Banken: Lieber Stresstest als Finanzkrise

ThemaEZB

AnalyseBanken: Lieber Stresstest als Finanzkrise

von Mark Fehr

Die Europäische Zentralbank zwingt Banken beim anstehenden Stresstest zum schnellen Handeln. Das ist gut so, denn sonst könnte die bei dem Manöver geübte Krise schnell bittere Realität werden.

Bei ihrem breit angelegten Krisenmanöver für die großen Banken der Euro-Zone nimmt Europas Zentralbank die Vokabel vom Stresstest offenbar wörtlich. Wenn die Ergebnisse des Großexamens in der zweiten Oktoberhälfte ans Schwarze Brett gehängt werden, bleibt möglichen Durchfallern nur wenig Zeit zum Nachsitzen und Büffeln für die Wiederholungsklausur.

Zwei Wochen gibt die EZB solchen Banken, die bei neutraler Betrachtung weniger als acht Prozent hartes Kernkapital aufweisen oder bei denen dieses Haftungspolster im virtuellen Krisenszenario des Stresstests unter eine Hürde von 5,5 Prozent fällt. Bis dahin müssen Banken mit Kapitallücken den Aufsehern der EZB Pläne vorlegen, wie sie die Löcher stopfen wollen. Umgesetzt werden müssen diese Pläne innerhalb von sechs Monaten, sofern es um Lücken im neutralen Szenario – also ohne Krisenmodus – oder aus der vorgelagerten Bilanzprüfung geht. Neun Monate Reaktionszeit haben die Banken hingegen bei solchen Löchern, die eine angenommene Wirtschaftskrise beim Stresstest aufdeckt.

Anzeige

Die drei Pfeiler der Bankenaufsicht

  • Bankenaufsicht

    Die zentrale Bankenaufsicht („Single Supervisory Mechanism“/SSM) wird unter dem Dach der Europäischen Zentralbank (EZB) eingerichtet und soll am 4. November 2014 die Arbeit aufnehmen. Die EZB wird künftig die etwa 120 größten und wichtigsten Banken im Euroraum direkt überwachen. Vor dem Start durchleuchten die Aufseher deren Bilanzen und testen die Krisentauglichkeit der Institute.

  • Bankenabwicklung

    Von 2016 an sollen gemeinsame Regeln zur Sanierung und - im Notfall - Schließung von Banken greifen („Single Resolution Mechanism“/SRM). Erklärtes Ziel ist, dass im Fall der Schieflage einer Bank zunächst deren Aktionäre und Sparer herangezogen werden - und nicht mehr allein der Steuerzahler. Alle Länder sollen Notfallfonds aufbauen, die sich aus Abgaben der Banken finanzieren.

  • Einlagensicherung

    Der grenzüberschreitende Schutz der Bankguthaben von Kunden ist noch Zukunftsmusik. Dagegen gibt es starken Widerstand aus vielen Staaten. Gerade die deutschen Sparkassen und Volksbanken befürchten, dass die üppig gefüllten deutschen Töpfe im Fall von Schieflagen von Instituten in anderen Euroländern geschröpft werden.

Die knappe Zeitvorgabe macht Sinn, schließlich will die EZB wissen, ob die Institute die nötigen Sicherheitsvorkehrungen treffen können, bevor sie im November die Verantwortung als oberste Bankenaufseherin in der Währungsunion übernimmt. Altlasten will sich die neue Aufsichtsbehörde unter dem Dach der EZB verständlicherweise nicht unterschieben lassen. Es liegt aber auch im Interesse der Banken, schnell zu handeln. Denn wer als Durchfaller gebrandmarkt ist, muss seinen Kunden und Geldgebern schnellstmöglich beweisen, ob er sich rechtzeitig verstärken kann.

Andernfalls würden sich die betroffenen Banken sich kein Geld mehr auf den Märkten leihen können. Ein solcher Vertrauenseinbruch könnte schnell auf andere, eigentlich gesunde, Banken übergreifen. Dann wäre die nächste Finanzkrise nicht mehr weit. Auch den Banken ist daher ein stressiger aber kurzer Stresstest lieber, als eine ebenso stressige aber deutlich länger Krise.

Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret "Der EZB-Stresstest muss fair und transparent sein"

Im Oktober sollen die Ergebnisse des Bankenstresstests der EZB veröffentlicht werden. Der Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret über Ablauf und Probleme des Tests – und den künftigen Umgang mit Staatsanleihen.

Quelle: dpa

Finanzkreise gehen davon aus, dass rund 30 der 128 von der EZB geprüften Institute durchfallen könnten, davon eine Handvoll in Deutschland. Der ein oder andere hofft aber auch, dass es deutlich weniger Problemfälle geben wird als befürchtet.

Die EZB schürt daher ganz bewusst die Prüfungsangst, damit sich die Banken bestmöglich auf das Examen vorbereiten und ihre Kapitaldecken im Zweifel lieber zu dick als zu dünn werden lassen. So hat die Deutsche Bank kürzlich eine große Kapitalerhöhung untergebracht, auch die Zentralinstitute der deutschen Volks- und Raiffeisenbanken DZ Bank und WGZ Bank haben bereits gehandelt. Ebenso die relative kleine Immobilienbank MünchenerHyp.

weitere Artikel

Zwischen Januar und September eingerichtete Sicherheitsvorkehrungen in Form von Kapitalerhöhungen will die EZB daher beim Stresstest berücksichtigen, auch wenn sie die Kapitallücken zunächst auf Basis der Bilanzen zum Jahresende 2013 veröffentlicht. Auf diese Weise wird es dann unechte Durchfaller geben, bei denen Löcher offenbart werden, die zwischenzeitlich gestopft wurden.

Die echten Durchfaller hingegen müssen nachliefern und ihre Bilanzen nach der Stresstestveröffentlichung fit machen. Viel Zeit dürfen sie sich dabei nicht lassen, sonst rennen ihnen Bankkunden und Geldgeber davon.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%