Abstimmung in der Schweiz: Schweizer kippen Rekordlöhne

Abstimmung in der Schweiz: Schweizer kippen Rekordlöhne

von Konrad Fischer

Das Volk hat mit überwältigender Mehrheit entschieden: Fast 70 Prozent forderten, dass Vorstandsgehälter in der Schweiz ab jetzt nicht mehr vom Markt, sondern vom Gesetz bestimmt werden.

Die Wut hat also gesiegt: 67,9 Prozent, also gut zwei Drittel aller Schweizer Wähler, haben sich für die Volksinitiative „Gegen die Abzockerei“ ausgesprochen. Das ist eine der höchsten Zustimmungsraten in der Geschichte der direkten Demokratie in der Schweiz. Damit wird das Schweizer Recht ab dem kommenden Jahr die Vergütungssysteme von Unternehmen stärker beschränken als jedes andere Land der westlichen Welt. In dem Land mit den momentan noch höchsten Vorstandsgehältern Europas werden dann Abfindungen und Antrittsprämien generell verboten sein, Vorstandsverträge werden jedes Jahr neu verhandelt und von den Generalversammlungen genehmigt werden müssen. Hinzu kommen weitere 20 zusätzliche Verfassungsartikel, mit denen Initiant Thomas Minder alle „Hintertürchen für abzockende Manager“ schließen will – und ihnen unter anderem strafrechtliche Konsequenzen bei Zuwiderhandlungen auferlegt.

Die Abstimmung wird Folgen haben, in der Schweiz und darüber hinaus. Europaweit wird sie als Signal gesehen werden, das dazu führen könnte, dass Entlohnungsfragen endgültig in den Kosmos des Politischen verlagert werden. Die EU-Regulierung von Banker-Boni könnte nur der erste Schritt sein. Sollte sich eine ähnliche Stimmung wie in der Schweiz breit machen, könnte das den eingeläuteten wirtschaftlichen Abstieg Europas weiter beschleunigen.

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In der Schweiz selbst sind die Folgen unmittelbarer und tiefgreifender. In den vergangenen Wochen hat es hier eine für Wirtschaftsfragen beispiellose Polarisierung gegeben. Ein ganzes Land hat sich zuletzt über die skandalöse Abschiedszahlung für den scheidenden Novartis-Chef Daniel Vasella (72 Millionen Franken) empört, die unglückliche Parallelität der UBS-Verlustmeldung von 2,5 Millionen Franken und der Bekanntgabe von Boni in der gleichen Höhe hat sich in das nationale Gedächtnis eingebrannt. Anders als bei vielen Volksentscheiden in der Vergangenheit haben sich die Umfragewerte für und gegen die Initiative in den letzten Wochen vor der Abstimmung nicht angenähert, sondern sogar noch auseinanderentwickelt.

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6 Kommentare zu Abstimmung in der Schweiz: Schweizer kippen Rekordlöhne

  • Sollte sich eine ähnliche Stimmung wie in der Schweiz breit machen, könnte das den eingeläuteten wirtschaftlichen Abstieg Europas weiter beschleunigen.
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    Warum das den Abstieg Europas beschleunigen soll, erschliept sich mir allerdings nicht.
    Unsere Manager müssen mal wieder lernen, ordentlich zu arbeiten und etwas bescheidener zu sein.
    Jahresgehälter von 16 Mio z. B. sind unaständig. Das kann niemand verleben und es kommt ja Jahr für Jahr.
    Das steht in keinem Verhältnis mehr zu normalen Gehältern.
    Ein Vorstand soll gut verdienen, er ht auch Verantwortung, aber so nicht, das ist alles nur noch Abzocke und Gier.
    Für mich sind diese hohnen Gehälter Entwendung von Firmenvermögen.
    Wenn es dann darum geht, eue Inovationen zu tätigen, kommen diese Firmen zum Staat und erhalten Subventionen und all diese Dinge müssen aufhören
    Man sieht es doch bei der Telekom, auf jeder Party sein, auslandsspiereien und mit zig Mio Abfindungeht man dann.
    Wo leben wir denn?

  • "Warum das den Abstieg Europas beschleunigen soll, erschliept sich mir allerdings nicht."

    1. Die guten gehen einfach ins Ausland oder/und die Firmen direkt hinterher!?

    2. Die LeistungsFeindlichkeit der Gesellschaft könnte kaum besser zum Ausdruck gebracht werden!

  • @Konrad Fischer
    Wut, die zerstörerische Schwester des Zorns, kan so etwas konstruktives gar nicht erschaffen.

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