Anleihen-Auktion: Nach Spanien-Abstufung: Italien muss höhere Zinsen zahlen

Anleihen-Auktion: Nach Spanien-Abstufung: Italien muss höhere Zinsen zahlen

Das angeschlagene Euroland Italien gerät an den Finanzmärkten wieder stärker unter Druck: Vor dem Hintergrund der Herabstufung Spaniens durch Standard & Poor's musste das Land höhere Zinsen für Staatsanleihen bieten.

Am Donnerstag musste Italien, die drittgrößte Volkswirtschaft des Währungsraums, für dreijährige Schulden höhere Zinsen als vor einem Monat bieten. Bei einer Aufstockung von Anleihen mit Fälligkeit 2015 stieg die zu zahlende Rendite von 2,75 Prozent, die bei einer vergleichbaren Auktion Mitte September erzielt worden war, auf 2,86 Prozent. Dies geht aus Zahlen der nationalen Notenbank vom Donnerstag hervor.

Die Nachfrage nach den neuen Papieren legte unterdessen zu, was als positives Zeichen gewertet werden kann. Zusammen mit drei weiteren Staatsanleihen mit Fälligkeit 2016, 2018 und 2025 nahm Italien insgesamt 6,0 Milliarden Euro am Markt auf. Die angestrebte Kreditaufnahme wurde erreicht.

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Ratingagenturen ABC

  • Wie arbeiten Ratingagenturen?

    Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Anleiheemittenten; das können Unternehmen, Banken oder Staaten sein. Das Urteil der Bonitätsprüfer bestimmt letztlich den Kurs der Papiere. In die Bewertung fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen. Die weltweit einflussreichsten Ratingagenturen sind Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch.

  • Welche Auswirkungen hat ein schlechtes Rating?

    Je schlechter Ratingagenturen die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, desto schwieriger und teurer wird es für diesen, sich frisches Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, im schlimmsten Fall ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern beispielsweise auch institutionelle Investoren.

  • Was bedeuten Ratings wie „AAA“ oder „BB+“?

    Für ihre Einstufungen verwenden die Agenturen Buchstabencodes. Bei Standard & Poor's und Fitch beginnt die Skala mit der Bestnote „AAA“ (englisch: „Triple A“). Es folgen „AA“, „A“, „BBB“, „BB“, „B“, „CCC“, „CC“, „C“. Die meisten Stufen können mit Plus- und Minuszeichen noch feiner unterteilt werden. Ab „BB+“ beginnt der spekulative Bereich, der auch „Ramsch“ (englisch: „Junk“) genannt wird. Die Skala reicht bis „D“ - das bedeutet, dass ein Ausfall des Schuldners eingetreten ist. Etwas anders verfährt die Ratingagentur Moody's, die bei der Bewertung große und kleine Buchstaben sowie Zahlen kombiniert. „Aaa“ bedeutet „erstklassig“ und ist die höchste Bewertung. Diese Note steht für höchste Qualität, geringstes Ausfallsrisiko, vergleichbar mit Staatsanleihen. Dann folgen „Aa1“, „Aa2“, „Aa3“ für „starke Zahlungsfähigkeit“ sowie in der nächsten Stufe „A1“, „A2“ und „A3“ für „gute Zahlungsfähigkeit“. Danach wird der erste Buchstabe durch ein „B“ ersetzt. Der «spekulative Bereich“ beginnt bei „Ba1“, die niedrigste Kategorie ist „E“.

  • Was bemängeln Kritiker an Ratingagenturen?

    Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen Mathematik und was Meinung ist. In der Finanzkrise kamen Ratingagenturen in die Schusslinie: In vielen Fällen behielten Unternehmen, die ein hohes Risiko trugen, zu lange ihre Topnoten. Sie wurden erst herabgestuft, als die Krise bereits akut war; Anlegern blieb keine Zeit zu reagieren. Daher ist es wenig ratsam, allein auf das Urteil von Moody's & Co zu vertrauen.

  • Welche Alternativen gibt es zu Ratingagenturen?

    Manche Profis verlassen sich inzwischen stärker auf das Urteil eigener Analysten. Deren Meinung findet umso mehr Beachtung, wenn sie eine abweichendes Urteil zu den Ratingagenturen fällen. Privatanleger können überlegen, wenig transparente Marktsegmente über Fonds abzudecken, statt direkt in Anleihen zu investieren. So profitieren sie quasi indirekt vom Know-How weiterer Experten.

Die Versteigerungen fanden in einem denkbar ungünstigen Umfeld statt: Am späten Mittwochabend hatte die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) die Bonität Spaniens um zwei Stufen auf „BBB-“ abgestuft. Das Rating liegt damit nur noch eine Note über Ramsch-Niveau. Auch der Ausblick bleibe negativ, teilte S&P am Mittwochabend mit. Es droht also eine weitere Herabstufung.

Eine schlechtere Bonitätsnote kann die Aufnahme von frischem Geld erschweren und verteuern. Experten hatten befürchtet, dass sich dies auch negativ auf die Auktion Italiens auswirken könnte. Ein starker Zinsanstieg blieb jedoch aus. Ein Grund für die unfallfrei verlaufene Auktion könnte sein, dass Mitte Oktober starke Rückflüsse aus fälligen Papieren anstehen. Dies stützt für gewöhnlich die Nachfrage nach neuen Schuldtiteln.

Wie kommt Spanien wieder auf die Beine?Video abspielen
RundschauWie kommt Spanien wieder auf die Beine?

Die verschärfte Rezession beschränke die Handlungsmöglichkeiten der spanischen Regierung, schreibt S&P. Die steigende Arbeitslosigkeit und Ausgabenkürzungen würden die soziale Unzufriedenheit schüren und die Spannungen zwischen der Zentralregierung und den Regionen verschärfen.

Aber auch die Entwicklung in der Eurozone sei für die Herabstufung mitverantwortlich. Zweifel an der Bereitschaft, die spanischen Bankschulden zu vergemeinschaften, belasten laut S&P den Kreditausblick.

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Spanien hat bisher Hilfe für seine Banken von der Eurozone zugesagt bekommen. Zunächst hatte Madrid auch von der Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB) profitiert, notfalls unbegrenzt Staatsanleihen aufzukaufen.Voraussetzung für ein Eingreifen der EZB wäre aber ein neuer spanischer Hilfsantrag in Brüssel. Die Regierung um Ministerpräsident Mariano Rajoy ziert sich jedoch bislang, einen entsprechendes Gesuch zu stellen.

Zuletzt war das Misstrauen an den Finanzmärkten deshalb wieder gestiegen und über eine möglicherweise bevorstehende Herabstufung der Kreditwürdigkeit spekuliert worden.

Bei den beiden anderen US-Ratingagenturen Moody's und Fitch liegt die spanische Bonitätsnote derzeit mit „Baa3“ beziehungsweise „BBB“ ebenfalls nur noch eine Stufe über Ramsch-Niveau.

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