Attentat auf französisches Satire-Magazin: Wir sind Charlie

KommentarAttentat auf französisches Satire-Magazin: Wir sind Charlie

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Vier der Ermordeten: Karikaturist Bernard Verlhac (Tignous), Chefredakteur Stéphane Charbonnier (Charb), Georges Wolinski, Cartoonist Jean Cabut (Cabu). (von links nach rechts)

von Ferdinand Knauß

Der Massenmord in der Redaktion von Charlie Hebdo ist eine Kriegserklärung an den freien Journalismus. Darauf muss es eine entschlossene Antwort geben. Sonst haben die islamistischen Mörder ihr Ziel erreicht.

Jeder Mensch ab einem gewissen Alter weiß vermutlich noch genau, wo er am 11. September 2001 war. Ich war damals Praktikant bei der Deutschen Presseagentur und werde nie vergessen, wie geschockt wir alle auf den Bildschirm starrten, auf dem der Einschlag des zweiten Flugzeugs zu sehen war.  

Mittwoch war wieder so ein Tag. In der Pariser Redaktion des Satire-Magazins Charlie Hebdo wurden zwölf Kollegen erschossen. Die drei maskierten Mörder schrien laut vernehmbar „Allahu akbar“, nachdem sie ihre abscheuliche Tat verbrochen hatten. Man kann die Schüsse und diesen schrecklichen Ruf im Internet hören. Sehen kann man dabei nur die Außenwände des Redaktionsgebäudes. Diese kurze Sequenz, aufgenommen von entsetzten Menschen auf dem Dach des Nachbarhauses, hat mich tief erschüttert. Vor allem Journalisten werden diesen Tag nicht vergessen.

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Die wichtigsten Fakten zu "Charlie Hebdo"

  • Die Satire-Zeitung

    Die französische Satire-Zeitung im Zentrum des Terroranschlags von Paris arbeitet mit Provokationen: „Charlie Hebdo“ macht sich über Päpste und Präsidenten lustig - und auch über den Propheten Mohammed. Die Wochenzeitung, die am Mittwoch einem Angriff mit mindestens zwölf Toten zum Opfer fiel, rief mit Karikaturen des hoch verehrten Propheten in der islamischen Welt immer wieder Empörung hervor.

  • Der erste Anschlag

    Im November 2011 waren die Büros der Zeitung Ziel eines Brandbombenangriffs, nachdem sie eine Ausgabe publiziert hatte, in der Mohammed „eingeladen“ wurde, ihr Gastredakteur zu werden. Auf der Titelseite: eine Karikatur des Propheten.

  • Weitere Karikaturen

    Ein Jahr später veröffentlichte die Zeitung inmitten der Aufregung über einen islamfeindlichen Film weitere Mohammed-Zeichnungen. Die Karikaturen stellten Mohammed nackt und in erniedrigenden oder pornografischen Posen dar. Während die Emotionen hochkochten, nahm die französische Regierung die Redefreiheit in Schutz. Gleichzeitig warf sie „Charlie Hebdo“ vor, Spannungen zu schüren.

  • Die politische Orientierung

    Die Zeitung mit niedriger Auflage tendiert politisch betrachtet zum linken Spektrum. Sie ist stolz, mit Karikaturen und parodierenden Berichten Kommentare zum Weltgeschehen abzugeben. „Wir gehen mit den Nachrichten wie Journalisten um“, sagte ein Karikaturist mit Namen Luz 2012 der Nachrichtenagentur AP. „Einige nutzen Kameras, einige nutzen Computer. Für uns ist es ein Papier und Bleistift“, sagte er. „Ein Bleistift ist keine Waffe. Er ist einfach ein Äußerungsmittel“, meinte er.

  • Der Chefredakteur über Karikaturen

    Chefredakteur Stéphane Charbonnier, der bei dem Anschlag am Mittwoch getötet wurde, hatte die Mohammed-Karikaturen ebenfalls verteidigt. „Mohammed ist mir nicht heilig“, sagte er 2012. „Ich mache Muslimen keine Vorwürfe dafür, dass sie nicht über unsere Zeichnungen lachen. Ich lebe unter französischem Gesetz“, ergänzte er. „Ich lebe nicht unter Koran-Gesetz.“

  • Charbonniers letzte Karikatur

    Eine von Charbonniers letzten Karikaturen, die in der dieswöchigen Ausgabe von „Charlie Hebdo“ veröffentlicht wurde, scheint in Anbetracht der Ereignisse wie eine unheimliche Vorahnung. „Noch immer keine Anschläge in Frankreich“, sagte ein Extremisten-Kämpfer darin. „Warte - wir haben bis Ende Januar, um unsere Neujahrswünsche vorzubringen.“

Der Anschlag von Paris unterscheidet sich qualitativ von den anderen großen islamistischen Anschlägen der vergangenen Jahre in Madrid und London. Natürlich waren diese Anschläge nicht weniger schrecklich. Dort wurden wahllos unbeteiligte Menschen ermordet. Doch die Opfer von Paris starben nicht zufällig. Sie waren in den Augen ihrer krankhaft gläubigen Mörder schuldig.

Der ermordete Chefredakteur Stéphane Charbonnier, der sich als satirischer Zeichner „charb“ nannte, lebte seit 2011 unter dauerhaftem Schutz eines Leibwächters. Dieser starb gemeinsam mit ihm und der gesamten Führungsriege des Magazins im Kugelhagel der drei Mörder.

Charbonnier hatte sich mehrfach mit seinen Zeichnungen lustig gemacht über den Islamismus. Er hatte sich nicht gescheut, den Propheten Mohamed zeichnerisch ins Lächerliche zu ziehen. Islamisten hatten ihn ob dieses Sakrilegs wiederholt mit dem Tod bedroht. Wie ernst die Drohungen zu nehmen waren, zeigten schon die Proteste anlässlich der Karikaturen in der dänischen Zeitung Jyllands Posten 2005. Damals war es zu tagelangen Ausschreitungen in islamischen Ländern gekommen, auch gegen diplomatische Botschaften Dänemarks. Der dänische Zeichner Kurt Westergaard entging nur knapp einem Mordanschlag. Der Charlie Hebdo war eine der ganz wenigen Medien, die seine Karikaturen nachdruckten. Die ermordeten Kollegen vom Charlie Hebdo wurden von anderen Publizisten und auch von Politikern oft kritisiert, weil sie mit ihren Karikaturen Öl ins Feuer gössen.

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