
Vor einiger Zeit ließ sich im Pariser Hotel Bristol ein bizarres Mittagessen beobachten. Sarkozy, der seine Sonnenbrille nicht abnahm, und die Kanzlerin stocherten lustlos auf ihren Tellern, die französischen Mitarbeiter redeten ebenso untereinander wie die deutschen – aber nicht miteinander. „Jetzt sitzen sich zwei gegenüber, die zumindest keine ‚complicité‘ haben“, erzählt ein langjähriger Gestalter der deutsch-französischen Beziehungen. Auf Deutsch: Es gibt kein enges Vertrauensverhältnis, die beiden stecken nicht unter einer Decke.
Auch in der reinen Sachpolitik knirscht es.
Beim Streit um den europäischen Wettersatelliten prallen Philosophie und Pragmatismus aufeinander. Raumfahrt ist für Frankreich von strategischer Bedeutung und Symbol des nationalen Prestiges. Für Deutschland ist es eine teure und im Nutzen umstrittene Technik.Vom International Thermonuclear Experimental Reactor (ITER) sind die Franzosen schwer begeistert, schon weil die Forschungsanlage für die Kernfusion im heimischen Cadarache entsteht. Die Deutschen dagegen möchten gern vertragliche Notausstiege verhandeln, weil das Projekt immer teurer wird.Das deutsch-französische Gemeinschaftsunternehmen EADS illustriert die verschobene gegenseitige Wahrnehmung aufs Schönste: In Deutschland gilt es als vom französischen Staat dominierter Laden, weil Louis Gallois als alleiniger Vorstandsvorsitzender installiert wurde. In der Pariser Firmenzentrale maulen sie dagegen über die teutonische Vorherrschaft, weil drei der vier Bereichsvorstände Deutsche sind.
Germanische Hybris
Hinzu kommt, dass die fürs diplomatische Feingefühl zuständigen Außenministerien in den deutsch-französischen Beziehungen kaum noch eine Rolle spielen – weder der Quai d’Orsay noch das Auswärtige Amt. Die wichtigen Themen spielen im Kanzleramt und im Elysée-Palast, die Alltagspolitik dank der regelmäßigen Regierungskonsultationen in den Fachressorts.
Etwas „germanische Hybris“ spiele da freilich auch mit, sagt ein hochrangiger EU-Beamter. „Wir haben immer noch eine unglaubliche Arroganz in Europa“, schilt ein Berliner Staatssekretär die eigene Regierung.
Führend dabei ist ausgerechnet Merkels Mann für Europa, ihr Abteilungsleiter Uwe Corsepius. Der schlaksige Endvierziger behandelt andere nicht nur wegen seiner Körpergröße von oben herab. Mal faltet er den deutschen EU-Botschafter Edmund Duckwitz zusammen, mal drangsaliert er Staatssekretäre. Der promovierte Ökonom gilt als Euro-Skeptiker und Antifranzose. „Das ist ein reiner Technokrat“, wertet ein früherer Vorgesetzter, „bei Frankreich braucht man Emotionen.“
Schwacher Moment
Besser wird das deutsche Ansehen in den nächsten Jahren nicht werden – Corsepius wechselt Mitte 2011 als Generalsekretär des Europäischen Rates nach Brüssel. Sogar im Kreise der Staats- und Regierungschefs wurde schon über den Deutschen getuschelt – normalerweise nehmen die Chefs die Mitarbeiter anderer Länder nicht wahr. Französische Unterhändler klagen, ihr Präsident Sarkozy habe „in einem schwachen Moment“ dem Wunsch der Kanzlerin zugestimmt. Aber das war, bevor Sarko die „Gefährlichen Liebschaften“ durchgelesen hatte.














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Alle Kommentare lesen04.06.2010, 18:17 UhrAnonymer Benutzer: startmeup
Die Darstellung Sarkozys ist in der deutschen Presse zu negativ, ich frage mich, woran das liegt. Sarkozy hatte schon sehr früh zu beginn der Finanzkrise eine Meinung zu den Auswirkungen und den Drang, gemeinsam mit den europäischen Partnern einen Aktionplan auszuarbeiten, während die deutsche Regierung noch von einem rein amerikanischen Problem faselte. Merkel und die Regierungen lehnten das Angebot auf ein europäisches Finanztreffen arrogant ab. Merkel und Sarkozy sind zwei sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, die sich trotz ihrer Eitelkeiten über gemeinsame Ziele und Strategien dringend einig werden sollten, da die interessen beider Länder doch sehr ähnlich sind. beiden Ländern wird die groesste Last in der EU aufgebürdet.
26.05.2010, 17:28 UhrAnonymer Benutzer: Freiberufler
Merkel bricht bei harten und sehr dreist geführten Verhandlungen mit ausländischen Gesprächspartnern sehr leicht ein.
Dies haben ihre Verhandlungen mit Sarkozy gezeigt, aber auch ihre Verhandlungen mit Kacynski in Heiligendamm.
Lediglich in der eigenen Partei kann sie viele Konkurrenten beiseite räumen, obwohl sie gerade bei SPD-Anhängern das größte Vertrauen genießt.
Die weitere Demontage Merkels wird nach NRW- Wahl in bW stattfinden.
26.05.2010, 14:08 UhrAnonymer Benutzer: Gummi_Mutti
Merkel ist die späte Rache der DDR an Deutschland. beliebig verbiegbar aber unzerbrechlich. irgendwann wird man mit Recht sagen können, dass es in der DDR wenigstens wirtschaflich besser funktioniert hat. Vergleiche zwischen Thatcher und Merkel hört man kaum noch. Es wäre einfach zu blamabel für Frau Merkel.