Zuwanderung: Laschet fordert Anwerbung von ausländischen Arbeitskräften

Zuwanderung: Laschet fordert Anwerbung von ausländischen Arbeitskräften

von Malte Fischer

Der CDU-Integrationsexperte Armin Laschet fordert neue Anwerbeabkommen und spricht über Widerstand in seiner Partei.

WirtschaftsWoche: Herr Laschet, Kinder statt Inder, forderte Ihr Parteifreund Jürgen Rüttgers einst. Heute klingt das eleganter: Den Fachkräftemangel sollte man über verstärkte Ausbildung lösen. Geht das?

Laschet: In dieser Formel ist die Skepsis weiter Teile der Gesellschaft gegenüber Zuwanderung zu spüren, übrigens auch stark in der SPD und den Gewerkschaften. Die haben den Eindruck, man kümmere sich zu wenig um die, die schon im Land sind, und die Industrie wolle immer nur die Billigen und Willigen. Natürlich ist es richtig, erst die Arbeitslosen im Land zu qualifizieren, alle Kinder optimal auszubilden und mit Aufstiegschancen zu versehen und die Erwerbsquote von Frauen und Älteren zu erhöhen.

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Also hat die Qualifizierung der Inländer doch Vorrang?

Nein, es geht um ein Nebeneinander. Es leben heute 12,6 Millionen Menschen zwischen 45 und 54 im arbeitsfähigen Alter. Denen stehen aber nur 7,7 Millionen zwischen 5 und 14 Jahren gegenüber. Demnach fehlen in wenigen Jahren fünf Millionen Arbeitskräfte. Den Fachkräftemangel heute ersetzt man nicht dadurch, dass man Kinder besser ausbildet, die frühestens in 15 Jahren zur Verfügung stehen.

Sie leiten die überparteiliche Konsensgruppe Zuwanderung. Warum sollte es einen Winter nach der Sarrazin-Debatte zu diesem Thema einen Konsens geben?

Wir können ja nicht wegen Sarrazin den wirtschaftlichen Sachverstand ausschalten. Die Fakten sprechen für sich. Wenn der Chef der Agentur für Arbeit mittelfristig zwei Millionen Zuwanderer fordert, darf man ihm eine gewisse Sachkenntnis zutrauen.

Aber sind es nicht die zuwanderungsskeptischen Äußerungen gerade auch von konservativen Politikern, die uns da im Weg stehen?

Auch. Aber alle haben vor der EU-Arbeitnehmerfreizügigkeit gewarnt. Bei der Öffnung der Arbeitsmärkte waren wir wieder zu spät. Großbritannien und die skandinavischen Länder haben 2004 direkt die Arbeitsmärkte geöffnet, die Besten sind längst dort.

Sie waren der erste Integrationsminister in Deutschland, streiten für dieses -Thema seit Jahren. Mit wenig Erfolg. Warum gibt es immer wieder diese Rückfälle à la Sarazzin, Koch, Schill?

In der Demografie fehlen Schlüsselereignisse. Bei der Atomenergie gab es ein Schockerlebnis, das eine Wende möglich machte. Demografische Entwicklungen schleichen. Dabei stehen wir längst in einem internationalen Wettbewerb. Den müssen wir annehmen und aktiv anwerben.

Mit „Anwerbung“ wurde zuletzt in den Sechzigerjahren Politik gemacht.

Es gibt kein besseres Wort, auch wenn es heute etwas anderes bezeichnet. Man muss sich nur anschauen, wie Briten und Franzosen in Osteuropa um Spitzenkräfte werben. Deutschland ist quasi nicht vorhanden. Da reisen manchmal Unternehmer persönlich an und schauen sich um. Aber es ist keine Strategie Deutschlands, mit der Politik und Wirtschaft gemeinsam zu arbeiten.

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