Anfang 2015 : Litauen darf den Euro einführen

Anfang 2015 : Litauen darf den Euro einführen

Während der Euro-Krise wurde über den Zerfall der Währungsunion spekuliert. Inzwischen wächst der Euroraum wieder, Litauen soll ab 2015 den Euro einführen. Doch die EZB warnt vor Inflationsrisiken.

Litauen kann ab 1. Januar kommenden Jahres als 19. Land den Euro einführen. Das baltische Land erfülle alle Beitrittskriterien, stellten die EU-Kommission und die Europäische Zentralbank (EZB) am Mittwoch in ihren Beitrittsberichten fest. Sowohl die EU-Behörde wie auch die obersten Währungshüter Europas bescheinigen dem Land mit knapp drei Millionen Einwohnern, fit für den Euro zu sein. Den Euro gibt es seit 1999 - er startete als Buchwährung, 2002 kam dann das Bargeld. Die Währungsgemeinschaft war in den vergangenen Jahren wegen der Schuldenkrise in Griechenland und anderen Länder in eine Krise geraten.

Litauen würde den Beitritt der baltischen Staaten zur Eurozone komplettieren. Zuletzt hatte Lettland im Januar auf den Euro umgestellt. 19 von 28 EU-Ländern hätten dann die gemeinsame Währung. Für Litauen ist es bereits der zweite Anlauf, Mitglied im Währungsclub zu werden. Ursprünglich wollte das Land bereits 2007 den Euro einführen, scheiterte aber wegen einer leicht überhöhten Inflation. Litauen muss nun seine nationale Währung Litas aufgeben. Endgültig darüber entscheiden werden die EU-Finanzminister; dies ist für die Sitzung im Juli geplant.

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Eurobanknoten Quelle: REUTERS

EU-Währungskommissar Olli Rehn lobte den Kurs Litauens, das die Krise wirkungsvoll bekämpft habe: „Dass Litauen nun die Voraussetzungen für die Einführung des Euro erfüllt, ist das Ergebnis einer langjährigen umsichtigen Haushaltspolitik und wirtschaftlicher Reformen.“

Auch Europas Währungshüter halten Litauen fit für den Euro - trotz einiger Bedenken. Der Staat erfülle alle Maastricht-Kriterien, schreibt die EZB in ihrem in Frankfurt veröffentlichten Bericht. Litauen habe Inflation, Haushaltsdefizit und Staatsverschuldung im Griff. Auch die Währung Litas bewege sich seit Jahren stabil zum Euro.

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Sorgen bereitet den Notenbankern aber mittelfristig der Inflationsdruck in dem Land. Da Preisniveau und Pro-Kopf-Einkommen in Litauen niedriger sind als im Euroraum, sei tendenziell mit einer höheren Preissteigerung zu rechnen als im Währungsraum insgesamt. Die EZB sieht die Gefahr, dass die Inflation in dem Land getrieben von Lohnerhöhungen überdurchschnittlich anziehen könnte, zumal das Land seine Währung anders als früher nicht mehr abwerten kann.

Zudem betonte die EZB, dass Litauen das Vertrauen in die Stärke seines Finanzsektors stärken müsse. Dafür müsse vor allem die Bankenaufsicht effektiver werden. Hoffnung setzen die Währungshüter in die Europäische Bankenaufsicht, die unter dem Dach der EZB im November an den Start geht und auch die Banken Litauens überwacht.

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In Sachen Staatsfinanzen ist Litauen aktuell zwar ein Musterschüler. Im vergangenen Jahr blieb das Haushaltsdefizit nach den Angaben mit 2,1 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) deutlich unter der Marke von 3,0 Prozent, die der Maastricht-Vertrag erlaubt. Auch die Staatsverschuldung lag mit 39,4 Prozent des BIP weit unter den erlaubten 60 Prozent. Dennoch müsse Litauen das Defizit weiter senken und die Konsolidierung fortsetzen. Risiken seien etwa staatseigene Unternehmen und die geringe Steuerehrlichkeit, angesichts der alternden Bevölkerung langfristig auch das Rentensystem.

Keiner der sieben weiteren Euro-Kandidaten Bulgarien, Tschechien, Kroatien, Ungarn, Polen, Rumänien und Schweden erfüllt laut den Berichten derzeit alle Konvergenzkriterien.

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