Athen berappelt sich langsam: Fitch stuft Griechenland wieder hoch

Athen berappelt sich langsam: Fitch stuft Griechenland wieder hoch

Griechenland kommt beim Schuldenabbau voran. Als erste Ratingagentur hat Fitch Athen nun wieder mit einer besseren Bonitätsnote versehen. Damit gilt die Anlage aber noch immer als hoch spekulativ.

Die Ratingagentur Fitch hat die Kreditwürdigkeit des krisengeschüttelten Griechenlands um eine Stufe angehoben. Die Bonitätsnote steige von bisher „CCC“ auf „B-“, teilte Fitch am Dienstag in London mit. Der Ausblick sei stabil. Die Note „B-“ beschreibt eine hochspekulative Anlage, bei der Anleger davon ausgehen müssen, dass es bei einer Verschlechterung der Lage im Land wahrscheinlich zu Ausfällen kommt.

Griechenland habe klare Fortschritte gemacht beim Abbau der Defizite im Staatshaushalt und in der Leistungsbilanz, begründete Fitch die Entscheidung. Zudem sei das Risiko eines Euro-Austritts gesunken. Der Rating-Ausblick sei stabil, die wirtschaftlichen Aussichten blieben jedoch zunächst trübe. Die griechische Wirtschaft wird laut Fitch im Jahr 2013 um 4,2 Prozent schrumpfen.

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Die Chronik der Schuldenkrise

  • 10. Mai 2010

    Um die Schuldenkrise einzudämmen, spannen die Finanzminister und der IWF einen Rettungsschirm (EFSF) für pleitebedrohte Euro-Mitglieder. Insgesamt 750 Milliarden Euro sollen im Notfall fließen. Der damalige Kanzleramtsminister Thomas de Maizière resümiert, jetzt komme „Ruhe in den Karton“.

  • 21. November 2010

    Als erstes EU-Land schlüpft Irland unter den EFSF. Europäer und IWF schnüren ein Hilfspaket von 85 Milliarden Euro. EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy hält Sorgen vor einem Überschwappen auf Portugal für unbegründet: „Gerede über eine Ansteckung hat keine wirtschaftliche oder rationelle Grundlage.“

  • 8. April 2011

    Nach einem Hilferuf aus Lissabon setzt die EU ein Rettungspaket für Portugal in Gang. Höhe: Rund 80 Milliarden Euro. Schäuble sieht die Gefahr einer Ausbreitung der Krise zunächst als gebannt an: „Die Ansteckungsgefahr ist geringer geworden.“

  • 20. Juni 2011

    Die EU-Finanzminister beschließen eine Ausweitung des EFSF. Deutschlands Anteil steigt von 123 auf 211 Milliarden Euro. Damit bis zu 440 Milliarden Euro an Krediten gezahlt werden können, müssen die Euro-Länder ihre Garantien auf 780 Milliarden Euro erhöhen. Merkel verteidigt das: „Scheitert der Euro, scheitert Europa.“

  • 23. Juni 2011

    Athen beantragt ein zweites Hilfspaket. Es beläuft sich schließlich auf 159 Milliarden Euro. Erstmals beteiligen sich auch private Gläubiger Athens, ihr Anteil beträgt rund 50 Milliarden Euro.

  • 8. August 2011

    Die Europäische Zentralbank (EZB) kauft nun auch Staatsanleihen von Italien und Spanien auf, um beide Länder zu stützen.

     

  • 23. - 27. Oktober 2011

    Nach einem Doppelgipfel beschließen die Euro-Länder das bislang dickste Paket zur Eindämmung der Krise: Griechenlands Schulden werden um 50 Prozent gekappt. Das im Juli beschlossene 109-Milliarden-Programm wird modifiziert: Nun soll es zusätzliche öffentliche Hilfen von 100 Milliarden Euro geben, sowie Garantien von 30 Milliarden Euro, mit denen der Schuldenschnitt begleitet wird. Die Schlagkraft der EFSF soll auf rund eine Billion Euro erhöht werden. Zudem müssen Europas Banken ihr Kapital um mehr als 100 Milliarden Euro aufstocken. „Ich bin sehr zufrieden mit den Ergebnissen“, bilanziert Merkel. Und Frankreichs Finanzminister François Baroin sagt erleichtert: „Es gab ein Explosionsrisiko. Das Abkommen von heute Nacht ist eine freundschaftliche, globale und glaubwürdige Antwort.“

  • 8. November 2011

    Silvio Berlusconi steht vor dem Aus. Bei der Abstimmung über den Rechenschaftsbericht 2010 verfehlt er im italienischen Parlament die absolute Mehrheit. Am Abend kündigt er seinen Rücktritt an. Zuvor sollen aber noch die Brüssel zugesagten Reformen beschlossen werden.

  • 9. November 2011

    Griechenlands Regierungschef Giorgos Papandreou kündigt in Athen seinen Rücktritt an.

  • 09. Dezember 2011

    Nahezu alle Mitgliedstaaten einigen sich beim EU-Gipfel in Brüssel nach zähen Verhandlungen auf eine Fiskalunion. Großbritannien steht im Abseits. Eine Spaltung der EU wird abgewendet.

  • 14. März 2012

    Die Eurogruppe gibt ein zweites Griechenland-Paket frei. Der IWF beteiligt sich daran mit 28 Milliarden Euro.

  • 09. Juni 2012

    Spaniens Regierung kündigt an, zur Sanierung der maroden Banken ein Rettungspaket "light" zu beantragen. Die Eurogruppe sagt Madrid bis zu 100 Milliarden Euro zu.

  • 25. Juni 2012

    Nach langem Zögern flüchten Spanien und auch Zypern unter den Euro-Rettungsschirm. Der Finanzierungsbedarf beider Länder zur Rekapitalisierung ihres Bankensektors ist noch unklar.

  • 12. September 2012

    Das deutsche Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe genehmigt den ESM-Rettungsschirm unter Vorbehalten. Die Bedingung: Es müsse sichergestellt werden, dass die Haftung Deutschlands auf die vereinbarten 190 Milliarden Euro beschränkt bleibe. Ohne erneute Zustimmung Deutschlands - und damit des Bundestags - dürfen keine höheren Zahlungsverpflichtungen begründet werden. Damit kann Deutschland dem permanenten Euro-Rettungsschirm ESM beitreten. Bis zur Entscheidung aus Karlsruhe hatte Deutschland bislang als einziges Euro-Land den Vertrag über den „Europäischen Stabilitätsmechanismus“ ESM noch nicht ratifiziert. Erst mit der Beteiligung des größten Mitgliedsstaats kann der Rettungsschirm in Kraft treten.

Bei Standard & Poor's wird Griechenland mit B-minus mit einem stabilen Ausblick und bei Moody's mit C bewertet. Damit liegen alle Noten deutlich im Ramsch-Bereich.

Am Dienstag konnte Athen sich kurzfristig am Geldmarkt 1,3 Milliarden Euro besorgt, um Löcher in seinem Haushalt zu stopfen. Der Zinssatz für den dreimonatigen Kredit ist leicht gesunken auf 4,02 Prozent nach 4,05 Prozent für einen vergleichbaren Kredit am 16. April, wie die Schuldenagentur PDMA mitteilte. Es sei der niedrigste Zinssatz für einen dreimonatigen Kredit seit zwei Jahren, berichtete die Athener Finanzpresse.

Bereits am Montag bescheinigte die Eurogruppe dem Land, die Bedingungen für weitere Hilfskredite zu erfüllen. Die Eurogruppe habe zugestimmt, das nächste Kreditpaket von insgesamt 7,5 Milliarden Euro bis Juni auszuzahlen, erklärte Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem nach der Sitzung der Eurogruppe in Brüssel. Die Troika von EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds hatte dem Land bescheinigt, die geforderten Spar- und Reformziele dafür umgesetzt zu haben. "Griechenland gewinnt klar an Wettbewerbsfähigkeit, baut das Haushaltsdefizit ab, die Leistungsbilanz hat sich verbessert und der Bankensektor stabilisiert", sagte Dijsselbloem.

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Einzelne Bestandteile des jetzt von der Troika überprüften Reformprogramms muss die Regierung in Athen demnächst noch umsetzen. Doch seien die Euro-Finanzminister zuversichtlich, dass diese Schritte noch vollzogen würden, sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn.

Das Mittelmeerland musste als erster Euro-Staat mit Krediten der anderen Euro-Länder und des IWF im Umfang von Hunderten Milliarden vor der Pleite gerettet werden. Im vergangenen Jahr stand der Verbleib des Landes in der Euro-Zone auf der Kippe, weil die führenden Parteien die im Gegenzug verlangten Reformen ablehnten.

Inzwischen hat die Regierung in Athen aber ihren Kurs geändert. Insgesamt hat Griechenland seit dem ersten Rettungsprogramm 2010 bislang 200 Milliarden Euro der insgesamt gut 240 Milliarden Euro an zugesagten Hilfen bekommen. Die Gelder werden in einzelnen Tranchen ausgezahlt und das Land muss im Gegenzug Reformen umsetzen.

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