Zusatzbeiträge zur Krankenkasse: "Die Politiker gehen vor der Pharmalobby in die Knie"

Zusatzbeiträge zur Krankenkasse: "Die Politiker gehen vor der Pharmalobby in die Knie"

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Wilfried Jacobs, Vorstandsvorsitzender der AOK Rheinland/Hamburg

von Martin Gerth und Annina Reimann

Millionen gesetzlich Krankenversicherte müssen bald Zusatzbeiträge bezahlen. Der Chef der AOK Rheinland/Hamburg, Wilfried Jacobs, stemmt sich dagegen. Mit der WirtschaftsWoche sprach er über aktuelle Fusionsverhandlungen, Sparpotenzial im Gesundheitssystem, den fehlenden politischen Willen und seinen Streit mit den privaten Krankenversicherern.

WiWo: Herr Jacobs, derzeit verhandeln Sie mit der AOK Westfalen-Lippe über eine Fusion. 

Wilfried Jacobs: Die Gespräche werden im Februar fortgesetzt. Sie sind Teil eines allgemeinen Trends zu größeren Kassen. Krankenkassen mit nur einigen zehntausend Mitgliedern haben zukünftig keine Überlebenschance, 180 Krankenkassen in Deutschland sind auch nicht notwendig.

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Wie profitieren die Versicherten von dem Zusammenschluss?

Nach einem Zusammenschluss hätten wir etwa fünf Millionen Versicherte und wären die viertgrößte gesetzliche Krankenkasse in Deutschland. Mit dieser Größe können wir beispielsweise mit der Pharmaindustrie höhere Rabatte aushandeln und hätten auch bei Ärzten eine bessere Verhandlungsposition. Zudem werden die fixen Verwaltungskosten pro Versicherten geringer sein. Wir könnten Ressourcen bündeln und das Geschäftsstellennetz optimieren.

Können Sie sich auch Fusionen außerhalb der AOK-Gruppe vorstellen?

Durchaus. Insbesondere die Innungskrankenkassen wären für uns interessant, weil wir dann neue Versichertengruppen, beispielsweise Handwerker, erschließen könnten.

Dass sich Krankenkassen zusammenschließen, ist nicht neu. Dennoch steigen die Beiträge. Versickern die Ersparnisse?

Dass die Beiträge weiter steigen, liegt vor allem an den ständig wachsenden Ausgaben. Dies hängt auch damit zusammen, dass die durchschnittliche Lebenserwartung steigt und der Anteil der älteren Menschen in der Bevölkerung größer wird. 60 Prozent der medizinischen Kosten der Versicherten entfallen auf  die letzten fünf Lebensjahre. Hinzu kommt der medizinische Fortschritt, der neue, teure Therapien möglich macht.

Die DAK erhebt zum 1. Februar 2010 Zusatzbeiträge von acht Euro pro Monat.

Wir werden in diesem Jahr keine Zusatzbeiträge erheben. Dabei gehen wir aber davon aus, dass es keine exorbitanten zusätzlichen Ausgabensteigerungen gibt.

Müssen wir uns damit abfinden, dass die Gesundheitskosten ins Uferlose steigen?

Nein. Es gibt genügend Sparpotenzial im Gesundheitssystem. Häufig fehlt es nur am politischen Willen. Nehmen sie die Arzneikosten. Die Ausgaben steigen in einem nicht zu verantwortenden Ausmaß. Hier muss der neue Gesundheitsminister handeln, zum Beispiel durch Einfrieren der Arzneipreise oder ähnliches.

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