Zu hohe Exportabhängigkeit: Tourismus soll Baden-Württemberg aus der Krise ziehen

Zu hohe Exportabhängigkeit: Tourismus soll Baden-Württemberg aus der Krise ziehen

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Ein Bootsverleiher am See von Schloss Monrepos in Ludwigsburg: Politik und Wirtschaft wollen die Exportabhängigkeit von Baden-Württemberg etwa durch mehr Tourismus verringern.

Die Wirtschaftskrise hat das Industrieland Baden-Württemberg weitaus stärker als andere Bundesländer getroffen. Nun wollen Politik und Wirtschaft die Exportabhängigkeit im Ländle verringern – zum Beispiel durch mehr Tourismus.

An Friedrich Schiller kommt in diesem Jahr kaum ein Besucher von Baden-Württemberg vorbei. Zum 250. Geburtstag des Dichters herrscht in seiner Geburtsstadt Marbach, aber auch in Lorch, Ludwigsburg, Stuttgart und Mannheim, wo Schiller ebenfalls wirkte, der kulturelle Ausnahmezustand. Höhepunkt ist im November die Wiedereröffnung des Schiller-Nationalmuseums; dann wird in Marbach gleich eine ganze Woche gefeiert.

Das Schiller-Fest lockt nicht nur Besucher aus dem In- und Ausland an, sondern dient auch der psychischen Ertüchtigung der Einheimischen: Endlich sind die Baden-Württemberger mal wieder stolz auf sich. Beim ökonomischen Musterknaben, über Jahre hinweg an stramme Wachstumsraten gewöhnt, ist das Selbstbewusstsein angeknackst, seit die globale Rezession die Schattenseite der traditionellen Exportstärke des Landes offengelegt hat: Kurzarbeit in der Autobranche, Insolvenzen im Mittelstand. Hinzu kamen massive Probleme der heimischen Landesbank. Und dann, natürlich, die bittere Schmach der Porsche-Übernahme durch Volkswagen.

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Krise trifft das Ländle besonders hart

Baden-Württemberg ist von der Krise überproportional betroffen. Während das – konjunktursensible – produzierende Gewerbe im Bundesdurchschnitt rund 30 Prozent zur Wirtschaftsleistung beiträgt, sind es im Ländle fast 40 Prozent. 2008 legte das Bruttoinlandsprodukt im Südwesten nur noch um schlappe 0,6 Prozent zu, während Gesamtdeutschland immerhin um 1,3 Prozent wuchs. Von Januar bis Juni 2009 schrumpften die Auftragseingänge der Industrie um 37,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr – im Bund war der Absturz fünf Punkte geringer.

„Im Aufschwung ist Baden-Württemberg immer vorn mit dabei – leider aber auch, wenn es nach unten geht“, weiß Landeswirtschaftsminister Ernst Pfister (FDP). Um diese Schwankungen auszugleichen, so seine Erkenntnis, „müssen wir Wirtschaftsbereiche stärker fördern, deren Leistungen nicht exportierbar sind – und die in Krisenzeiten die Wirtschaft stabilisieren“.

Vor allem die Gesundheitsbranche und der Tourismus sollen nun für Ausgleich sorgen. Schon heute arbeiten in der baden-württembergischen Tourismusbranche und Gastronomie 280.000 Menschen – in etwa so viel, wie im Maschinenbau. Der Anteil am Bruttoinlandsprodukt liegt bei rund sieben Prozent.

Mit seinen Kurorten, Thermal- und Heilbädern sowie der bundesweit höchsten Dichte von Sterne-Gastronomen zählt Baden-Württemberg zu den führenden Zentren des Wellness- und Gesundheitstourismus in Deutschland. Die Kur- und Bäderwirtschaft, die nach der Gesundheitsreform in ein tiefes Tal der Tränen fiel, hat sich vielerorts wieder berappelt. Dazu hat auch ein von Land und Heilbäderverband entwickeltes Gütesiegel für Wellnesshotels und Thermen beigetragen, das die Branche zu neuen Angeboten und Investitionen animierte.

2008 reisten immerhin 16,5 Millionen Besucher nach Baden-Württemberg, drei Prozent mehr als im Vorjahr. Jetzt aber lässt der Zustrom nach; von Januar bis Juni sank die Zahl der ankommenden Gäste um fast vier Prozent. Und das ist nicht unbedingt nur eine Folge der schlechten Konjunktur – es gibt auch hausgemachte Probleme. In vielen Regionen fehlt es an Vier- und Fünf-Sterne-Hotels. Gerade im ländlichen Bereich haben zudem viele Herbergen in den vergangenen Jahrzehnten zu wenig investiert und verströmen den Charme der Siebzigerjahre. Das könnte mit die Ursache dafür sein, dass die Gäste in den vergangenen Jahren im Schnitt immer kürzer blieben. „Wir haben in der Hotellerie und der touristischen Infrastruktur einen erheblichen Modernisierungsbedarf“, gesteht Wirtschaftsminister Pfister.

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