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Analyse: Italien ist noch längst nicht über den Berg

von Tim Rahmann

Für Ministerpräsident Mario Monti ist ein Ende der Schuldenkrise in Sicht. Wahr ist: Der Berlusconi-Nachfolger hat wichtige Reformen auf den Weg gebracht. Doch gerettet ist Italien noch längst nicht.

Griechen, Römer, katholische Kirche und die Renaissance: Italien ist das Land mit den meisten Denkmälern, die unter dem Schutz der Unesco stehen. 47 nationale Monumente listet die Unesco derzeit auf. Mit dabei: der griechische Juno-Tempel von Agrigent, Sizilien.

Bild: AP

Neun Monate nach seiner Regierungsübernahme sieht Ministerpräsident Mario Monti Italien bei der Überwindung der Schuldenkrise auf einem guten Kurs. Im vorigen Jahr sei die wirtschaftliche Lage schlechter gewesen, erklärte Monti vor Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften in Rimini. Der Moment rücke näher, in dem das Land das Tief hinter sich lasse.

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Italien gehe es dank des Reformkurses besser, so Monti weiter. Das Land habe „mehr Respekt, Glaubwürdigkeit und sogar Einfluss“ in Europa erlangt. Dass das Parlament die Umbaumaßnahmen verabschiedete, bezeichnete er als Wunder einer Zusammenarbeit von Mitte-links- und Mitte-rechts-Parteien. „Ich arbeite täglich, um die Krise in den Griff zu bekommen“, sagte Monti. „Doch sind wir wirklich in einer Krise? Vor einem Jahr waren wir weniger dieser Ansicht, obwohl wir es vielleicht mehr waren.“

Wissenswertes über Italien

  • Italiener leben lang – und ungesund

    Das Klima und die mediterrane Küche sind wohl ausschlaggebend für die hohe Lebenserwartung der Italiener. In Europa führen sie die Liste aller OECD-Staaten an, weltweit belegen sie den zweiten Platz. Die Lebenserwartung beträgt bei Frauen circa 83 Jahre, bei Männern 78 Jahre. Ungefähr 19 Prozent der Italiener sind älter als 65 Jahre.

    Dennoch ist auch im Stiefelstaat der Trend zum Übergewicht festzustellen. Italien hat der adipösen Gesellschaft den Kampf angesagt und so gibt es in Italien einige Krankenhäuser, die sich ausschließlich um fettleibige Patienten kümmern.

  • Das sind die reichsten Italiener

    Der Süßwarenfabrikant Michele Ferrero ist der reichste Mann Italiens. Sein Vermögen wird auf 17 Milliarden Dollar geschätzt. Leonardo Del Vecchio, Gründer von Luxottica, folgt auf Rang zwei.

  • Verkaufsschlager Wein und Öl

    Die italienische Landwirtschaft spielt insgesamt keine große Rolle. In zwei Bereichen sind die Italiener dennoch Weltspitze: So produzierte das Land 2010 rund 44,8 Millionen Hektoliter Wein. Nur Frankreich stellt mehr Wein her. Außerdem ist Italien, nach Spanien, der zweitgrößte Erzeuger von Olivenöl.

  • Italiens beste Kunden

    Italiens Handelspartner befinden sich in direkter Nähe zu dem Land. Deutschland ist der wichtigste Partner, gefolgt von Frankreich. Italiens Produkte erfreuen sich besonders in Großbritannien, Spanien und den USA großer Beliebtheit. Importiert wird aus den Niederlanden, China, Libyen und Russland.

  • Was kann Italien besser als Deutschland?

    Eindeutig Brillen herstellen! Denn Luxottica, mit Sitz in Agordo (Provinz Belluno) ist der weltgrößte Brillenhersteller. Seit 1995 kauft das italienische Unternehmen US-Marken wie Ray-Ban und Oakley auf.

  • Italiens "Blaue Banane"

    Mailand, Turin und Genua sind die größten Wirtschaftszentren Italiens. Sie sind Teil des europäischen Wirtschaftsraumes, der durch neun Länder führt und "Blaue Banane" heißt. Zentrale Einrichtungen der Europäischen Union und 20 Weltstädte befinden sich in der Zone. Hier sind die Bevölkerung, die Wirtschaft, das Kapital und die Infrastruktur sehr gut verwoben und bilden somit eine wirtschaftliche Achse Europas. Vergleichbar ist dieser Wirtschaftsraum mit BosWash in den USA.

  • Die kuriosesten Gesetze

    Kuriose Gesetze sind in Italien keine Seltenheit. So müssen Hunde dreimal täglich Gassi gehen. Die Polizei darf sich bei den Nachbarn auch erkundigen, ob dies eingehalten wird. Hohe Geldstrafen sind ausgesetzt, wer sich nicht an die Gesetze halten will. Wer sich in der Lombardei abends auf einer Bank ausruhen will, muss sich vergewissern, dass nicht mehr als drei Personen Platz nehmen. Denn in einem öffentlichen Park ist dies streng reglementiert.

  • Reich an Kultur

    Italien ist das Land mit den meisten Welterbestätten. Italien ist in Besitz von 100.000 Denkmälern. Darunter befinden sich nicht nur Kirchen, Galerien und Schlösser. Auch archäologische Funde, Brunnen und Villen fallen unter den Denkmalschutz.

Hat Monti Recht? Ist Italien nicht nur auf dem Weg der Besserung, sondern kurz davor, die Krise hinter sich zu lassen? Nein, so einfach ist es nicht.

Wahr ist: Italien hat in den vergangenen Monaten eine Reihe von wichtigen Reformen verabschiedet. So hat die Monti-Regierung die Rente mit 67 eingeführt und die Frühverrentung eingeschränkt. Zudem ist die Inflationsanpassung bei den Renten weggefallen. Zudem hat Italien ein Sparprogramm verabschiedet: 26 Milliarden Euro sollen in den kommenden drei Jahren eingespart werden. Gleichzeitig wurden die Steuern erhöht.

Die Folge: Italien baut kontinuierlich seine Haushaltsdefizite ab. So betrug das Minus im Staatshaushalt in den Jahren 2009 und 2010 noch 6,4 bzw. 4,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Doch in diesem Jahr soll das Haushaltsdefizit erstmals unter den Maastricht-Grenzwert von 3,0 Prozent fallen, nämlich auf 2,0 Prozent. 2013 will sich das Land weiter Richtung ausgeglichenen Haushalt bewegen. Die EU-Kommission prognostiziert ein Haushaltsloch von 1,1 Prozent im nächsten Jahr.

Trotz des positiven Trends: Die Staatsschulden steigen weiter. Ende 2012 sollen Italiens Gesamtschulden bei 123,5 Prozent des BIPs liegen. Das ist der zweithöchste Wert in der Eurozone und dramatisch über den Maastricht-Grenzwert, der nur eine Staatsverschuldung von 60 Prozent des BIPs vorsieht.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 21.08.2012, 09:27 Uhrv6yz

    Italiens effektive (auf das besteuerbare BIP bezogene) Staatsquote ist die höchste in der Euro-Zone. Sie liegt bei 148% des legal erwirtschafteten BIP. Nur wenn man gut 17% Schattenwirtschaft in das BIP einrechnet und entsprechend aufbläht kommt man auf die öffentlich genannten 123%. Aus der Schattenwirtschaft kommen aber keine Steuern zur Bezahlung von Staatsschulden. Die kommen aus der legalen Wirtschaft, deren Abgaben-/Steuerquote bei erdrückenden 55% liegt. Das ist wachstumszerstörend.

  • 20.08.2012, 20:53 UhrSteigenberger

    Monti u. die italienische Führungsebene machen es sich doch sehr

    einfach : während Irland, Portugal u. jetzt auch Spanien (100 Mia.Eu. Einsparungen im staatlichen Bereich)! bis an die Grenzen
    des Erträglichen sparen will Italien gerade mal 26 Mia. Eu. in 3 Jahren einsparen bei 2000 Milliarden Eu. Staatsverschuldung !
    das ist Augenwischerei gegenüber den "Geberländern" um eleganter
    die Schulden nach Norden abzuwälzen, denn darum geht es: einen
    Dummen zu finden, der die für Italien unbezahlbaren Schulden ga-
    rantieren soll = Nordeuropa insbesondere die Bundesrepublik !
    Darum auch das harte Auftreten Montis gegenüber Merkel, er will
    Deutschland "weichklopfen" um hier seine 2000 Mia. Staatsschulden
    abzuladen, damit der Schlendrian im "bel paese" munter weitergeht!
    Italien könnte zwischen 70 - 100 Mia. Eu p.a. mehr an Steuern
    einnehmen wenn die Steuerverwaltung funktionieren würde, ebenso
    sollte das Land nach 100 Jahren "Beihilfen" über die Kasse für den
    Mezzogiorno es geschafft haben dem "Süden" südlich von Rom eine
    eigenständige Wirtschaftsstruktur zu verschaffen!
    Es kann nicht sein, dass Italien seine Probleme einfach bei uns
    zwecks Bezahlung abgibt!
    Merkel müsste viel mehr Distanz zu dem nicht gewählten Staatsmann
    Monti halten, denn dieser ist Interessenvertreter der Reichen Italiens !

  • 20.08.2012, 13:08 UhrLilly

    Dazu passt folgende Grafik:

    http://yfrog.com/es6a8bp

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