Barry Eichengreen: "Das Ankaufprogramm der EZB muss bleiben"

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InterviewBarry Eichengreen: "Das Ankaufprogramm der EZB muss bleiben"

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Barry Eichengreen gehört zu den Unterzeichnern des neuen Ökonomen-Aufrufs. Der 61-Jährige ist ein international bekannter und angesehener US-Ökonom. Er lehrt an der "University of California" in Berkeley. Eichengreen betont, dass die Ankündigung der EZB, Staatsanleihen im Krisenfall aufzukaufen, richtig und erfolgreich sei.

von Tim Rahmann

Gut 200 Wissenschaftler verteidigen in einem offenen Brief die umstrittene Politik der Europäischen Zentralbank. Auch der renommierte US-Ökonom Barry Eichengreen. Warum tun Sie das, Herr Eichengreen?

Die Resonanz ist beachtlich. Nahezu stündlich erreichten Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, in den vergangenen Tagen und Wochen eMails von Ökonomen aus aller Welt. Sie antworteten auf den Aufruf von Fratzscher und vier Kollegen – Beatrice Weder di Mauro (ehemaliges Mitglied des Sachverständigenrats), Francesco Giavazzi (Ökonom an der Mailänder „Bocconi University“), Richard Portes (Professor an der „London Business School“) und Charles Wyplosz (Professor für Internationale Volkswirtschaft am Graduate Institute in Genf) –, die EZB zu unterstützen. In der Mail der Initiatoren wird das OMT-Programm der Europäischen Zentralbank verteidigt – also das Vorhaben, Staatsanleihen von Euro-Krisenstaaten zu kaufen, die keinen Zugang mehr zu Krediten haben.

Doch es waren nicht nur positive Antworten, die Fratzscher erhielt. Zahlreiche Ökonomen äußerten dem DIW-Chef und seinen Kollegen ihren Unmut über die Aktion – und erläuterten, warum sie den Appell nicht unterzeichnen werden. Einige der Nachrichten liegen WirtschaftsWoche Online vor (wir werden berichten). Zusätzlich werden wir am Mittwochmittag um 12 Uhr im Live-Interview mit Marcel Fratzscher über den neuen Ökonomen-Aufruf sprechen. Details und Erklärungen, wie Sie Fragen stellen können, finden Sie hier.

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Schon vor der Veröffentlichung sickerte durch: Gut 200 Ökonomen unterstützen den offenen Brief, der am Mittwochvormittag publiziert wird. Dann werden auch alle Unterzeichner bekannt (hier die vollständige Liste). Einer von ihnen ist – wie WirtschaftsWoche Online weiß – Barry Eichengreen. Der international bekannte und angesehene US-Ökonom lehrt Ökonomie und politische Wissenschaften an der University of California in Berkeley. In den Neunziger Jahren beriet er den Internationalen Währungsfonds. Er warnte schon früh vor den Kosten einer Währungsunion – und wirbt um mehr Vertiefung in Europa. Beim Weltwirtschaftsforum in Davos im Januar dieses Jahres erklärte er uns gegenüber bereits, dass Deutschland mehr Verantwortung in der Euro-Zone und auch mehr Kosten übernehmen müsse. "Ohne das Geld der Deutschen geht es nicht", sagte Eichengreen.

Die Rolle der EZB nach dem Maastricht-Vertrag

  • Kaufverbot für Anleihen

    Artikel 104 (1) Überziehungs- oder andere Kreditfazilitäten bei der EZB oder den Zentralbanken der Mitgliedstaaten (...) für Organe oder Einrichtungen der Gemeinschaft, Zentralregierungen, regionale oder lokale Gebietskörperschaften oder andere öffentlich-rechtliche Körperschaften, sonstige Einrichtungen des öffentlichen Rechts oder öffentliche Unternehmen der Mitgliedstaaten sind ebenso verboten wie der unmittelbare Erwerb von Schuldtiteln von diesen durch die EZB oder die nationalen Zentralbanken.

  • Keine gemeinsame Haftung

    Artikel 104 b (1) Die Gemeinschaft haftet nicht für die Verbindlichkeiten der Zentralregierungen, der regionalen oder lokalen Gebietskörperschaften oder anderen öffentlich-rechtlichen Körperschaften, sonstiger Einrichtungen des öffentlichen Rechts oder öffentlicher Unternehmen von Mitgliedstaaten und tritt nicht für derartige Verbindlichkeiten ein. (...)

  • Die Unabhängigkeit

    Artikel 107 Bei der Wahrnehmung der ihnen durch diesen Vertrag und die Satzung des ESZB übertragenen Befugnisse, Aufgaben und Pflichten darf weder die EZB noch eine nationale Zentralbank, noch ein Mitglied ihrer Beschlussorgane Weisungen von Organen oder Einrichtungen der Gemeinschaft, Regierungen der Mitgliedstaaten oder anderen Stellen einholen oder entgegennehmen.

  • Die Preisstabilität

    Artikel 105 (1) Das vorrangige Ziel des ESZB (Europäisches System der Zentralbanken, d. Red.) ist es, die Preisstabilität zu gewährleisten. Soweit dies ohne Beeinträchtigung des Zieles der Preisstabilität möglich ist, unterstützt das ESZB die allgemeine Wirtschaftspolitik in der Gemeinschaft, um zur Verwirklichung der in Artikel 2 festgelegten Ziele der Gemeinschaft beizutragen.

Im Exklusiv-Interview erklärt der 61-Jährige, warum er den Ökonomen-Aufruf unterzeichnete, warum die Sparauflagen für die Krisenländer eine „katastrophale Fehlentscheidung“ sind – und ob der Euro wirklich irreversibel ist.

Herr Eichengreen, warum haben Sie den Ökonomen-Aufruf unterzeichnet?

Barry Eichengreen: Deutschland hat einen großen Einfluss in der Euro-Zone. Es ist wichtig, wie die Bundesregierung die Arbeit der Europäischen Zentralbank beurteilt, wie das Bundesverfassungsgericht das Programm zum Aufkauf von Staatsanleihen bewertet – und vor allem auch: wie die Bevölkerung die Diskussion wahrnimmt. Die Bürger müssen wissen, worum es geht und was die EZB zu dem OMT-Programm bewegt hat. Der Aufruf wird hoffentlich dazu beitragen, die Diskussion in Deutschland über die Aktivitäten der Europäischen Zentralbank zu versachlichen.

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