Anschläge in Paris: Polizei findet Hinweise auf weiteren Terrorhelfer

Anschläge in Paris: Polizei findet Hinweise auf weiteren Terrorhelfer

Während die erste „Charlie Hebdo“-Ausgabe millionenfach verkauft wird, suchen die Ermittler weiter nach Informationen. Haben sie in einem Mietshaus eines der Dschihadisten Hinweise auf einen weiteren Täter entdeckt?

Nach den Terroranschlägen von Paris sind die Ermittler in einem vom Dschihadisten Amedy Coulibaly gemieteten Haus auf gehortete Waffen gestoßen. Das kleine Haus in einer ruhigen Straße des Pariser Vorortes Gentilly habe der Täter eine Woche vor seiner Geiselnahme in einem jüdischen Lebensmittelladen angemietet und dafür genutzt, um ein erhebliches Arsenal an Waffen zu verstecken, hieß es in einem Polizeibericht. Eine Durchsuchung habe den Ermittlern ermöglicht, einen mutmaßlichen vierten Attentäter zu identifizieren, berichtete die Zeitung „Le Parisien“.

Coulibaly hatte nach der Attacke von Said und Chérif Kouachi auf die Redaktion der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ in dem koscheren Geschäft Geiseln genommen und vier von ihnen umgebracht. Wie die Kouachi-Brüder wurde er von der Polizei getötet. Rund sechs Mitglieder einer radikalislamistischen Terrorzelle sollen nach Informationen der Nachrichtenagentur AP auf der Flucht sein.

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Die französische Polizei wollte nicht bekanntgeben, was sie im Inneren des Hauses in Gentilly südlich von Paris gefunden habe. „Le Parisien“ berichtete, Ermittler und Anti-Terror-Spezialisten hätten einen Motorroller sichergestellt, durch den „ein vierter Mann“ identifiziert werden konnte, der möglicherweise Coulibalys Komplize gewesen sei.

Die wichtigsten Fakten zu "Charlie Hebdo"

  • Die Satire-Zeitung

    Die französische Satire-Zeitung im Zentrum des Terroranschlags von Paris arbeitet mit Provokationen: „Charlie Hebdo“ macht sich über Päpste und Präsidenten lustig - und auch über den Propheten Mohammed. Die Wochenzeitung, die am Mittwoch einem Angriff mit mindestens zwölf Toten zum Opfer fiel, rief mit Karikaturen des hoch verehrten Propheten in der islamischen Welt immer wieder Empörung hervor.

  • Der erste Anschlag

    Im November 2011 waren die Büros der Zeitung Ziel eines Brandbombenangriffs, nachdem sie eine Ausgabe publiziert hatte, in der Mohammed „eingeladen“ wurde, ihr Gastredakteur zu werden. Auf der Titelseite: eine Karikatur des Propheten.

  • Weitere Karikaturen

    Ein Jahr später veröffentlichte die Zeitung inmitten der Aufregung über einen islamfeindlichen Film weitere Mohammed-Zeichnungen. Die Karikaturen stellten Mohammed nackt und in erniedrigenden oder pornografischen Posen dar. Während die Emotionen hochkochten, nahm die französische Regierung die Redefreiheit in Schutz. Gleichzeitig warf sie „Charlie Hebdo“ vor, Spannungen zu schüren.

  • Die politische Orientierung

    Die Zeitung mit niedriger Auflage tendiert politisch betrachtet zum linken Spektrum. Sie ist stolz, mit Karikaturen und parodierenden Berichten Kommentare zum Weltgeschehen abzugeben. „Wir gehen mit den Nachrichten wie Journalisten um“, sagte ein Karikaturist mit Namen Luz 2012 der Nachrichtenagentur AP. „Einige nutzen Kameras, einige nutzen Computer. Für uns ist es ein Papier und Bleistift“, sagte er. „Ein Bleistift ist keine Waffe. Er ist einfach ein Äußerungsmittel“, meinte er.

  • Der Chefredakteur über Karikaturen

    Chefredakteur Stéphane Charbonnier, der bei dem Anschlag am Mittwoch getötet wurde, hatte die Mohammed-Karikaturen ebenfalls verteidigt. „Mohammed ist mir nicht heilig“, sagte er 2012. „Ich mache Muslimen keine Vorwürfe dafür, dass sie nicht über unsere Zeichnungen lachen. Ich lebe unter französischem Gesetz“, ergänzte er. „Ich lebe nicht unter Koran-Gesetz.“

  • Charbonniers letzte Karikatur

    Eine von Charbonniers letzten Karikaturen, die in der dieswöchigen Ausgabe von „Charlie Hebdo“ veröffentlicht wurde, scheint in Anbetracht der Ereignisse wie eine unheimliche Vorahnung. „Noch immer keine Anschläge in Frankreich“, sagte ein Extremisten-Kämpfer darin. „Warte - wir haben bis Ende Januar, um unsere Neujahrswünsche vorzubringen.“

Die Zeitung machte keine Angaben zur Identität des Verdächtigen, schrieb jedoch, dass er am 7. Januar - dem Tag des Anschlags mit zwölf Toten auf die „Charlie Hebdo“-Redaktion - im nahe gelegenen Fontenay-aux-Roses einen Jogger angeschossen und schwer verwundet habe. „Der vierte Mann“ habe ein ausgiebiges Vorstrafenregister, könne in die Attacken in Paris involviert gewesen und möglicherweise nach Syrien geflüchtet sein, schrieb das Blatt. Dort hält sich laut Angaben von türkischen Behördenvertretern auch Coulibalys Ehefrau, die ebenfalls Verdächtige Hayat Boumeddiene, auf.

Die Polizei habe „einige extrem gefährliche Leute, Männer und Frauen“ ins Visier genommen, sagte der Sprecher der französischen Polizeiunion, Christophe Crepin. „Wir befinden uns wirklich im Krieg.“ Er ging davon aus, dass die Attentäter nicht über die Mittel verfügt hätten, um die Anschläge von sich aus zu finanzieren. Sie hatten allein etliche Waffen bei sich und mussten für ihren Lebensunterhalt und angemietete Objekte wie das Haus in Gentilly aufkommen, wie Crepin sagte. „Wir haben es mit einem gut organisierten, mafiösen Gebilde zu tun.“

Weitere Artikel

Als ein AP-Reporter das Haus in Gentilly in dieser Woche besuchte, berichteten Nachbarn davon, dass sie nichts Außergewöhnliches bemerkt hätten. Coulibaly sei regelmäßig im lokalen Kraftraum aufgetaucht.

Während sich Coulibaly zu der Terrormiliz Islamischer Staat bekannt hatte, handelten die Kouachi-Brüder im Auftrag der Gruppierung Al-Kaida im Jemen (AQAP). Diese hatte am Mittwoch die Verantwortung für den Anschlag auf „Charlie Hebdo“ übernommen.

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