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Arabische Revolution: Perthes fordert mehr Geduld mit Nordafrika

von Hans Jakob Ginsburg

Volker Perthes, Direktor der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik, fordert mehr Geduld mit den jungen arabischen Demokraten und plädiert dafür, dass arabische Hochschulabsolventen in Europa erste Berufserfahrungen sammeln dürfen.

Demonstranten auf dem Tahrir-Platz 2011 Quelle: REUTERS
Demonstranten auf dem Tahrir-Platz 2011. Volker Perthes will es jungen Menschen aus arabischen Ländern ermöglichen, nach der Universität in Europa erste Berufserfahrung zu sammeln Quelle: REUTERS

„Die arabische Welt, die lange hinter den Entwicklungen in der globalisierten Welt zurückgeblieben war, erlebt eine historische Stunde. Aber wir befinden uns jetzt wahrscheinlich erst am Ende der ersten fünf Minuten dieser Stunde“, sagt Perthes im Gespräch mit der WirtschaftsWoche. Es werde „ein, zwei Jahrzehnte dauern, bis die Gesellschaften dort angekommen sind, wo sie sein wollen. Das war in Osteuropa nach 1989 auch so.“

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Wichtig sei jetzt, so Perthes, dass demokratisch legitimierte Autoritäten entstehen, die dann wirtschaftspolitische Entscheidungen auch durchsetzen können. „Solange in Ägypten etwa die Regierung mit einem Auge auf den Militärrat schielen muss und mit dem anderen auf die Demonstranten in Kairo, droht das Chaos. Dann bleibt die Privatisierung bisheriger Staatsbetriebe ganz schwierig, weil kein ausländischer Investor weiß, mit welchem Einheimischen er eine Partnerschaft eingehen soll. Ägypten braucht jetzt auch ein Kartellrecht und ein Arbeitsrecht, weil es die Mechanismen der Diktatur nicht mehr gibt.“

Perthes ruft dazu auf, unmittelbar etwas für die Träger des Wandels zu tun: „Mehr Mobilität – dafür müssen Politiker und Unternehmen in Europa sorgen! Wenn Absolventen arabischer Hochschulen eine Zeit lang bei uns arbeiten dürften, könnten sie nach ihrer Rückkehr viel mehr für die ökonomische Modernisierung ihrer Länder leisten. Und sie wären hervorragende Ansprechpartner für Investoren, die in Nordafrika Fachkräfte oder auch Geschäftspartner suchen. Davon profitieren dann alle Beteiligten.“

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