Bankenkrise: Vetternwirtschaft treibt Spanien in den Abgrund

Bankenkrise: Vetternwirtschaft treibt Spanien in den Abgrund

Die Krise der Bankia ist nur die Spitze des Eisbergs. Der Zusammenbruch des Sparkassen-Konglomerats ist symptomatisch für die spanische Amigo-Wirtschaft.

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Ein Rentner demonstriert gegen die spanische Bankia

Angela Martín* wusste, dass es um ihren Arbeitgeber nicht gut steht, aber die Filialleiterin in einem wohlhabenden Viertel Madrids hätte nicht gedacht, dass das immerhin viertgrößte Finanzinstitut des Landes vor ihren Augen zusammenstürzen würde wie ein Kartenhaus. "Wir sind noch immer fassungslos", sagt sie. "Das Loch, das sich bei der Bankia plötzlich aufgetan hat, hat uns alle mit nach unten gerissen."

Die Bankia hatte während des Immobilienbooms großzügig Kredite an Hausbauer verteilt. Nach dem Platzen der Blase können viele Käufer ihre Kredite nicht mehr bedienen. Die marode Großbank braucht bis Oktober nun mindestens 23 Milliarden Euro zur Stabilisierung. Ursprünglich war die spanische Regierung davon ausgegangen, dass zur Sanierung des gesamten Bankensektors eine Summe von 15 Milliarden Euro ausreichend sei.

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Furcht vor dem Gesichtsverlust

Das Problem: Die spanischen Fonds zur Bankenrettung sind praktisch leer. Die Kassen des Staates auch. "Ich war erstaunt über die Aussage, Spanien wolle die Bank ohne Hilfe der europäischen Partner stützen. Wie soll das gehen?", fragt etwa der spanische Ökonom Juan Ramon Rallo. "Spanien ist doch selbst bis zum Hals verschuldet."

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Madrid könnte für die Bankia-Rettung neue Schulden aufnehmen, diese wären aber aufgrund des Zinsniveaus kaum refinanzierbar. Nach Ansicht von Experten hat die spanische Zentralregierung nur zwei Möglichkeiten: Entweder die Europäische Zentralbank (EZB) erwirbt wieder spanische und italienische Staatsanleihen und sorgt damit für ein Sinken der Risikoaufschläge – oder der EU-Rettungsfonds springt ein. Die Bundesregierung hat Spanien am Wochenende aufgefordert, Schutz unter dem EFSF zu suchen. Doch Spanien lehnt das ab, zu groß ist die Furcht vor dem Gesichtsverlust. "Ein Hilferuf wäre das Eingeständnis der Regierung, die Situation nicht im Griff zu haben. Es wäre eine politische Bankrotterklärung", sagt Rallo.

Trotz der Beruhigungsversuche der Regierung geht in Spanien die Angst um. Der Madrider Investmentberater Lorenzo Bernaldo de Quirós rät seinen heimischen Kunden derzeit offen, ihr Geld im Ausland in Sicherheit zu bringen. Insbesondere die Bankia-Kunden folgen diesem Aufruf. Die spanische Bankenaufsicht bezifferte den Verlust durch Kapitalflucht bis März 2012 auf über 100 Milliarden Euro. Juan José Toribio von der spanischen IESE Business School glaubt, dass diese Zahlen längst nicht mehr aktuell sind. "Jetzt, nach dem Zusammenbruch von Bankia, dürfte diese Summe noch wesentlich höher sein. Der Bank-Run verschlimmert die Probleme der Institute und ist eine große Gefahr für die spanischen Banken", so Toribio.

*Name von der Redaktion geändert

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