Bankenunion: "Staaten und Banken werden zum Ponzi-System"

InterviewBankenunion: "Staaten und Banken werden zum Ponzi-System"

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Der Finanzwissenschaftler Markus C. Kerber

von Malte Fischer

Der Euro-Kritiker Markus Kerber warnt vor den Folgen der Europäischen Bankenunion für Steuerzahler und Sparer. Staaten und Banken könnten sich gegenseitig Geld zuschieben und die Risiken auf die Gesellschaft abwälzen, fürchtet er.

Professor Kerber, bei der Zypern-Rettung wurden Aktionäre, Gläubiger und Einleger an den Verlusten der Banken beteiligt. War die Entscheidung richtig?

Kerber: Es wäre besser gewesen, Zypern hätte die Währungsunion verlassen. Doch dazu wollte man sich nicht durchringen. Da Zypern in einer schlechten Verhandlungsposition war, konnten die Geldgeber eine Beteiligung der Aktionäre, Gläubiger und Sparer an den Kosten der Bankenrettung durchsetzen. Das ist zwar besser, als die Steuerzahler anderer Länder bluten zu lassen. Doch das Vertrauen in den Euro ist nun erschüttert. Zudem stellt sich die Frage, wie man verhindern will, dass zyprische Unternehmen, deren Konten einem Haircut unterworfen werden, in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Zypern steht vor einem wirtschaftlichen Einbruch, der das Land zu einem Dauerempfänger von Hilfsgeldern macht.

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Kann uns die gemeinsame Bankenaufsicht durch die EZB, wie sie in der Bankenunion geplant ist, in Zukunft vor einem ähnlichen Desaster bewahren?

Nein, die Bankenunion führt dazu, dass Haftung und Herrschaft noch stärker auseinanderfallen. Die EZB erhält die Befugnis, Kreditinstitute zu schließen. Die Abwicklungsschäden kann sie dann den nationalen Steuerzahlern aufbürden. Die Bankenunion droht die Probleme also weiter zu verschärfen.

Die geplante direkte Rekapitalisierung der Banken durch den Rettungsschirm ESM entlastet die Krisenländer aber.

Gäbe es die Bankenunion schon, hätte der ESM einzelne Banken in Zypern, die er für lebensfähig hält, rekapitalisieren können. Mit der Bankenunion droht sich der Finanzsektor endgültig zu verselbstständigen als ein System, in dem sich Staaten und Banken wie kommunizierende Röhren eines Ponzi-Systems gegenseitig das Geld der Steuerzahler zuschieben. Der ESM rettet die Banken, diese zeichnen dessen Anleihen und reichen sie dann bei der EZB als Sicherheit für Geldleihgeschäfte ein. Dieses Triumvirat aus Banken, ESM und EZB ist niemandem mehr Rechenschaft schuldig und kann die finanziellen Risiken seines Handelns auf die Gesellschaft abwälzen. Aus der Sicht der Steuerzahler ist die direkte Rekapitalisierung der Banken absolut nicht wünschenswert.

Die Peripherieländer fordern zudem eine gemeinsame Einlagensicherung für die Banken. Würde das die Einlagen sicherer machen?

Von einer gemeinsamen Einlagensicherung profitierten nur Länder mit fragwürdigen Sicherungssystemen. Das erklärt den Protest der deutschen Banken, deren von den Sparern finanzierte Systeme in Europa vergleichsweise gut dastehen. Werden die Sicherungssysteme vergemeinschaftet, verzerrt dies den Wettbewerb. Ausländische Institute könnten mit attraktiven Konditionen um Kunden werben – und im Falle ihres Scheiterns die Kosten auf die deutsche Einlagensicherung abwälzen.

Podiumsdiskussion Streitthema Bankenunion

Europas Geldinstitute sollen strenger und zentraler überwacht werden. Doch wer sollte die Kontrolle übernehmen? Und müssen deutsche Sparer bald für alle Europäer haften? Diese Fragen diskutiert eine prominente Runde.

huGO-BildID: 27913906 ARCHIV - Die große Euro-Skulptur steht am Donnerstag (04.08.2011) in Frankfurt am Main vor der Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Banken gelten als Achillesferse bei der Euro-Rettung. Marode Institute sollen von 2013 an direkt Geld aus dem Rettungsfonds bekommen. Wichtigste Voraussetzung: Eine neue zentrale Bankenaufsicht. Der Kern der Idee: Die Banken in den 17 Euro-Ländern sollen einer gemeinsamen Aufsicht unterstellt werden. Als Starttermin ist Januar 2013 angepeilt. Angesiedelt wird sie bei der Europäischen Zentralbank (EZB), die bereits Kontrollaufgaben übernimmt. Foto: Frank Rumpenhorst dpa (zu dpa-Themenpaket "Den Teufelskreis durchbrechen - EU plant Bankenunion" vom 09.09.2012) +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa

Europas Geldinstitute sollen strenger und zentraler überwacht werden. Doch wer sollte die Kontrolle übernehmen? Und müssen deutsche Sparer bald für alle Europäer haften? Diese Fragen diskutieren auf  Einladung von Europolis, einer Initiative für europäische Ordnungspolitik, und der WirtschaftsWoche unter anderem das Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank, Yves Mersch, die Präsidentin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, Elke König, sowie die Vizepräsidentin der Deutschen Bundesbank, Sabine Lautenschläger. Zu der Veranstaltung, die am Freitag den 5. April in der Technischen Universität Berlin stattfindet, laden wir Sie herzlich ein.

Weitere Informationen, das detaillierte Programm und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier.

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7 Kommentare zu Bankenunion: "Staaten und Banken werden zum Ponzi-System"

  • Jetzt hat sich Thema "Austritt Zypern" erst einmal beruhigt - ganz im Sinne von Merkel, die ja im Herbst wiedergewählt werden will (und vermutlich auch wird). Aber wie man hier lesen kann, sind die größeren (um nicht zu sagen: DIE größten) Brocken noch nicht geschluckt: Italien, Frankreich und Spanien. Wenn es so weitergeht wie bisher, wird dort irgendwann das Volk aufstehen, denn die Bürger dieser Länder sind ja deutlich streikfreudiger und man kann sie nicht so leicht mit Nazi-Verunglimpfungen ruhigstellen. Dann wird der Zusammenhalt wieder bröckeln. General Lee, der Südstaaten-General und trotzdem ein glühender Verfechter der US-Union, sagte einmal “Still, a Union that can only be maintained by swords and bayonets, …has no charm for me.” Ein Realist, dessen weise Worte direkt auf die EU übertragen werden können. Und seine Erkenntnis ist immerhin schon ca. 150 Jahre alt.

  • Mit der Banken-Union und einer gemeinsamen Einlagensicherung wird die Euro-Zone endgültig zu einem Irrenhaus.

    Jede europäische Bank kann dann machen was sie will. Die nationalen Aufsichten werden ohnehin nicht funktionieren, da dort gar kein Interesse an deren Funktionieren besteht. Das neue Geschäftsmodell der europäischen Banken lautet dann:

    Hohe Zinsen zahlen, um das Kaptal ins Land zu leiten
    Pleite gehen und Verluste vergemeinschaften
    Rekapitalisierung durch die EZB
    Hohe Zinsen zahlen,
    Ein Loch ist im Eimer Karl Otto, Karl Otto, etc.

    Die Zerstörer von Europa wollen die Banken-Union und nur Dummköpfe können das zulassen. Der Euro bereitet diese Zerstörung heute schon vor. Eine Sozial- und Fiskal-Union wird das Werk beenden. So wird Europa durch eine General-Pleite vernichtet.

    AfD muss daran arbeiten, dass dies nicht die Zukunft von Europa wird.

  • Das was jetzt in Europa stattfindet ist lediglich eine neue Variante der Kriegführung:

    Krieg hat traditionell den Zweck Resourcen und Arbeitskraft des Gegners für sich arbeiten zu lassen.

    Genau dasselbe ist jetzt im Gange - nicht mehr militärisch sondern wirtschaftlich. Und das was früher "Gegner" hieß heißt jetzt "Freund der Solidarität fordert". Das Ziel ist aber unverändert - den anderen, in diesem Falle Deutschland für sich arbeiten zu lassen, zu eigenen Gunsten auszubeuten.

    Und außerdem treten die Banken jetzt auch als eigenständiger Kriegsteilnehmer auf, der ganz einfach die "kleinen Bürger" für ihre Boni bluten lassen will.

    Und Kollaborateure hat es auch schon immer gegeben.
    Und wahnsinnige Visionäre die nur ihren Dogmen folgen ebenfalls.

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