Attentat auf Charlie Hebdo: Neue Festnahmen nach Terror in Paris

Attentat auf Charlie Hebdo: Neue Festnahmen nach Terror in Paris

Immer mehr deutet darauf hin, dass die Attentäter von Paris Komplizen gehabt haben können. Weitere zwölf Verdächtige hat die französischer Polizei festgenommen. Zu einem von ihnen soll eine DNA-Spur geführt haben.

Neun Tage nach dem islamistischen Anschlag auf „Charlie Hebdo“ in Paris haben die Fahnder in Frankreich im Zusammenhang mit der Terrorwelle weitere zwölf Menschen festgenommen. Die Verdächtigen sollten in Polizeigewahrsam wegen möglicher Verbindungen zu den Attentätern vernommen werden, teilten die Ermittler am Freitag mit.

Es gehe vor allem um die Frage, ob sie den Terroristen Waffen oder Fahrzeuge organisierten und damit logistische Unterstützung für die Anschläge leisteten, bei denen die Attentäter 17 ihrer Opfer töteten.

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Offizielle Angaben zur Identität der Festgenommenen gab es zunächst nicht. Innenminister Bernard Cazeneuve bestätigte lediglich, dass sie aus dem Großraum Paris stammen und mehrheitlich polizeibekannt sind.

Der Nachrichtensender BFMTV berichtete, auf die Spur eines Verdächtigen habe ein genetischer Fingerabdruck geführt, den die Polizei auf der Waffe eines Täters entdeckte. Andere Verdächtige wurden demnach über Abhöraktionen identifiziert. Neben acht Männern sollen auch vier Frauen in Polizeigewahrsam gekommen sein.

Einsatz gegen Terrorverdächtige: Islamisten-Szene verstärkt im Visier

  • Was steckt hinter den jüngsten Polizeiaktionen in Deutschland?

    Seit den Attentaten in Frankreich schauen sich auch die deutschen Sicherheitsbehörden die islamistische Szene besonders genau an. Die rund 260 „Gefährder“, denen Polizei und Geheimdienste grundsätzlich einen Terrorakt zutrauen, werden seitdem noch intensiver beobachtet. Schon in den Wochen vor den Anschlägen in Frankreich gab es aber eine Vielzahl von Durchsuchungen und Festnahmen: Beim Bundeskriminalamt (BKA) laufen bereits rund 500 Ermittlungsverfahren gegen etwa 800 Beschuldigte aus dem islamistischen Spektrum. Solche Aktionen bekommen nun eine größere Aufmerksamkeit. Aus Sicherheitskreisen ist aber auch zu hören, der Druck auf die Szene werde nach Paris erhöht. Mancher Zugriff werde wegen die aktuelle Lage vorgezogen, um die Szene zu stören und die Botschaft zu senden: Wir haben euch im Blick.

  • Wie groß ist die Terrorgefahr im Moment?

    Deutschland ist seit langem im Visier von islamistischen Terroristen. Über Monate lautete die Sprachregelung, es gebe eine „abstrakt hohe“ Gefährdung, aber keine konkreten Hinweise auf Anschlagsplanungen. Auch kurz nach den Attentaten von Paris benutzte Innenminister Thomas de Maizière (CDU) noch diese Wendung. Der Zusatz, es gebe keine konkreten Hinweise, ist inzwischen aber nicht mehr zu hören. Der Grund: Seit Paris häufen sich auch die Drohungen gegen Deutschland. Die Behörden müssen in jedem einzelnen Fall prüfen, ob etwas dahinter steckt oder es sich nur um Wichtigtuerei handelt. „Die Lage ist ernst, es besteht Grund zur Sorge und Vorsorge, jedoch nicht zu Panik und Alarmismus“, sagt de Maizière inzwischen. Doch auch er räumt ein, dass ein Anschlag in Deutschland nicht komplett auszuschließen sei. Große Angst gibt es vor möglichen Einzeltätern, die zuvor überhaupt nicht aufgefallen sind.

  • Stockt Deutschland wie andere Länder die Sicherheitsvorkehrungen auf?

    In Frankreich gilt seit dem Pariser Anschlag die höchste Terrorwarnstufe. Soldaten sind vor Schulen und auf öffentlichen Plätzen postiert. Die belgischen Behörden riefen nach dem tödlichen Anti-Terror-Einsatz die zweithöchste Alarmstufe aus. Polizeiwachen wurden verbarrikadiert, jüdische Schulen vorerst geschlossen. Solche Warnstufen hat Deutschland nicht. Bislang gibt es hier auch nur wenige sichtbare Sicherheitsvorkehrungen wie ein wenig mehr Polizei an einigen Stellen, zum Beispiel rund um bestimmte Medienhäuser. Auf eine deutliche Verstärkung der Polizeipräsenz in der Öffentlichkeit verzichten Bund und Länder bislang. Hinter den Kulissen sind Polizei und Geheimdienste aber verstärkt im Einsatz: „Die deutschen Sicherheitsbehörden unternehmen alles, um die Bevölkerung wirksam zu schützen“, betont de Maizière. Aber es sei doch auch klar, dass man nicht jede Maßnahme sehe oder offen darüber spreche.

  • Warum gibt es in Deutschland eigentlich keine Terrorwarnstufen?

    Die Regierung findet ein starres und grobes Raster nicht geeignet, um die Sicherheitslage vernünftig zu beschreiben. Schließlich könne sich die Situation je nach Region unterschiedlich gestalten, sogar innerhalb einer Stadt, lautet die Argumentation des Innenressorts. Der Vielschichtigkeit von Bedrohungen werde das nicht gerecht.

„Wir untersuchen alles. (...) Wir dürfen keine Spur auslassen“, kommentierte der französische Außenminister Laurent Fabius am Rande eines Treffen mit seinem US-Kollegen John Kerry.

Bei einer bewegenden Trauerfeier in Pontoise nahmen am Freitag Hunderte Menschen Abschied von Stéphane Charbonnier, dem Chef des Satiremagazins „Charlie Hebdo“. Der unter dem Künstlernamen Charb bekannte Zeichner war das prominenteste Opfer der Terroranschläge. Bei der Feier erklang die Internationale. „Der Geist von „Charlie Hebdo“ lebt“, rief Luz, einer der überlebenden Zeichner des Satireblattes, vor Hunderten von Menschen aus. Wer „Je suis Charlie“ (Ich bin Charlie) sage, der solle jetzt Zeichenstifte und Papier hervorholen und es beweisen.

Der 47-Jährige hatte wiederholt umstrittene Mohammed-Karikaturen veröffentlicht, die als Hintergrund des Anschlages auf die Redaktion gelten. Die Beisetzung Charbonniers sollte im Anschluss an die Trauerfeier unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.

US-Außenminister Kerry bat bei seinem Besuch in Paris um Verzeihung für sein Fehlen beim großen Gedenkmarsch für die Opfer der Terrorwelle. Er legte an den zwei Haupttatorten Kränze nieder. Dass am vergangenen Sonntag kein Spitzenpolitiker aus den USA zu dem großen Gedenkmarsch mit zahlreichen Staats- und Regierungschefs aus aller Welt gereist war, hatte international für Kritik gesorgt. Der Sprecher von Präsident Barack Obama räumte ein, dass jemand mit einem „höheren Profil“ hätte teilnehmen müssen. Washington war nur durch Botschafterin Jane Hartley vertreten gewesen.

"Cumhuriyet"-Beilage "Charlie Hebdo" als Beilage in türkischer Zeitung

Die Zeitung „Cumhuriyet“ traut sich, „Charlie Hebdo“ in der Türkei nachzudrucken - und trickst dabei die Polizei aus.

In der linksnationalistischen Zeitung „Cumhuriyet“ wurden vier Seiten der neuen Ausgabe von „Charlie Hebdo“ als Beilage nachgedruckt. Quelle: dpa

Einer der Tatorte, die Kerry am Freitag besuchte, war der Supermarkt für koschere Lebensmittel, in dem der islamistische Terrorist Amédy Coulibaly am Freitag vergangener Woche vier Juden erschossen hatte. Zweite Station war das Gebäude, in dem „Charlie Hebdo“ seine Redaktionsräume hat. Dort hatten zwei andere Attentäter am Mittwoch davor zwölf Menschen getötet.

In Paris wurden am Freitag drei junge Franzosen wegen Terrorunterstützung zu Haftstrafen von vier bis zehn Jahren verurteilt, weil sie sich 2012 dem Dschihad im Jemen oder in Somalia anschließen wollten. Es war der erste Prozess mit Verurteilung dieser Art seit den islamistischen Terroranschlägen der vergangenen Woche.

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