Zuwanderung: Mehr Fachkräfte per Gesetz

Zuwanderung: Mehr Fachkräfte per Gesetz

Bild vergrößern

Fachkräfte gesucht

Während der politische Streit um Integration und Zuwanderung in die nächste Runde geht, bemüht sich die Bundesregierung um eine konstruktive Lösung. Sie legt gleich zwei konkrete Vorschläge auf den Tisch, wie sich zumindest der Fachkräftemangel beheben lässt.

Während an diesem Wochenende wieder ausgiebig in der Öffentlichkeit über die Frage gestritten wurde, ob Deutschland auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen ist oder ob nicht lieber die rund drei Millionen Arbeitslosen für die gesuchten Berufe nachqualifiziert werden sollten, wird in Berlin weiter fleißig an einer Lösung für das eigentliche Problem gebastelt. Denn bereits heute leben viele Ausländer mit gesuchten Qualifikationen in Deutschland, nur arbeiten können sie in diesen Berufen nicht. Grund: Ausländische Zeugnisse sind hier häufig nicht mehr wert als das Papier, auf das sie gedruckt sind.

Vor gut einem Jahr versprach die frisch angetretene schwarz-gelbe Koalition Besserung. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) legte ein Eckpunktepapier vor, wie in Zukunft verhindert werden soll, dass iranische Ingenieure Taxi fahren oder weißrussische Ärztinnen putzen gehen müssen.

Anzeige

Wohlstandseinbußen in Milliardenhöhe

Diesen Absichtserklärungen folgt jetzt ein Gesetzesentwurf. Jeder, der im Ausland eine Qualifikation erworben hat, soll künftig einen Rechtsanspruch darauf haben, dass diese auch überprüft wird. Außerdem sollen ausländische Arbeitssuchende nicht mehr jahrelang auf die Ergebnisse ihrer Überprüfung warten müssen. Nur noch drei Monate sollen zwischen Antragstellung und Ergebnis liegen. „Unsere Volkswirtschaft kann sich auf bis zu 300.000 neue Fachkräfte freuen“, sagte Schavan. So groß schätzen Experten die Zahl jener, die gar nicht oder weit unterhalb ihrer eigentlichen Qualifikation arbeiten.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) stößt ins selbe Horn und fordert zusätzlich eine über ein Punktesystem gesteuerte Zuwanderung von weiteren Fachkräften. Diese würden dringend gebraucht, so der Minister, denn Deutschland büße jährlich Milliarden Euro an Wohlstand ein. Allein 2009 habe der Personalmangel rund 15 Milliarden Euro gekostet, sagte Brüderle. Aktuell fehlten 36.000 Ingeniere und 66.000 Computerspezialisten. Sie sollen künftig entsprechend ihrer Qualifikationen gezielt ins Land geholt werden.

Die gezielte Anwerbung von Fachkräften will auch Brüderle mit einer besseren Integration bereits hier lebender Migranten in den Arbeitsmarkt ergänzen. Zum Jahresende soll dazu eine Internet-Datenbank an den Start gehen, mit deren Hilfe ausländische Abschlüsse schneller bewertet und mit deutschen Standards verglichen werden können. Das kostenfreie Portal soll zunächst drei Jahre lang getestet werden. Vor allem die Industrie- und Handelskammern sollen auf diese Datensammlung zugreifen können, aber auch die Migranten selbst.

Erfolg fraglich

Ob die Pläne der Regierung tatsächlich den gewünschten Erfolg haben, ist allerdings fraglich. Denn schon jetzt zeichnet sich ab: Die Politik meint es gut, springt aber mal wieder zu kurz. Zwar haben Ausländer nun bald ein Recht drauf, dass ihre Qualifikation überprüft wird, wie es danach weitergeht, ist aber weitaus unsicherer. Entsprechende Weiterqualifizierungen, die die vorhandene Qualifikation an die Anforderungen des deutschen Arbeitsmarktes anpasst, sind dünn gesät.

Auch betrifft der Gesetzentwurf zunächst einmal nur die Berufe, die auf Bundesebene geregelt sind wie Ärzte, medizinisches Personal und Handwerker. Für Lehrer, Erzieher und Ingenieure sind dagegen weiter die Bundesländer zuständig. Eine zentrale Überprüfungsinstanz, wie sie einige Experten fordern, soll es nicht geben, stattdessen sollen die existierenden Kammern und Behörden zuständig bleiben. Einzig die Information darüber, wer für was zuständig ist, soll verbessert werden. Die von Brüderle angekündigte Datenbank könnte hier helfen, allerdings nur dann, wenn sie nach erfolgreicher Testphase auch flächendeckend als zentrale Registrierung eingeführt wird.

Die Koalition will die lang debattierten Neuerungen jetzt zügig umsetzen. Am 18. November wollen die Spitzen von Union und FDP über die Zuwanderung ausländischer Fachkräfte beraten und ein Gesamtkonzept vorlegen. Schavans Gesetzentwurf zur Anerkennung ausländischer Qualifikationen könnte bereits Anfang 2011 in Kraft treten.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%