Anleiherückkauf: Stück aus dem Tollhaus

KommentarAnleiherückkauf: Stück aus dem Tollhaus

von Frank Doll

Die Entscheidung von Standard & Poor´s, Griechenland wegen des Anleiherückkaufs als teilweisen Zahlungsausfall zu bewerten, mag voreilig sein - eine Warnung an die EU-Finanzminister und die EZB ist sie allemal.

Wie nicht anders zu erwarten war, geht die Tragikomödie um die Rettung Griechenlands in den nächsten Akt.  Dreh- und Angelpunkt ist das Rückkaufangebot für griechische Staatsanleihen im jüngsten Rettungspaket. Im Wissen um ein großzügiges Abfindungsangebot hatten Spekulanten die Kurse in den letzten Tagen weit nach oben gezogen. Das überaus großzügige Rückkaufangebot, das jetzt,  je nach Laufzeit der Anliehen, zwischen 30,2 und  40,1 Prozent des Nominalwertes vorsieht, reicht den Hedge-Fonds aber offenbar nicht. Sie  bekommen den Hals nicht voll und verlangen mehr - und werden es wohl auch bekommen.

Besser kann es für die Finanzakrobaten, die sich im Sommer – im Vertrauen auf die Nibelungentreue von Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Euro und zu Griechenland – mit Anleihen des Pleitestaats zu Preisen von weniger als 20 Prozent des Nominalwerts eingedeckt haben, eigentlich nicht laufen. Während man mit Hilfe der Eurogruppe ganz Europa am Nasenring durch die Arena führt, steigen die Kurse griechischer Anleihen. Die Hausse lässt sich prima nutzen zum Abbau der Positionen. Wird ein noch höheres Rückkaufangebot nachgelegt, umso besser  - dann lassen sich auch noch die Restbestände abstoßen. Da fragt sich der Bürger natürlich: Auf welcher Seite stehen die europäischen Finanzminister eigentlich? Auf der Seite der europäischen Steuerzahler offensichtlich nicht. 

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Quelle: Katja Köllen

Die Entscheidung der Ratingagentur Standard & Poor´s, Griechenland wegen des Anleiherückkaufs und der damit de facto verbundenen Umschuldung als teilweisen Zahlungsausfall („Selective Default“) zu bewerten, mag voreilig gewesen sein - eine Warnung an die EU-Finanzminister ist sie allemal. Die Warnung richtet sich aber auch an die Europäische Zentralbank (EZB).  Man darf gespannt sein, ob die EZB in Zukunft noch griechische Staatsanleihen als Kreditsicherheit annehmen wird. Auch bei ihr steht die Glaubwürdigkeit mehr und mehr auf dem Spiel.

Länder wie Portugal, Irland, Zypern und Spanien drängen inzwischen auf eine Gleichbehandlung mit Griechenland.  Schnürt die Politik weitere Rettungspakete à la Hellas, dann droht der “Selective Default” für die gesamte EU-Peripherie.

Ein schwacher Trost bleibt. Ganz ohne Risiko ist das Spiel der Hedge-Fonds nicht. Die Rückzahlung soll in Schuldpapieren des EFSF erfolgen - einer Institution,  deren Bonität gerade ebenfalls von den Ratingagenturen herabgestuft wurde

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