19. Mitglied im Euro-Club: Deutschland freut sich auf Leichtgewicht Litauen

19. Mitglied im Euro-Club: Deutschland freut sich auf Leichtgewicht Litauen

von Marc Etzold

Mit dem Staat im Baltikum gehört seit dem 1. Januar ein wirtschaftliches Leichtgewicht der Euro-Zone an. Die Deutsche Bundesbank darf sich dennoch über einen Verbündeten freuen.

Groß war die Vorfreude nicht. Rund 50 Prozent der Bevölkerung, zeigten Umfragen, standen im Dezember der Gemeinschaftswährung skeptisch gegenüber. Dennoch ist Litauen am 1. Januar als 19. Mitglied der Euro-Zone beigetreten.

Aus seiner schweren Wirtschaftskrise nach 2009 hat Litauen die richtigen Lehren gezogen, sagt Klaus Schrader vom Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel. 2014 legte die Wirtschaft um 2,7 Prozent zu, für 2015 werden 3,1 Prozent vorhergesagt. Nach Lettland verfügt Litauen über die am schnellsten wachsende Wirtschaft in der EU. Mit einer Defizitquote von 1,2 Prozent und einer Schuldenstandquote von rund 40 Prozent (jeweils gemessen am Bruttoinlandsprodukt) gehört Litauen zudem zu den wirtschaftspolitischen Musterschülern innerhalb der Euro-Zone.

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Wachstumsrate und Defizitquote in Litauen. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Wachstumsrate und Defizitquote in Litauen. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Eng mit Russland

Ob der Erfolg anhält, hängt aber stark von Russland ab, dem wichtigsten Handelspartner Litauens. 20 Prozent aller Exporte (im Wert von 4,86 Milliarden Euro) gingen 2013 dorthin, 28 Prozent aller Importe (im Wert von 7,36 Milliarden Euro) kamen von dort. Die meisten anderen EU-Staaten handeln gerade mal zwei bis drei Prozent ihrer Waren mit Russland. Insofern steckt Litauen in einer sehr exponierten Lage – und verzwickt ist sie obendrein. Einerseits will die Regierung in Vilnius, dass der Westen in der Ukraine-Krise gegenüber Moskau Stärke demonstriert. Andererseits sind beide Länder ökonomisch eng miteinander verflochten; Russlands wirtschaftliche Talfahrt kann mittelfristig auch für Litauen gefährlich werden.

Umso mehr kommt es auf den Handel mit Deutschland an. 2013 kamen 10,5 Prozent der Importe im Wert von 2,75 Milliarden Euro aus der Bundesrepublik. Im Gegenzug gingen 7,3 Prozent der Exporte im Wert von 1,76 Milliarden Euro in Richtung Deutschland. Laut Deutsch-Baltischer Handelskammer hat sich der Warenaustausch zwischen beiden Ländern seit dem EU-Beitritt Litauens 2004 nahezu verdoppelt. Derzeit sind rund 1200 Unternehmen mit deutschem Kapital in Litauen registriert – darunter Siemens, Bosch, Lidl, Deutsche Post und auch der Versicherungskonzern Ergo.

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Schmerzhafter Start: Litauen führt am 1. Januar den Euro ein

Mit Litauen stößt ein eher wirtschaftliches Leichtgewicht zum Euro-Raum hinzu. Die drei Millionen Einwohner erwirtschafteten 2013 ein Bruttoinlandsprodukt von 34,6 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die Stadt Berlin kam mit 3,5 Millionen Einwohnern auf über 109 Milliarden Euro, also auf mehr als das Dreifache.

Litauen will Stabilität

Insbesondere die Deutsche Bundesbank wird sich dennoch über das neue Euro-Mitglied freuen. Denn wie jedes andere Land erhält Litauen einen Sitz im Rat der Europäischen Zentralbank. IfW-Experte Schrader beobachtet Litauen seit mehr als zwei Jahrzehnten. „Die baltischen Staaten haben die Stabilitätskultur Deutschlands und der Nordländer übernommen“, sagt der Ökonom. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann dürfte künftig also einen neuen Verbündeten haben, wenn es darum geht, überzogene geldpolitische Lockerungen zu begrenzen oder Strukturreformen in Krisenländern anzumahnen.

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Da dürfte es auch nicht besonders schmerzen, dass mit der Aufnahme Litauens ein neuer Abstimmungsmodus im EZB-Rat eingeführt wird. Jeden fünften Monat wird Weidmann dann zwar an den EZB-Ratssitzungen teilnehmen, jedoch nicht abstimmen – erstmals ist das im Mai der Fall. Vor einem Jahr noch hatte das Rotationsprinzip in Deutschland für Empörung gesorgt. Das ökonomisch stärkste Land der Währungsunion dürfe nie ohne Stimmrecht sein, sagten viele. In der Praxis wird sich jedoch kaum etwas ändern. Zum einen bleibt das Mitspracherecht erhalten. Und ob nun Weidmann oder Litauens Zentralbankchef Vitas Vasiliauskas im EZB-Rat überstimmt wird, macht kaum einen Unterschied.

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