Abspaltung von Großbritannien: Viel Wunschdenken für ein unabhängiges Schottland

Abspaltung von Großbritannien: Viel Wunschdenken für ein unabhängiges Schottland

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Die Schotten stimmen am 18. September 2014 in einem Referendum über die Unabhängigkeit von Großbritannien ab.

von Yvonne Esterházy

Die Blaupause für ein autonomes Schottland enthält viele Versprechungen und positive Annahmen über die wirtschaftliche und politische Zukunft des Landes. Kritiker werfen Ministerpräsident Alex Salmond vor, er lebe in einer Fantasiewelt.

Im Falle einer späteren Unabhängigkeit soll Schottland Königin Elizabeth II. als Staatsoberhaupt, das Pfund Sterling als Währung und die Bank of England als Notenbank behalten und weiterhin Mitglied der Europäischen Union und der Nato bleiben. Das sind einige der wichtigsten Kernaussagen des Weißbuchs, das die schottische Regierung heute in Glasgow vorlegte. 670 Seiten dick ist die Schwarte, mit der First Minister (Ministerpräsident) Alex Salmond seine Landsleute von den Vorzügen eines unabhängigen Schottlands überzeugen will. "Gemeinsam wollen wir eine demokratischere, wohlhabendere und fairere Gesellschaft schaffen", erklärte er. Am 18. September nächsten Jahres sollen alle in Schottland ansässigen Bürger, die älter sind als 16 Jahre, in einer Volksabstimmung entscheiden, ob Schottland eigene Wege gehen und die über dreihundertjährige Union mit dem Vereinigten Königreich verlassen soll. Beantwortet die Mehrheit die Frage "Soll Schottland ein unabhängiges Land werden?" im kommenden Jahr mit "Ja", so folgen zweieinhalbjährige Verhandlungen über die Modalitäten der Trennung - am 24. März 2016 sollte dann nach dem Plan Salmonds, der die Scottish National Party (SNP) leitet, die Scheidung vollzogen werden. Derzeit zeigen die Meinungsumfragen jedoch, dass die Separatisten keine Mehrheit haben. Allerdings ist der Anteil der unentschlossenen Wähler noch relativ hoch.

Salmonds Zukunftsentwurf basiert in entscheidenden Punkten auf reinem Wunschdenken, da keineswegs davon auszugehen ist, dass die Regierung in London und die übrigen EU- und Natomitglieder den Schotten erlauben werden, ihre Pläne ohne weiteres zu verwirklichen. So hat die Regierung des britischen Premiers David Cameron bereits deutlich gemacht, dass sie einer Währungsunion mit Schottland nicht zustimmen und die Bank of England nicht als Notenbank und Währungshüter eines autonomen Schottland fungieren wird. Das Kalkül Londons: Diese Frage dürfte sich als Salmonds Achillesferse erweisen, da selbst die europafreundlichen Schotten angesichts der Krise in der Eurozone derzeit nicht dem Euro beitreten wollen. Eine eigene Währung für das kleine Land mit seinen rund fünf Millionen Einwohnern wäre aber für den Außenhandel schlecht. Derzeit ist England für Schottland der wichtigste Handelspartner. Doch der  Verbleib eines unabhängigen Schottlands in der Pfundzone sei "äußerst unwahrscheinlich", warnte der britische Finanzminister George Osborne.

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Auch bei der EU-Mitgliedschaft macht sich Salmond wohl Illusionen. Er beruft sich auf seine Rechtsberater und argumentiert, dass ein autonomes Schottland automatisch Mitglied der EU wäre und keinen Antrag auf eine neue Mitgliedschaft stellen müsste. Doch das ist keineswegs gewiss, schließlich fürchten manche EU-Mitgliedsländer wie Spanien die Abspaltung von Regionen im eigenen Land. Eine schottische EU-Mitgliedschaft dürfte außerdem erhebliche Probleme schaffen, wenn Großbritannien sich in der von Cameron 2017 in Aussicht gestellten Volksabstimmung über die weitere britische EU-Mitgliedschaft für einen Ausstritt entscheiden sollte. Wird es dann künftig befestigte Grenzen und Zölle zwischen England und Schottland geben? Nein, meint Salmond, doch ob London ihm diesen Wunsch erfüllen würde, bleibt offen.

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