Zukunftsinvestition: Friedrichshafen liegt im High-Tech-Fieber

Zukunftsinvestition: Friedrichshafen liegt im High-Tech-Fieber

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Friedrichshafen: Die Stadt am Bodensee ist ein lebendes Labor

Stadt und Telekom investieren Millionen, um Friedrichshafen in ein Zukunftslabor für Kommunikationstechnik zu verwandeln.

Der Haushalt von Hans-Joachim Bachmann ist nichts für kommunikationstechnische Puristen. Die Familie hat fünf High-Tech--Handys, jedes der drei Kinder besitzt ein iPhone. Zu Hause gibt es einen schnellen VDSL-Anschluss, mehrere Computer, ein Notebook und Internet-TV. Für seinen Unterricht bekam der Berufsschullehrer ein Mobiltelefon mit Beamer-Funktion. Dazu besitzt er einen High-Tech-Stift mit eingebauter Kamera und Spezialpapier – das Schreibgerät ist in Wahrheit ein Mini-Scanner. All die schicken Geräte kosten Bachmann keinen Cent. Seine Gegenleistung: Er soll mit 24 weiteren „Botschaftern“ in Friedrichshafen für das Großprojekt „T-City“ werben.

T-City ist ein Gemeinschaftsprojekt von Deutscher Telekom und Stadtverwaltung und, wie Telekom-Chef René Obermann lobt, „ein riesiges öffentliches Zukunftslabor“. 2007 setzte sich Friedrichshafen in einem Wettbewerb gegen 51 andere Kommunen durch. Nun investiert die Telekom in der Bodensee-Stadt bis 2012 bis zu 80 Millionen Euro, um neue Technologien, Verfahren und Produkte in der Praxis zu testen. Aber auch die Stadt, ihre Unternehmen und die 58.000 Einwohner sollen profitieren. Über 98 Prozent der Haushalte sind an das schnelle VDSL-Netz angeschlossen, damit ist „Friedrichshafen die Stadt mit der höchsten VDSL-Dichte Deutschlands“, sagt Ferdinand Tempel, Leiter der T-City-Repräsentanz. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten soll nun die heiße Phase beginnen.

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- Am 9. Oktober startet das Großprojekt De-Mail. Dahinter verbirgt sich ein elektronisches, mit hohem Sicherheitsstandard versehenes System der Dokumentenübermittlung, das künftig den Versand per Brief ersetzen könnte – etwa von Lohnabrechnungen, Verwaltungsbescheiden, Versicherungspolicen oder Krankendaten. Teilnehmer sind unter anderem Stadtverwaltung, Industriebetriebe, Banken, Versicherungen und die IHK.

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- Wenig später beginnt der Pilotversuch „E-Metering“. Dahinter verbirgt sich die externe Datenabfrage bei 1000 privaten Stromkunden. Die Stadtwerke sparen sich so das Ablesen der Zählerstände, die Kunden können online ihren Stromverbrauch checken. Oberbürgermeister Andreas Brand (Freie Wähler) hofft, das technische Know-how später zusammen mit der Telekom vermarkten zu können.

- Die großen Unternehmen der Stadt – EADS, Zeppelin, MTU, ZF – testen ein System, das den Zugriff der Mitarbeiter von überall in der Welt auf interne Netzwerke komfortabler und sicherer macht.

- Am Klinikum Friedrichshafen läuft das deutschlandweit erste Telemedizinprojekt zur Betreuung chronisch herzkranker Patienten. Dieser elektronischen Visite unterziehen sich 26 Personen; bald soll die Zahl auf 50 steigen. Anstatt zur Kontrolle in die Klinik fahren zu müssen, messen sich die Teilnehmer mit speziellen Geräten selber Puls und Blutdruck; die Daten werden automatisch an ein Versorgungszentrum übermittelt. Die Kommunikation zwischen Patienten und Ärzten läuft über Fernsehgeräte, die mit sogenannten Set-Top-Boxen aufgerüstet wurden.

Erste Zweifel

Hinzu kommt gut ein Dutzend weiterer Einzelmaßnahmen, etwa an Schulen. Doch die anfängliche Euphorie ist bei den Friedrichshafenern etwas verflogen. Wirtschaftskrise und wegbrechende Steuereinnahmen haben erste Zweifel geweckt. T-City kostet die Stadtkasse nach den ursprünglichen Planungen zwischen acht bis zwölf Millionen Euro – viel Geld in einer Zeit, in der der Stadtrat gerade ein Haushaltsloch in zweistelliger Millionenhöhe zu stopfen hat. „Wir müssen schauen, was der Stadt und den Bürgern wirklich nutzt“, sagt Brand. Das teure T-City-Projekt eines neuen Verkehrsleitsystems hat die Stadt erst mal auf Eis gelegt und will das Geld lieber in den Straßenbau stecken. Die Ausgaben für Online-Projekte der Verwaltung werden um „einen sechsstelligen Betrag gekürzt“. Dennoch ist Brand stolz: „Dieses Projekt sucht seinesgleichen in Deutschland.“

Das findet auch T-City-Botschafter Bachmann – auch wenn er 2010 nach Abschluss seiner Tests seine Telefone und Geräte an die Telekom zurückgeben muss. Dann könnte es für ihn doch noch teuer werden: „Auf ihre iPhones wollen die Kinder bestimmt nicht mehr verzichten“, schwant es dem Lehrer. „Die muss ich dann auf eigene Rechnung kaufen.“

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