Arno Kompatscher: "Der Verbleib Renzis wäre ein Garant für Stabilität in Rom"

Arno Kompatscher: Italien muss Flüchtlingsfrage klar beantworten

"Der Verbleib Renzis wäre ein Garant für Stabilität in Rom"

Kippt Italiens Kooperation in der Flüchtlingsfrage, wenn Renzi scheitert?
Wenn es keine klaren Signale aus Europa gibt - sei es, was die gemeinsame Sicherung der Außengrenzen betrifft, sei es, dass auch die innereuropäische Solidarität greift - dann besteht die Gefahr. Es braucht klare Signale.

Italiens Krise Sechs Gründe, warum die Märkte um Italien zittern

Die Aktienkurse sinken, die Zinsen auf Anleihen steigen: Die Märkte sehen in Italien ein Risiko für den Euro-Raum. Wer sich die Wirtschaft des Landes anschaut, sieht: zu Recht. Eine Bilanz der größten Baustellen.

Quelle: Montage

Die Finanzmärkte bereiten sich auf eine Zeit der Unsicherheit nach einem möglichen „Nein“ beim Referendum vor. Wie sehr betrifft das Südtirol?
Wir hängen natürlich ganz eng mit der gesamtitalienischen Lage zusammen. Wir haben zwar eine ganz andere wirtschaftliche Entwicklung. Aber wenn Italien wieder höhere Zinsen zahlen muss, wirkt sich das auf alle öffentlichen Haushalte in Italien aus, dann steigt der Druck. Vergangene Woche haben Marktanalysten gesagt, ein Nein sei eine Chance, weil Märkte dann volatiler werden und Investoren die Chance haben, sich billig einzukaufen. Die generelle Einschätzung der Märkte lautet also: Der Verbleib Renzis wäre ein Garant für Stabilität in Rom.

Wie sehr steigt der Druck durch steigende Zinsen?
Wir haben als Land ja eine Autonomie, wonach wir 90 Prozent der Steuern behalten, und eine dementsprechend sehr geringe Verschuldung. Auch der Schuldenstand unserer Kommunen hat sich in den vergangenen fünf Jahren auf 500 Millionen Euro halbiert. Aber es gibt die Praxis der Ratingagenturen, dass die Bonität eines Teilstaates immer nur maximal zwei Stufen oberhalb jener des Gesamtstaates liegen darf. Die haben uns zwar schon mehrfach bescheinigt, wir würden eigentlich ein anderes Rating verdienen, aber so lange die Regel gilt, trifft uns das.

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Nimmt die Bereitschaft von Investoren ab, weil das Land so instabil ist?
Bisher nicht. Wir haben in Südtirol eine sehr positive Stimmung bezüglich der wirtschaftlichen Entwicklung. Die Zuversicht ist so groß wie seit zehn Jahren nicht mehr. Wir haben 1,3 Prozent Wachstum in diesem Jahr, Vollbeschäftigung, steigende Exportzahlen und sehr positive Erwartungen.

Dabei ist Ihre Wirtschaft geprägt durch eher klassische Branchen wie Landwirtschaft, Tourismus, Handwerk. Ziemlich traditionell, oder?
Das ist nicht so altbacken, wie es vielleicht daher kommt. Wir hatten sehr viele Innovationen im Tourismus, bei der Vermarktung, aber auch im Produkt selbst. Wir haben da sehr viel investiert. Auch bei der Landwirtschaft. Wir haben enorm auf Qualität gesetzt, auf Technologisierung, aber eben auch auf die Qualität des Produkts. Unsere Milchwirtschaft etwa kann die höchsten Preise verlangen. Das hat mit Produktveredelung zu tun. Jeder dritte Joghurt in Italien stammt aus Südtirol, obwohl unser Joghurt der teuerste ist. Und wir haben einen Exportsektor, der hochtechnologisch ist.

Sie fahren also den Kurs "Stärken stärken", statt Neues zu entwickeln?
Wir machen beides. Bei den Stärken gehen wir neue Wege. Wir haben etwa einen Aktionsplan Berglandwirtschaft verabschiedet, der sagt aber nicht: mehr Milch. Sondern: Wie bringen wir unsere Bauern dazu, zu diversifizieren; die neuen Trends aufzunehmen wie biologisch, gesund, tiergerecht? Sie sollen bloß nicht stur weitermachen wie bisher. Wo wir wirklich Aufholbedarf haben, ist der Bereich Start-ups. Diese Kultur gibt es bei uns noch nicht so sehr. Das versuchen wir gerade zu stärken. Aber nicht nur durch Finanztransfers, sondern durch praktische Unterstützung.

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