Auf dem Weg zur Klimakonferenz nach Paris: Aktivisten stoppen Sonderzug mit Umweltministerin Hendricks

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Auf dem Weg zur Klimakonferenz nach Paris: Aktivisten stoppen Sonderzug mit Umweltministerin Hendricks

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Radikale Klimaaktivisten stoppten am Samstag am Frankfurter Hauptbahnhof einen Sonderzug nach Paris.

von Cordula Tutt

Die deutsche Delegation hat sich am Samstag in einem Sonderzug auf den Weg zu den Klima-Verhandlungen nach Paris gemacht. Am Frankfurter Hauptbahnhof stoppten radikale Umweltaktivisten die Fahrt für mehr als zwei Stunden.

Der Zug ist gerade von Gleis 8 am Berliner Hauptbahnhof abgefahren, als die Bundesumweltministerin die Mikrofonanlage testet und die Zugchefin gibt. Barbara Hendricks steht in Wagen 28 mit dem Mikro in der Hand und begrüßt vergnügt rund 300 Mitfahrende auf dem Weg zur Weltklimakonferenz nach Paris. Hendricks ist aufgeräumter Stimmung, leger gekleidet im Wollpulli und in Jeans.

Es fahren nicht nur die deutsche Verhandlungsdelegation und Vertreter von Umweltschutzgruppen zum Großereignis mit. Auch etliche Wirtschaftsvertreter sind dabei – von Siemens über die Deutschen Telekom, bis hin zur Otto-Gruppe. Delegationschefin Hendricks beendet ihre Ansage mit der bewährten Zugdurchsage: "Sänk ju for träwelling Doitsche Bahn." Ein bisschen macht sich das Gefühl von Klassenfahrt breit.

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Activists from the NGO "Non violent action COP21" leave a bank after taking the chairs as part of the "Citizen Requisition of Chairs" to protest against tax evasion, in Paris, Thursday, Nov. 12, 2015. The protest is one of many activist actions linked to the Paris climate conference, known as COP21, runs Nov. 30-Dec 11. (AP Photo/Christophe Ena) Quelle: AP

Bis Frankfurt rollt der Zug planmäßig, es steigen noch weitere Zuggäste mit ein. Doch dort am Gleis 1 des Hauptbahnhofs stimmt etwas nicht. Die Fahrgäste, die sich draußen die Beine vertreten, bemerken, dass sich drei junge Leute in Warnwesten auf der Wartungsbrücke unter dem Bahnhofsdach befinden. Einer beginnt, sich von oben auf den Zug abzuseilen. Mitten zwischen den Hochspannungsleitungen. Die Wartenden schreien und versuchen, das Ganze so zu stoppen. Der erste Aktivist ist aber bald schon auf dem Zugdach über Wagen 27 und hat dafür wohl sein Leben riskiert.

Dann endlich ist der Strom abgeschaltet. Auch die beiden anderen seilen sich ab. Sie ketten sich aneinander und tun kund, dass hier die Verursacher der Klimakatastrophe beanspruchen würden, diese auch zu lösen. Die Bundesregierung sei nicht legitimiert, in Paris für ein besseres Klima zu verhandeln.

Die Meeresspiegel werden um mehrere Meter steigen, das ist sicher. Billionen Dollar von Vermögen drohen in den nächsten Jahrzehnten zu versinken. Wo ist es besonders kritisch und was können wir retten?

Inzwischen haben sich auch rund zweihundert Meter vor dem Zug zwei Aktivisten ans Gleisbett gekettet. Obwohl die Deutsche Bahn den Mitreisenden wegen des allgemeinen Terrorrisikos hohe Sicherheitsvorkehrungen angekündigt hatte, muss sich im Unternehmen wohl jemand fragen lassen, warum es so leicht zu sein scheint, ein Flatterband rund ums Gleis und ein paar Deutsche-Bahn-Sicherheitsleute zu überwinden.

Ministerin Hendricks geht später zu den Zugdach-Besetzern und will mit ihnen reden. Vielleicht lässt sich noch alles friedlich lösen. Die Blockierer erwidern, dass Hendricks zurücktreten solle. Mit Blaulicht und Sirene sind längst Feuerwehr und Polizei angerückt. Doch weder die Gleis- noch die Zugbesetzer gehen freiwillig.

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Die Feuerwehr baut ein Sprungbett am Zug auf, die Einsatzleiterin verhandelt per Megaphon und löst schließlich die "Versammlung" auf, wie es im Polizeideutsch heißt. Einzeln werden die jungen Menschen anschließend vom Zug heruntergebracht. Auch die beiden im Gleisbett werden losgeflext.

Als der Zug mit zwei Stunden und vierzig Minuten Verspätung wieder losfährt, nennt Hendricks die Blockierer "selbstgemachte Anarchisten". Bahn-Konzernvorstand Ronald Pofalla, der ebenfalls mitreist, sagt, sie seien "nur Millimeter von einem Stromschlag entfernt gewesen". Auf die Frage, wer denn bei seinem Unternehmen Fehler gemacht und die Blockade erst ermöglich habe, sagt der Ex-Politiker nur: "Ich werde das überprüfen und bei gegebener Zeit erklären."

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