Anleihen: Überzeugt der Rettungsschirm die Investoren?

Anleihen: Überzeugt der Rettungsschirm die Investoren?

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Das Team der Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF) muss nun wieder Geld für Griechenland beschaffen.

von Elke Pickartz

Der europäische Rettungsschirm muss für Griechenland neue Milliarden an den Kapitalmärkten auftreiben. Doch in Asien und den USA stoßen die Europäer auf Skepsis.

Man muss lange suchen, um das unscheinbare Schild auf dem grauen Bürohaus an der Avenue John F. Kennedy zu finden. Fast alles, was in der Finanzwelt einen Namen hat, tummelt sich hier, an der sechsspurigen Ausfallstraße der luxemburgischen Hauptstadt. Viele Banken demonstrieren mit großen Fassadenlogos Präsenz, nicht so die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF).

Europas Rettungsfonds für schwächelnde Euro-Staaten mag es lieber unauffällig. Im zweiten Stock des Gebäudes ist eine halbe Etage angemietet: blauer Teppich, kirschholzfarbene Standard-Büromöbel, schwarze Polsterstühle, statt einer Empfangsdame nur Sicherheitstür und Klingelknopf.

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Schicksalstage für die EFSF

Alles strahlt „Low Profile“ und nüchterne Zweckmäßigkeit aus, der äußere Eindruck ist Programm. Doch in diesen Tagen ist Unruhe unter den rund zwei Dutzend Beschäftigten spürbar, ständig schlagen Türen zu, laufen aufgescheuchte Mitarbeiter über den Flur, alle wirken beschäftigt und unter Druck.

Renditen zehnjähriger Staatsanleihen aus Deutschland und Italien im Vergleich zur Rendite einer zehnjährigen EFSF-Anleihe

Renditen zehnjähriger Staatsanleihen aus Deutschland und Italien im Vergleich zur Rendite einer zehnjährigen EFSF-Anleihe

Es sind wieder einmal Schicksalstage – für Griechenland, für den Euro und damit auch für die EFSF und sein deutsch-französisches Führungsteam um Klaus Regling und Christophe Frankel. Der Deal „Reformen gegen Geld“ stand lange auf der Kippe, am Donnerstag jedoch stimmte Griechenland den harten Einschnitten und Reformen zu, die den Weg für das 130-Milliarden-Euro-Rettungspaket frei machen.

Für viele heißt das aufatmen, für die EFSF bedeutet es, zwei Gänge höher zu schalten. Es geht um viel Geld. Kapital, das nicht irgendwo in Brüssel oder Berlin unter der Matratze liegt, sondern vom Rettungsschirm an den Kapitalmärkten aufgetrieben werden muss.

Finanzierungsstress steigt

Die Rechnungen, die dazu in der Euro-Gruppe laufen und teils bereits auf dem EU-Gipfel im Oktober unterschrieben wurden, klingen in etwa so: Von den insgesamt 130 Milliarden Euro für Hellas gehen 30 Milliarden Euro als Anreizzahlung („Sweetener“) an die privaten Gläubiger Griechenlands, die sich am Schuldenschnitt für griechische Staatsanleihen beteiligen.

Dieses Geld soll die EFSF voraussichtlich in den nächsten 12 bis 24 Monaten bereitstellen. Hinzu kommen rund 20 Milliarden Euro, die die EFSF direkt an die griechischen Banken in Form von Anleihen weiterreicht, um die Banken zu rekapitalisieren. Von den verbleibenden 80 Milliarden Euro könnte der Internationale Währungsfonds (IWF) ein Drittel schultern, die restlichen gut 50 Milliarden Euro würde wiederum die EFSF übernehmen.

Als weitere Belastungen kommen Restkredite, die die EFSF aus dem ersten Griechenland-Hilfspaket übernimmt, hinzu und – heiß diskutiert – eine möglicher Kauf von Hellas-Bonds aus den Beständen der EZB.
Endgültige Summen gibt es noch nicht. Fest steht aber schon jetzt: Was die EFSF in der nächsten Zeit am Kapitalmarkt stemmen muss, geht weit über ihr bisheriges Engagement für Irland und Portugal hinaus.

Rettungsfonds-Finanzchef Frankel ist zuversichtlich, dass man die Märkte damit nicht überstrapazieren wird. Doch Marktteilnehmern ist längst klar, dass der Druck auf den Fonds massiv steigen wird. „Der Finanzierungsstress für die EFSF am Kapitalmarkt wird in der nächsten Zeit deutlich zunehmen“, sagt Rainer Guntermann, Anleiheexperte bei der Commerzbank.

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