpe auf ihren Platz, lässt das Blitzlichtgewitter über sich ergehen und plaudert mit ihren beiden Anwälten: Mathias Grasel und Hermann Borchert, der an diesem 249. Verhandlungstag erstmals neben Zschäpe Platz nimmt. Immer wieder lächelt die Hauptangeklagte, die unter anderem wegen Mittäterschaft an zehn Morden vor Gericht steht.

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Beate Zschäpe im September 2015. Quelle: dpa

Grasel, Zschäpes neuer, erst 31 Jahre alter Anwalt, steht im Mittelpunkt dieses Vormittages. Er trägt ihre Aussage rund 90 Minuten lang vor, 53 Seiten lang, von ihr persönlich unterschrieben.

Und das ist - zusammengefasst - der Kern von Zschäpes Erklärung: Sie räumt ein, von den Banküberfällen ihrer beiden Freunde Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt gewusst zu haben - mit dem Geld habe man das Leben im Untergrund finanziert. Sie gesteht, die letzte Fluchtwohnung des Trios in der Zwickauer Frühlingsstraße in Brand gesteckt zu haben. Aber: Sie bestreitet energisch jede Beteiligung an den zehn Morden und den beiden Sprengstoffanschlägen, die die Bundesanwaltschaft dem „Nationalsozialistischen Untergrund“ vorwirft. Von den Taten habe sie immer erst im Nachhinein erfahren - und sei entsetzt gewesen. Sie habe sich auch nicht als Mitglied einer Terrorgruppe gesehen.

Um es auf den Punkt zu bringen: Zschäpe stellt sich in den zentralen Punkten der Anklage als unschuldig dar. Ziel ihrer Aussage ist, wie es aussieht, den Vorwurf der Mittäterschaft zu widerlegen. Denn sollte das Gericht sie am Ende tatsächlich als Mittäterin betrachten, könnte sie so verurteilt werden, als hätte sie selbst geschossen: mit lebenslanger Haft, möglicherweise mit Sicherungsverwahrung.

So könnte man Zschäpes Aussage auch als einen letzten Versuch werten, einer Maximalstrafe zu entgehen. Denn: Bundesanwaltschaft und Nebenkläger hatten immer wieder betont, dass sich die Anklagevorwürfe gegen Zschäpe in der bisherigen Beweisaufnahme bestätigt hätten.

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Doch so plausibel die Aussage an manchen Stellen klingt, so bizarr wirkt sie an vielen anderen Punkten: etwa, wenn Zschäpe einräumt, von einem Dutzend Waffen in der Wohnung gewusst zu haben: „Ich gewöhnte mich daran, ab und zu eine herumliegende Pistole gesehen zu haben.“

Zuerst aber geht es ausführlich um die Vorgeschichte: Kindheit, Schule, Jugend, Ausbildung zur Gärtnerin. Oder um die zunehmenden Streitigkeiten mit ihrer Mutter. Zschäpe lässt berichten, wie sie zunächst Mundlos und an ihrem 19. Geburtstag Böhnhardt kennenlernte, erst mit dem einen zusammen war und sich dann in den anderen verliebte. Von „nationalistischen“ Liedern ist die Rede, die sie mit ihren Freunden „gesungen beziehungsweise gegrölt“ habe.

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