Abgastests für Pkw: EU will mehr Schadstoffe auf der Straße erlauben

Abgastests für Pkw: EU will mehr Schadstoffe auf der Straße erlauben

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Die EU-Staaten haben sich offenbar auf neue Regelungen bei Abgastests geeinigt.

Laut Insidern sollen sich die EU-Staaten auf neue Regeln bei Pkw-Abgastests geeinigt haben. Demnach dürfen Abweichungen auf der Straße gegenüber Laborwerten ab 2017 höher sein als bisher – eine Folge der VW-Abgasaffäre.

Ungeachtet der hitzigen Debatte über Konsequenzen aus der Abgasaffäre bei Volkswagen lassen die EU-Staaten bei neuen Vorgaben für Pkw-Tests Milde walten. Experten aus den Mitgliedsländern hätten sich nach stundenlangen Verhandlungen darauf geeinigt, dass ab 2017 die Abweichungen bei Schadstofftests auf der Straße gegenüber den Laborwerten fast doppelt so hoch ausfallen dürfen wie von der EU-Kommission geplant, sagten zwei mit der Sache Vertraute am Mittwoch. Mit der Einführung der neuen Abgastests sollen in der EU ab 2017 realistischere Ergebnisse erzielt und Manipulationsversuche verhindert werden.

Der Kompromiss sieht den Angaben zufolge vor, dass ab 2017 neue Fahrzeugmodelle einen 110 Prozent höheren Wert (Faktor 2,1) bei Stickstoffoxiden aufweisen dürfen, bevor die Grenze ab 2020 auf 50 Prozent (Faktor 1,5) sinkt. Bei der Zulassung von Neuwagen sollen die Regeln ab 2019 beziehungsweise 2021 gelten. Die EU-Kommission hatte vorgeschlagen, dass die Straßenmesswerte die vorgeschriebene Grenze von 80 Milligramm pro Kilometer um 60 Prozent gegenüber den Laborergebnissen überschreiten dürfen.

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VW-Motoren und Abgaswerte Quelle: Pressebild, Montage

Das Thema hat in Brüssel durch den VW-Abgasskandal neue Brisanz erhalten. Die Grünen im EU-Parlament nannten die Einigung der EU-Staaten deshalb zynisch. "Allen voran die deutsche Bundesregierung hat offenbar nichts aus dem Abgas-Skandal von Volkswagen gelernt", kritisierte die Vorsitzende der Grünen-Fraktion, Rebecca Harms. Europäische Automobilhersteller würden dafür belohnt, keine Anstrengungen zur Einhaltung der EU-Regeln und Verbesserung ihrer Fahrzeuge zu unternehmen. EU-Vertretern zufolge gehörte Deutschland mit Großbritannien, Italien und Spanien zu jenen Ländern, die sich für laxere Regeln eingesetzt hatten.

Die Abgas-Tests in Deutschland und Europa

  • Die Vorgaben in Deutschland

    Neue Modelle werden in Deutschland und der EU nach dem Modifizierten Neuen Fahrzyklus (MNEFZ) getestet. Die Tests laufen unter Laborbedingungen, das heißt auf einem Prüfstand mit Rollen. Dies soll die Ergebnisse vergleichbar machen. Der Test dauert etwa 20 Minuten und simuliert verschiedene Fahrsituationen wie Kaltstart, Beschleunigung oder Autobahn-Geschwindigkeiten.

  • Wer testet?

    Getestet wird von Organisationen wie dem TÜV oder der DEKRA unter Beteiligung des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA). Dieses untersteht wiederum dem Verkehrsministerium.

  • Kritik an Prüfung

    Die Prüfungen der neuen Modelle werden von ADAC und Umweltverbänden seit längerem als unrealistisch kritisiert. So kann etwa die Batterie beim Test entladen werden und muss nicht - mit entsprechendem Sprit-Verbrauch - wieder auf alten Stand gebracht werden. Der Reifendruck kann erhöht und die Spureinstellungen der Räder verändert werden. Vermutet wird, dass etwa der Spritverbrauch im Alltag so häufig um rund ein Fünftel höher ist als im Test.

  • Weitere Prüfungen

    Neben den Tests für neue Modelle gibt es laut ADAC zwei weitere Prüfvorgänge, die allerdings weitgehend in der Hand der Unternehmen selbst sind. So werde nach einigen Jahren der Test bei den Modellen wiederholt, um zu sehen, ob die Fahrzeuge noch so montiert werden, dass sie den bisherigen Angaben entsprechen, sagte ADAC-Experte Axel Knöfel. Zudem machten die Unternehmen auch Prüfungen von Gebrauchtwagen, sogenannte In-Use-Compliance. Die Tests liefen wieder unter den genannten Laborbedingungen. Die Ergebnisse würdem dann dem KBA mitgeteilt. Zur Kontrolle hatte dies der ADAC bei Autos bis 2012 auch selbst noch im Auftrag des Umweltbundesamtes gemacht, bis das Projekt eingestellt wurde. In Europa würden lediglich in Schweden von staatlicher Seite noch Gebrauchtwagen geprüft, sagte Knöfel.

  • Geplante neue Prüfmethode

    Die EU hat auf die Kritik am bisherigen Verfahren reagiert und will ab 2017 ein neues, realistischeres Prüfszenario etablieren. Damit sollen auch wirklicher Verbrauch und Schadstoffausstoß gemessen werden ("Real Driving Emissions" - RDE). Strittig ist, inwiefern dafür die bisherigen Abgas-Höchstwerte angehoben werden, die sich noch auf den Rollen-Prüfstand beziehen.

Was Harms meint: Der Verband der Automobilindustrie (VDA) teilte umgehend mit, man unterstütze das geplante Einführungsdatum für die Straßentest. "Allerdings ist die heutige Entscheidung der EU-Mitgliedstaaten im Technical Committee on Motor Vehicles (TCMV) in Brüssel äußerst ambitioniert. Sie stellt Automobilhersteller und Zulieferer vor große technische und wirtschaftliche Herausforderungen", sagt VDA-Präsident Matthias Wissmann laut der Mitteilung. "Es ist bedauerlich und unverständlich, dass es im Vorfeld das eigentlich obligatorische Impact Assessment nicht gegeben hat. Damit fehlt die Folgenabschätzung dieser geplanten Maßnahmen auf die Wettbewerbsfähigkeit der Automobilindustrie in Europa. Zudem wurden Zweifel an der Zahlenbasis und den Berechnungen, auf die sich der Kommissionsvorschlag stützt, bis zuletzt nicht ausgeräumt."

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