Zum Tod von Horst Ehmke: „Die alternde, ewig junge Hoffnung der SPD“

Zum Tod von Horst Ehmke: „Die alternde, ewig junge Hoffnung der SPD“

, aktualisiert 13. März 2017, 13:07 Uhr
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Der ehemalige Bundesminister und Kanzleramtschef Horst Ehmke vertrat bis ins Jahr 1990 die SPD-Außenpolitik in der Opposition. Im Ruhestand verfasste Ehmke mehrere Kriminalromane, die im politischen Spektrum spielen.

Quelle:Handelsblatt Online

Sein Vater leitete in Danzig eine Privatklinik, er selbst studierte nach dem Krieg als einer der ersten Deutschen in den USA: Der Juraprofessor Horst Ehmke war in der Arbeiterpartei SPD ein „Seiteneinsteiger von oben“.

BerlinFür manchen waschechten Sozialdemokraten ließ Horst Ehmke den richtigen Stallgeruch vermissen: Aus gutbürgerlichem Elterhaus in Danzig stammend, hatte der Arztsohn in Amerika studiert. Der scharfzüngige Intellektuelle war mit Mitte 30 schon Professor für Staatsrecht in Freiburg, als er Staatssekretär unter Justizminister Gustav Heinemann wurde, und 1969 dessen Nachfolger. Am Sonntag starb der „Spezialist für alles“, wie Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) seinen Vertrauten wohlwollend nannte, im Alter von 90 Jahren in einem Bonner Krankenhaus.

In der sozialliberalen Ära unter Brandt und Vize-Kanzler Walter Scheel (FDP) spielte der früh ergraute Haudegen eine tragende Rolle. Als Kanzleramtschef ging er energisch an die Modernisierung der Regierungszentrale. Mit der „MP unter dem Arm“ sei Ehmke, genannt „Hotte“, damals durchs Kanzleramt gelaufen, um Beamte auf Trab zu bringen, berichteten Weggefährten. An der Durchsetzung der neuen Ostpolitik war Ehmke entscheidend beteiligt - also der von Brandt angestoßenen und von CDU/CSU erbittert bekämpften Entspannungspolitik in Richtung Sowjetunion.

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Die trüben Umstände der Guillaume-Spionage-Affäre brachten Brandt zu Fall und führten 1974 auch zu Ehmkes Ausscheiden aus dem Kabinett, dem er zuletzt als Forschungs- und Postminister angehörte. Bis 1990 vertrat Ehmke in der Opposition die SPD-Außenpolitik, dem Bundestag gehörte er noch bis 1994 an.

Ehmke, Wortführer der „linken Mitte“ mit dem Image des Querdenkers, nannte sich einmal selbst ironisch die „alternde, ewig junge Hoffnung der SPD“. Als einer der ersten in der SPD-Spitze erkannte Ehmke, dass die Sprachlosigkeit in Richtung der neu aufkommenden Grünen auf Bundesebene nicht ewig anhalten durfte. Auch die Kontakte zur FDP, dem Bündnispartner seiner Anfangsjahre, ließ er nie abreißen.

In der Bundestagsfraktion kam es wiederholt zu heftigen Zusammenstößen zwischen dem peniblen Chef Hans-Jochen Vogel und seinem Stellvertreter mit der Neigung zu unkonventionellen Ideen. Nach Ehmkes Aufforderung, Vogel möge den SPD-Parteivorsitz an einen Jüngeren übergeben, entzog ihm Vogel sogar das „Du“ der Genossen und titulierte ihn fortan nur noch als „Professor“.

In jungen Jahren, kurz vor Kriegsende, war Ehmke als 18-jähriger Offiziersanwärter verwundet in sowjetische Gefangenschaft geraten, wurde aber wegen einer Erkrankung Ende 1945 entlassen. Dass er, wie 2007 bekannt wurde, als NSDAP-Mitglied erfasst war, war ihm nach eigenen Worten unbekannt.

Er studierte neben Jura auch Volkswirtschaft in Göttingen, wo er im Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) mitmachte. Schon 1947 trat er in die SPD ein. 1951 machte Ehmke, nach einem Auslandsaufenthalt an der renommierten US-Universität Princeton, das erste juristische Staatsexamen, 1956 das zweite. Er promovierte und habilitierte sich schließlich 1960 mit einer Arbeit zur „Verfassungsrechtsprechung des Supreme Court zur Wirtschaftsregulierung“.

Aus erster Ehe hat Ehmke drei Kinder. 1972 ließ er sich scheiden und heiratete im selben Jahr die damals 25-jährige, aus Prag emigrierte tschechoslowakische Journalistin Maria Hlavacova.

Der frühere Fraktionschef Peter Struck erlebte ihn als eine eher seltene Spezies, nämlich als „fröhlichen Sozialdemokraten“, der sich von der Bürde der Ämter nie habe erdrücken lassen. Im Ruhestand hat sich Ehmke in Bonn einem neuen Metier zugewandt und schrieb Kriminalromane.

Quelle:  Handelsblatt Online
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