Bankenkrise: Angst um Spanien

KommentarBankenkrise: Angst um Spanien

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Die Finanzlage Spaniens spitzt sich weiter zu, den Banken drohen horrende Verluste - Und Deutschland muss mit immer höheren Krediten bürgen

von Malte Fischer

Die Bankenkrise in Spanien verschärft sich. Das Land wird wohl unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen müssen. Ohne Reformdruck wird es sich das Land dauerhaft dort gemütlich machen.

Das Euro-Krisen-Karussell dreht sich immer schneller. Stand bis vor Kurzem noch die Furcht vor dem Euro-Austritt Griechenlands im Fokus der Finanzmärkte, so ist es nun die sich zuspitzende Lage in Spanien. Vergangene Woche schossen die Zinsen für zehnjährige spanische Staatsanleihen auf knapp 6,7 Prozent in die Höhe, der Renditeabstand zu Bundesanleihen kletterte auf neue Rekordstände.

Der Grund für die Nervosität ist die desolate Lage der spanischen Banken. Die Finanzinstitute hatten die Bonanza am Immobilienmarkt mit leichtfertiger Kreditvergabe befeuert. Nach dem Platzen der Häuserpreisblase sind viele Institute ins Trudeln geraten. Die Ökonomen der Citigroup schätzen das Volumen der am Immobilienmarkt hängenden Bankkredite auf eine Billion Euro. Der internationale Bankenverband Institute of International Finance fürchtet, den Banken könnten Verluste von 218 bis 260 Milliarden Euro ins Haus stehen. Denn angesichts der hohen Arbeitslosigkeit sind viele Spanier nicht mehr in der Lage, ihre Hypothekenschulden zu bedienen. Der Angebotsüberschuss am Immobilienmarkt drückt auf die Häuserpreise, die noch immer um mehr als 60 Prozent über ihrem Niveau von 2001 liegen. Auf die Banken dürften daher weitere Abschreibungen zukommen.

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Die Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy hat daher zwei Alternativen. Die marktwirtschaftliche Lösung besteht darin, die unterkapitalisierten Institute bankrott gehen zu lassen und sie geordnet abzuwickeln. In diesem Fall müsste die Regierung wohl für einen Teil der Enlagen geradestehen, um einen Bank-Run zu verhindern. Die Gläubiger der Banken müssten auf ihre Forderungen verzichten. Das würde auch deutsche Banken treffen, die mit rund 42 Milliarden Euro gegenüber spanischen Finanzinstituten im Feuer stehen.

Druck der Banken

Doch auf Druck der Bankenlobby hat sich die Regierung für den interventionistischen Weg entschieden. Sie versucht, die Banken auf Kosten der Steuerzahler zu rekapitalisieren. Am liebsten wäre es Rajoy, spanische Geldhäuser könnten den Euro-Rettungsschirm EFSF direkt anzapfen. Dann müssten die Steuerzahler der anderen Euro-Länder die Hilfskredite für spanische Banken verbürgen. Doch die aktuelle Rechtslage lässt das nicht zu. Daher muss sich die Regierung die zur Rekapitalisierung der Kreditinstitute benötigten Mittel am Kapitalmarkt beschaffen. Das wird die Staatsschulden und die Risikoaufschläge für spanische Staatsanleihen weiter in die Höhe treiben.

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Um dem Sanktionsdruck des Marktes zu entgehen, dürfte die Regierung daher wohl bald unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen. Verzichten die übrigen Euro-Länder auf weitere Reformauflagen für Spanien, wird es sich das Land dauerhaft unter dem Schirm gemütlich machen. Für Deutschland und andere Geberländer sind das keine guten Perspektiven. Sie müssen für immer höhere Hilfskredite an die Krisenländer bürgen – bis auch ihre eigene Bonität dahin ist.

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