Zuwanderer in Deutschland: Migration: Gut für den Arbeitsmarkt, schlecht für den Staat

GastbeitragZuwanderer in Deutschland: Migration: Gut für den Arbeitsmarkt, schlecht für den Staat

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Hans-Werner Sinn

von Hans-Werner Sinn

Deutschland streitet über das Für und Wider von Migration. Die Debatte ist hitzig und leider wenig rational. Dabei ist das Ergebnis eindeutig: Der Arbeitsmarkt profitiert, der Haushalt leidet.

Der Jahreswechsel war durch eine intensive Migrationsdebatte gekennzeichnet. Holger Bonin wurde von den Medien als Apostel derjenigen gefeiert, die in der Immigration eine Entlastung des Staates sehen, weil er für das Jahr 2012 pro Ausländer ein Plus im Staatsbudget von 3300 Euro ausmachte.

Dabei wurde geflissentlich übersehen, dass Bonin nur die Kosten der direkt zuzurechnenden Sozialtransfers und eine Schätzung für die Aufwendungen im Bildungsbereich berücksichtigt hatte. Er selbst betonte, dass bei einer Berücksichtigung aller Kosten über den Lebenszyklus gerechnet pro Ausländer ein Minus von 79.000 Euro für den Staat herauskam.

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Und der Verfasser wurde an den rechten Rand gerückt, indem ihm die Behauptung angedichtet wurde, Migranten seien ein Nettoverlust für Deutschland insgesamt - obwohl er doch in seinem FAZ-Artikel ausdrücklich darauf hingewiesen hatte, dass die Negativ-Bilanz sich allein auf staatliche Aktivitäten bezieht, während Migranten positive Arbeitsmarkteffekte mit sich bringen.

Länder mit der höchsten Zahl der Asylbewerber (2014)

  • Platz 10

    Zypern

    Zahl der Bewerber...
    ...insgesamt: 1.255
    ...pro 100.000 Einwohner: 145

  • Platz 9

    Deutschland

    Zahl der Bewerber...
    ...insgesamt: 126.705
    ...pro 100.000 Einwohner: 158

  • Platz 8

    Belgien

    Zahl der Bewerber...
    ...insgesamt: 21.030
    ...pro 100.000 Einwohner: 189

  • Platz 7

    Ungarn

    Zahl der Bewerber...
    ...insgesamt: 18.895
    ...pro 100.000 Einwohner: 190

  • Platz 6

    Luxemburg

    Zahl der Bewerber...
    ...insgesamt: 1.070
    ...pro 100.000 Einwohner: 199

  • Platz 5

    Österreich

    Zahl der Bewerber...
    ...insgesamt: 17.500

    ...pro 100.000 Einwohner: 207

  • Platz 4

    Norwegen

    Zahl der Bewerber...
    ...insgesamt: 11.930
    ...pro 100.000 Einwohner: 236

  • Platz 3

    Schweiz

    Zahl der Bewerber...
    ...insgesamt: 21.305
    ...pro 100.000 Einwohner: 265

  • Platz 2

    Malta

    Zahl der Bewerber...
    ...insgesamt: 2.245
    ...pro 100.000 Einwohner: 533

  • Platz 1

    Schweden

    Zahl der Bewerber...
    ...insgesamt: 54.270
    ...pro 100.000 Einwohner: 568

Dabei hatte das ifo Institut nur die bei Bonin noch fehlende Jahresrechnung unter Berücksichtigung aller Staatsausgaben vervollständigt. Das Ergebnis war ein jährliches Minus von 1800 Euro pro Ausländer. Der Betrag ergab sich, indem von Bonins Überschuss von 3300 Euro die noch nicht berücksichtigten übrigen Staatsausgaben (abzüglich der Einnahmen aus Gebühren für staatliche Leistungen) in Höhe von 5100 Euro pro in Deutschland ansässigem Bürger abgezogen wurden. Unter der Annahme, dass Ausländer wie Inländer von solchen Kosten profitieren und sie durch ihre Anwesenheit auch verursachen.

Die Irrlichter zipperten und zapperten zu Silvester durch Blätterwald und Internetmedien wie wild gewordene Raketen. Von einem rationalen, emotionsfreien Diskurs, der auf Argumente statt auf Meinungen abstellte, war das Ganze meilenweit entfernt. Die Aussagen von Bonin und mir wurden von manchen Medien durch den Filter der politischen Korrektheit gepresst, bis sie falsch wurden.

Was übrig blieb, waren sinnentleerte, aber die Emotionen anstachelnde Karikaturen der ökonomischen Argumente, die wir gebraucht hatten. Ich kenne das zur Genüge, aber diesmal war es wieder einmal besonders heftig.

Es sind zwei Themen offen geblieben, die ich im Interesse der Klarheit und Wahrheit doch noch einmal aufgreifen möchte.

Die sieben größten Ängste der Deutschen

  • Schlechte Wirtschaftslage

    41 Prozent fürchten sich vor einer schlechten Wirtschaftslage.

    Quelle: R+V-Langzeitstudie „Die Ängste der Deutschen“

  • Spannungen durch Ausländer

    43 Prozent sorgen sich vor Spannungen durch Ausländer.

  • Überforderung der Politiker

    Skeptisch bewerten die Deutschen die handelnden Politiker: 44 Prozent haben Angst, dass diese überfordert sind.

  • Schwere Erkrankung

    47 Prozent fürchten sich vor schweren Erkrankungen.

  • Pflegefall im Alter

    Rund 2,5 Millionen Pflegebedürftige gibt es in Deutschland – Tendenz steigend. Dementsprechend hoch ist auch die Besorgnis der Deutschen, im Alter anderen als Pflegefall zur Last zu fallen. Mit 51 Prozent liegt dieses Thema gemeinsam mit der Furcht vor Naturkatastrophen auf Platz 2.

  • Naturkatastrophen

    Überschwemmungen durch Starkregen, Hagel, Stürme: Mit 51 Prozent liegt die Furcht vor zunehmenden Naturkatastrophen auf Platz 2 der Ängste-Skala – gleichauf mit der Angst vor Pflegebedürftigkeit.

  • Steigende Lebenshaltungskosten

    Die Furcht vor steigenden Lebenshaltungskosten steht mit 58 Prozent an der Spitze.

Das erste betrifft die Frage, ob man nicht statt der pekuniären Durchschnittskosten die Grenzkosten abziehen müsste, die bei der Versorgung der Ausländer entstehen. Einige Autoren, vor allem auch bei "Spiegel online", haben so argumentiert. Sie scheinen der Auffassung zu sein, die relevanten Grenzkosten seien die pekuniären Grenzkosten, die kurzfristig beim Staat anfallen, bevor die Zahl der öffentlichen Einrichtungen an die Größe der Wohnbevölkerung angepasst wird.

Das ist nicht korrekt. Die kurzfristigen Grenzkosten von Klubgütern - so nennt man die Güter, die der Staat anbietet -, werden vor allem durch die sogenannten Ballungsexternalitäten definiert. Sie entstehen aus der Verschlechterung der Nutzungsqualität durch gegenseitige Behinderung der Nutzer. Diese Grenzkosten haben aber mit den pekuniären Grenzkosten, über die die Autoren Hypothesen anstellen, wenig zu tun.

Ifo-Präsident Zuwanderung ist für Deutschland Verlustgeschäft

Der bekannte Ökonom Hans-Werner Sinn heizt die Debatte um Kosten und Nutzen von Zuwanderung an. Er sagt: Wir ziehen die falschen Migranten an. Bei der AfD hat Sinn viele Fans.

Der bekannte Ökonom Hans-Werner Sinn heizt die Debatte um Kosten und Nutzen von Zuwanderung an. Er sagt: Wir ziehen die falschen Migranten an. Bei der AfD hat Sinn viele Fans. Quelle: dpa

Stellen wir uns vor, es gebe heute überhaupt keine pekuniären Kosten für die Infrastruktur mehr, weil sie schon in grauer Vorzeit erstellt und mit Steuermitteln statt Krediten finanziert wurden. Auch dann gäbe es ökonomische Grenzkosten der Immigration in Form der Ballungsexternalitäten, und die müssen berücksichtigt werden.

Um den Sachverhalt klar zu machen, denke man zum Beispiel an eine bereits vorhandene Mietwohnung mit einer Wohngemeinschaft, in die ein zusätzlicher Mieter aufgenommen wird. Die pekuniären Grenzkosten des zusätzlichen Mieters sind minimal. Sie bestehen aus den Kosten für zusätzlichen Strom, mehr Wasser und vielleicht noch eine weitere Mülltonne.

Nach dem "Spiegel"-Argument dürfte man bei der Berechnung der fiskalischen Effekte der Migration nur diese laufenden Nebenkosten in Ansatz bringen. Man dürfte dem neuen Mieter keine Miete im eigentlichen Sinne abverlangen, weil die Grenzkosten minimal sind.

Nach der Logik der Volkswirtschaftslehre ist das jedoch falsch. Denn der neue Mieter braucht ein Zimmer und belegt das Bad oder die Küche, wenn auch andere diese Einrichtungen nutzen wollen. Die vorhandenen Mieter werden dies als Nachteil empfinden und deshalb eine Kompensation in Form einer Mietbeteiligung verlangen. Diese Kompensation ist das, was die Ökonomen Grenzballungskosten nennen.

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13 Kommentare zu Zuwanderer in Deutschland: Migration: Gut für den Arbeitsmarkt, schlecht für den Staat

  • Ich kenne jetzt nicht die kompletten Rechnungen, aber den Beitrag von Zugewanderten rein auf Steuern zu reduzieren, ist zu kurz gegriffen. Die Arbeitssklaven in den frühen USA haben auch keine Steuern bezahlt, dass der damalige Reichtum ohne sie möglich gewesen wäre, wird aber wohl niemand behaupten. Wie sähen z.B. die Ausgaben im Gesundheits- insbesondere Pflegebereich ohne günstige Arbeitskräfte aus dem Ausland aus? Wie viele Arbeitsplätze sind in der Exportindustrie entstanden, weil Zugezogene mit ihrer ehemaligen Heimat Handel betreiben? Hoch qualifizierte Arbeitskräfte sind die eine Seite, günstige, die uns die Drecksarbeit zum Dumpinglohn abnehmen, Geld sparen und die Produktivität hoch ziehen, die andere.

  • Zitat:"Und der Verfasser wurde an den rechten Rand gerückt, indem ihm die Behauptung angedichtet wurde, Migranten seien ein Nettoverlust für Deutschland insgesamt...." Er wurde nicht an den rechten Rand gedrückt, sondern die Medien habe ihn aktiv an den rechten Rand gedrückt. So ein bisschen Wahrheit kann doch auch die Presse bringen. Damit kann man den Leuten, die behaupten dass wir eine Lügenpresse haben, den Wind aus den Segeln nehmen. Interessant ist doch auch folgendes, wer in der Nazizeit behauptete, dass der Krieg nicht zu gewinnen sei, war ein Wehrkraftzersetzer und wurde häufig bis regelmäßig von Richtern zum Tode durch das Fallbeil verurteilt. Wer heute behauptet, dass die Asylbewerber und Migranten eine Belastung für den Staat und damit für den Bürger bedeuten, wird als Rassist, Rechtsaussen oder Neonazi durch die Medien zum sozialen Tod durch Ausgrenzung verurteilt. Ist immerhin etwas besser als in dem Reich der 12 Jahre, 3 Monate und 8 Tage! Das System ist leider das gleiche.

  • Ich kann die Statistik mit den Asylbewerbern nicht ganz mit dem Thema nachvollziehen ausser dürfen diese Menschen mittlerweile arbeiten... Asylbewerber gehören ja zur Immigranten-Gruppe machen ja sehr wenig aus. Schwarzarbeiter wären eher ein Thema... egal ob aus der Immigration oder nicht! Ein zweites Thema wäre auch die Bildungsunterschiede zw. Deutschen bzw. Europäer und Immigranten... und über mehreren Generationen. Es geht hier um Bildung und Integration. Wenn die Bildung und die Integration (vor allem der Sprache mächtig sein) stimmen, dann geht die Rechnung für jedes Staat auf. Das Staat kann durch Massnahmen helfen, der Migrant muss aber sich anpassen, damit er kein Sozialfall wird.

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