Arbeitsmarkt: Frankreichs Reform wird kaum neue Jobs schaffen

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Arbeitsmarkt: Frankreichs Reform wird kaum neue Jobs schaffen

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Frankreichs Präsident Hollande in seinem Büro. Er will mit der Arbeitsmarktreform die stetig steigende Arbeitslosigkeit bekämpfen.

von Karin Finkenzeller

Gegen den Widerstand einflussreicher Gewerkschaften stimmt Frankreichs Parlament für mehr Flexibilität in den Betrieben. Die Unternehmen sollen so wieder wettbewerbsfähiger werden. Kann Hollande das Ruder so herumreißen?

Neulich morgens in einem Vorortzug von Paris nach Versailles. An der Station Saint-Michel Notre-Dame steigt eine Gruppe Gewerkschafter ein. An ihren Westen mit den Emblemen der CGT und den mitgebrachten Fahnen sind sie gut als Mitglieder der größten französischen Arbeitnehmerorganisation zu erkennen. Von einigen Mitfahrenden werden sie wie Helden begrüßt. Die Gewerkschafter sind auf dem Weg zum Gericht. Nach gewaltsamen Protestaktionen wollen sie die für 2014 geplante Schließung eines Werks des darbenden Autoherstellers PSA Peugeot Citroën nun juristisch anfechten.

Die deutsche Journalistin an Bord versucht, eine Diskussion anzuspinnen - und wird sofort in die Schranken gewiesen: "In Deutschland müssen die Leute für 3,50 Euro die Stunden arbeiten; ihr habt ja nicht einmal einen Mindestlohn und deshalb bestimmt kein Recht, uns Franzosen irgendwelche Ratschläge zu erteilen", schallt es ihr entgegen. Die Friseurin aus Thüringen dient als Schreckgespenst und Wunderwaffe zugleich, wenn es gilt, in Frankreich notwendige Reformen zu boykottieren.

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Krise in Paris Frankreichs Absturz ist programmiert

Nach dem Platzen der Immobilienblase stehen im Land der Immobilienbesitzer privater Konsum und Konjunktur vor einem langen Siechtum. Auch politisch ist Frankreich in der europäischen Peripherie angekommen.

Der französische Abstieg, wirtschaftlich sowie politisch, scheint unaufhaltsam - Nicht zuletzt aufgrund der Immobilienblase Quelle: dpa

Gemessen daran darf man die Arbeitsmarktreform, die das Parlament am späten Dienstagnachmittag verabschiedete, eine reife Leistung nennen. Sie trägt den Namen "Schutz der Beschäftigung". Für den Preis von mehr Entscheidungsspielraum für die Arbeitgeber sollen die Arbeitnehmer wieder häufiger unbefristete Verträge und bessere Leistungen aus der Kranken- und Arbeitslosenversicherung erhalten. In Konzernen mit mehr als 5000 Beschäftigten werden sie erstmals Vertreter im Aufsichtsrat stellen. Zu den wichtigsten Neuerungen gehört, dass Unternehmen ihren Belegschaften längere Arbeitszeiten oder niedrigere Löhne abverlangen können, wenn ein Betrieb in konjunkturbedingte Schwierigkeiten gerät. Zudem dürfen Beschäftigte in solchen Situationen betriebsintern an andere Standorte versetzt werden. Weigert sich ein Betroffener, kann ihm gekündigt werden.

Anders als in Frankreich bisher üblich kam die Vorlage nicht aus einem Ministerium, sondern wurde in viermonatigen Verhandlungen zwischen Arbeitgeberverbänden und drei der fünf wichtigsten Gewerkschaften ausgearbeitet. Die CGT, deren neuer Vorsitzender Thierry Lepaon  von einem "Abkommen des sozialen Rückschritts" spricht, das mit der "Tinte der Arbeitgeber" geschrieben wurde, und die ebenfalls radikale Arbeitnehmerorganisation Force Ouvrière verweigerten sich.

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