Arbeitslosenstatistik: Blick ins Kleingedruckte

Arbeitslosenstatistik: Blick ins Kleingedruckte

Bild vergrößern

Ein Arbeitssuchender sitzt in Spanien hinter einem Schild, auf dem er um Arbeit bittet. In Spanien ist die Arbeitsmarktlage kritisch, aber nicht so schlimm, wie es klingt

von Max Haerder

Die Statistiken aus Spanien klingen weitaus dramatischer als sie sind.

Es sind Zahlen, die Politiker umhertragen wie leicht entzündliche Dynamitstangen. Die Arbeitslosenquote spanischer Jugendlicher: 56,4 Prozent! Die griechische sogar bei 59,2 Prozent! Und in Portugal: 42,2 Prozent! Dramatische Werte. Aber heißt das, dass mehr als jeder zweite Spanier zwischen 15 und 24 keinen Job hat?

Krise und Arbeitslosigkeit in Spanien

  • Die Zahlen

    Spanien hat mit 22,4 Prozent die höchste Arbeitslosenquote in der Europäischen Union. Bei Jugendlichen unter 25 Jahren lag sie im Jahresdurchschnitt 2011 bei 46,4 Prozent, im ersten Quartal 2012 stieg sie schon auf 52,1 Prozent - ebenfalls ein Negativ-Rekord in der EU. Von den im Mai registrierten 3,3 Millionen arbeitslosen Jugendlichen in der Eurozone lebten 921 000 in Spanien.

  • Die Jugend, das Hauptopfer

    Die spanischen Jugendlichen sind Hauptopfer des schrumpfenden Arbeitsmarktes. In Zeiten wirtschaftlicher Krise bevorzugen die Unternehmen bei Einstellungen hochgebildete Fachkräfte mit viel Erfahrung. Für viele Jugendlichen unter 25 Jahren bleibt als einzige Alternative die Zeitarbeit. Mehr als 57 Prozent der erwerbstätigen spanischen Jugendlichen haben - oft schlecht bezahlte - Zeitverträge.

  • Die Ursachen der Arbeitslosigkeit

    Als wichtigste Ursachen der hohen Jugendarbeitslosenquote in Spanien gelten ein früher Schulabbruch und das große Ungleichgewicht zwischen Nachfrage und Angebot am Arbeitsmarkt. Vor allem bei Jugendlichen mit Hochschulabschluss ist das Angebot unverhältnismäßig groß und die Arbeitslosenquote im Vergleich zu den restlichen EU-Ländern hoch. Als weiteren Faktor nennen Experten die geringe Effektivität der Beschäftigungspolitik.

  • Die Regierung versucht, gegenzusteuern

    Die spanische Regierung hat im Februar eine Arbeitsmarktreform beschlossen, die Steuervergünstigungen für jene kleinen und mittleren Unternehmen vorsieht, die jugendliche Arbeitslose unter 30 Jahren einstellen. Der Vertrag enthält allerdings eine Probezeit von einem Jahr, in der die jugendlichen Arbeitnehmer ohne Abfindung entlassen werden können.

Weitere Artikel

Nicht ganz. Um korrekte Schlüsse aus den Statistiken der Datenerhebungsbehörde Eurostat zu ziehen, ist ein Blick ins Kleingedruckte nötig. Die genannten Arbeitslosenquoten setzen nämlich jene, die kurzfristig eine Arbeit aufnehmen könnten oder in den vergangenen vier Wochen nach einem Job gesucht haben, nur ins Verhältnis zu allen Erwerbstätigen und Arbeitslosen gleichen Alters. Bei den 15- bis 24-Jährigen bleiben Schüler und Studenten so außen vor. Das verzerrt die Quoten nach oben.

Anzeige

In Spanien sind also 56 Prozent derer ohne Job, die in dieser Generation arbeiten könnten und wollten, aber eben nicht mehr als die Hälfte aller Spanier zwischen 15 und 24. Bezogen auf alle jungen Iberer, ermittelte Eurostat für 2012 eine Quote von etwas mehr als 20 Prozent. Damit ist immer noch jeder fünfte ohne Arbeitsplatz. Auch das ist politisches Dynamit.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%