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Ausbildung: Spanien bekämpft Euro-Krise mit deutschen Rezepten

von Stefanie Claudia Müller

Spanien setzt in der Eurokrise auf Deutschland. Beim heutigen Regierungstreffen will Madrid Wege aus den Schulden erarbeiten. Die Einführung der dualen Berufsausbildung nach deutschem Vorbild ist bereits beschlossen.

Merkel Rajoy Quelle: dpa
Helfende Hand. Angela Merkel hat die Spar- und Reformpolitik des spanischen Regierungschefs Rajoy stets unterstützt. Bislang ist für Spanien allerdings noch kein Ausweg aus der Krise in Sicht Quelle: dpa

Der spanische Premier Mariano Rajoy lächelt von Natur aus wenig, aber heute strahlt der derzeit nicht allzu beliebte Politiker regelrecht. Und das, obwohl ihn heute die in seinem Land  gefürchtete Amtskollegin Angela Merkel besucht. Aber auch wenn Deutschland sich bisher wenig kooperativ zeigte, spanische Staatsanleihen zu kaufen oder Euro-Anleihen einzuführen, vertrauen die Spanier wieder in die traditionell guten Beziehungen. Deutsche Unternehmen in Spanien mussten in den vergangenen Monaten vermitteln zwischen den Fronten, die immer härter wurden und sich jetzt in Wohlwollen aufzulösen scheinen.

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Vertreter der Muttergesellschaften deutscher Niederlassungen sind nach Spanien  gekommen, um gemeinsam mit den spanischen Wettbewerbern Wege aus der Krise zu finden. “Der wichtigste dabei ist die Einführung eines dualen Ausbildungssystem”, ist sich Arturo Fernandez, Präsident der Madrider Handelskammer, sicher.

Rajoy freuen auch die Schlagzeilen  heimischer Medien: “Merkel wird uns gute Nachrichten bringen”, heißt es in einer Debatte des staatlichen Radiosenders RNE. Eine  renommierte Internetzeitung schreibt “Merkel kommt mit der Elite deutscher Unternehmen, um Rajoy zu unterstützen.” Spanien ist nach Monaten der Unsicherheit wieder überzeugt, dass Deutschland, wie schon so oft geschehen, dem Land auch diesmal aus der Krise helfen wird, nicht nur über die EU-Hilfen, die europäische Zentralbank und einen möglichen Rettungsschirm, sondern auch über konkrete Unternehmensinvestitionen und vor allem über “sein enormes Wissen in der beruflichen Bildung”; sagt José Carlos García de Quevedo, Geschäftsführer der staatlichen Agentur “Invest in Spain.”

Griechenland: Die Lohnstückkosten sinken

Stillstand in Griechenland? Nicht ganz. Bei der Sanierung der Staatsfinanzen hat Athen durchaus Erfolge vorzuweisen: Um sechs Prozentpunkte vom Bruttoinlandsprodukt wurde das Haushaltssaldo in nur zwei Jahren verbessert. Eine solche Konsolidierungsleistung hat kein anderes Euro-Land geschafft. Und im ersten Halbjahr liegt Griechenland beim Defizitabbau sogar vor dem Plan. Auch dem Ziel, seine Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, kommt das Land näher: Die Lohnstückkosten sind seit 2009 rückläufig. Aber bei den Strukturreformen, die für eine international konkurrenzfähige Wirtschaft zumindest ebenso bedeutend sind, bleibt noch viel zu tun.

Wichtige Hausaufgaben

Spaniens Regierung braucht die deutsche Unterstützung, dem wichtigsten europäischen Handelspartner, mehr denn je. Auch deswegen überschlägt sich der Staatssekretär für Handel, Jaime García-Legaz, bei der Präsentation des Kooperationsvertrags mit Lob für Deutschland: “Die deutschen Unternehmen sind heute dank ihres guten Ausbildungssystems die wettbewerbsfähigsten der Welt.” Der Gegenwind, den Rajoy in der Heimat spürt, ist groß: Die spanische Unternehmerelite hat sich in den vergangenen Wochen stark vom Sparkurs der Regierung Mariano Rajoys distanziert. Die spanische Bevölkerung hat in zahlreichen Protesten im ganzen Land ihren Unmut über Steuererhöhungen und Kürzungen bei Sozialausgaben ausgedrückt. Rajoy hatte durch sein unsicheres Auftreten auch in Deutschland Zweifel aufgebracht, ob Spaniens neue konservative Regierung den Weg aus der Krise schafft. All dass scheint heute vergessen.

Denn Spanien hat in den vergangenen Tagen aus deutscher Sicht wichtige Hausaufgaben gemacht: “Das Land  hat sich verpflichtet, dass duale berufliche Ausbildungssystem einzuführen und damit die hohe Jugendarbeitslosigkeit zu bekämpfen”, sagt Hans-Heinrich Driftmann, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Rund 24 Prozent der erwerbstätigen  Bevölkerung haben derzeit keinen Job, fast die Hälfte davon sind Jugendliche. Driftmann, der auf ausdrücklichen Wunsch der Kanzlerin bei dem deutsch-spanischen Unternehmertreffen dabei ist, freut sich sichtlich über einen bilateralen Kooperationsvertrag der Handelskammern, der dazu führen soll, die “deutsche Lehre” nach Spanien zu bringen, durch einen Austausch von Lehrkräften und unternehmerischen Erfahrungen.

4 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 24.10.2012, 15:38 UhrSpanierin

    Ja, es wurde von Stefanie zusammen mit Roberto Centeno geschrieben. Hier lasse ich einen Link zu mehr Information. (Radiocable.com, leider nur auf Spanisch)
    http://radiocable.com/muller-articulo-corrupcion362.html

  • 19.09.2012, 15:09 Uhrdaniel

    wurde das tatsächlich von Stefanie Claudia Müller geschrieben? Sieht nicht so ganz aus.

  • 19.09.2012, 13:20 UhrSpanierin

    Diese Artikel auf Deutsch in www.Cotizalia.com soll Komplett in Deutscher Zeitungen publiziert werden. Es ist ein ganz umfassendes und genaues Bild von Spanien, und die Bedingungen Spain erfüllen soll um irgendeine Hilfe zu bekommen. Sonst wird es sich nicht wirklich verbessern. Und ich bin Spanierin! Danke

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