Bankenunion: Neue Angst vor Zombie-Banken

Bankenunion: Neue Angst vor Zombie-Banken

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Sorgt für Sorgen: Die portugiesische Bank Espírito Santo

von Angela Hennersdorf, Mark Fehr und Silke Wettach

Mitten im Stresstest der EZB kommen massive Altlasten aus den Bankbilanzen zutage. In Deutschland bereiten die hoch subventionierten Landesbanken Sorge. Die Angst vor der Banken- und Euro-Krise kehrt zurück.

Die Banco Espírito Santo, zu Deutsch: „Heiliger Geist Bank“, ist hierzulande ein weitgehend unbekanntes Finanzinstitut. In seinem Heimatland Portugal kennt es jeder. Mehr noch: Mitten im Sommerloch sorgten Pleitegerüchte um die Banco Espírito Santo (BES) und Rioforte – beides Teile des weitverzweigten portugiesischen Familienkonglomerates Espírito International – für helle Aufregung an den Finanzmärkten. In ganz Europa rauschten vorvergangene Woche die Bankaktien in den Keller, die Risikoprämien auf südeuropäische Staatsanleihen schossen in die Höhe. Der portugiesische Ministerpräsident Pedro Passos Coelho beeilte sich zu versichern, die BES habe genügend Kapital, um ihren Verpflichtungen nachzukommen.

Ein Staatsoberhaupt stellt sich vor ein heimisches Finanzinstitut und versucht, die Märkte zu beschwichtigen? Szenen wie diese erinnern fatal an die jüngste Euro-Krise, als nationale Aufseher selbst dann noch schützend ihre Hände über heimische Banken hielten, als diese längst vor der Pleite standen.

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Die Hürden auf dem Weg zur Bankenunion

  • August 2014

    Die Europäische Zentralbank (EZB) durchleuchtet bis Ende August die Bilanzen von 128 europäischen Banken. Risiken sollen aufgedeckt, Bewertungen korrigiert werden. Wie viel Risiken schlummern noch in den Bilanzen?

  • September 2014

    Mit der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA) prüft die EZB in einem Stresstest, ob die Banken über genügend Kapital verfügen. Die Aufgabe: Ein dreijähriger Konjunktureinbruch (2014 bis 2016) soll schadlos überstanden werden.

  • Oktober 2014

    Die Ergebnisse von Bilanzcheck und Stresstest werden Mitte Oktober veröffentlicht. Dann ist klar: Welche Banken fallen durch? Welche haben Kapitallücken? Droht die nächste Krise? Muss die EZB mit neuen Geldspritzen helfen?

  • November 2014

    Am 4. November übernimmt die EZB die Aufsicht über 120 Banken im Euro-Raum – ein weiterer Schritt zur Komplettierung der Währungsunion. Pleitebanken sollen über einen europäischen Abwicklungsfonds abgewickelt werden.

Plötzlich ist sie wieder da, die Angst vor Europas Banken- und Schuldenkrise. Dabei hielten viele die Malaise schon für so gut wie ausgestanden. Portugal und Griechenland waren im April erfolgreich an die Kapitalmärkte zurückgekehrt. Politiker beider Länder wähnten sich über den Berg. Die Renditen der Peripherieländer zeigten kaum noch einen Unterschied zu denen des Triple-A-Landes Deutschland. Notwendige Reformen werden schon wieder zurückgedreht – und das nicht nur in Portugal. Auch Länder wie Frankreich und Italien drängen auf eine laxere Handhabung des europäischen Stabilitätspakts.

Doch die Ruhe war trügerisch. Nicht höhere Wettbewerbsfähigkeit infolge wirksamer Reformen in den Krisenländern ließ die Renditen sinken, sondern das vor zwei Jahren gegebene Versprechen des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, den Euro zu retten, „was immer es koste“. Seine lockere Geldpolitik und historisch niedrigen Leitzinsen taten ihr Übriges, um die Anleiherenditen der Euro-Peripherieländer auf ein unnatürlich niedriges Niveau zu drücken.

Wie die Banken vor dem Stresstest ihre Kapitalquoten verbessern. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Wie die Banken vor dem Stresstest ihre Kapitalquoten verbessern. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Wichtigste Reform

Europas nächster großer Schritt aus der Krise soll nun die Vollendung der Bankenunion sein. Unter dem Dach der EZB werden ab November die 120 wichtigsten europäischen Banken zentral und nach europäisch einheitlichen Standards beaufsichtigt. Für EU-Kommissar Michel Barnier ist diese die „wahrscheinlich wichtigste Reform für uns Europäer seit der Einführung des Euro“. Sie soll Europa helfen, die Euro-Krise nach fast sechs Jahren für immer hinter sich zu lassen.

Doch bevor es so weit ist, durchleuchtet die EZB zunächst in einem Bilanzcheck die Zahlen der Institute nach möglichen Risiken. So will sie sicherstellen, keine Altlasten übernehmen zu müssen. Bis Ende August findet die Bilanzkontrolle statt, gleichzeitig prüft die EZB mit einem Stresstest, ob die Banken genügend Kapital haben, um einen konjunkturellen Einbruch zu überstehen – ohne wie unlängst vom Steuerzahler gerettet werden zu müssen.

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