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exklusiv BDI-Präsident Keitel: Kein Platz für Griechenland in Euro-Zone

von Henning Krumrey und Christian Ramthun

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) glaubt, dass der Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone ein gangbarer Weg ist und sieht „eindeutige Fortschritte“ bei der Bewältigung der Euro-Krise.

Die Euro-Gruppe eilt Zypern zur Hilfe und gewährt dem Land einen 10-Milliarden-Euro-Kredit. Im Gegenzug muss Präsident Nikos Anastasiades die Körperschaftssteuer anheben und die heimischen Sparer zur Kasse bitten. Die Ratingagenturen haben schon lange den Glauben an die Kreditfähigkeit des Landes verloren. Staatsanleihen der Mittelmeerinsel werden als Ramschpapiere bewertet.

Rating (S&P/Moody's/Fitch): CCC+/ Caa3 / BB-

Bild: AP/dpa

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Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hält einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone inzwischen für eine gangbare Alternative. „Dem Land fehlt es an substanziellen Voraussetzungen, angefangen von einer funktionierenden Verwaltung bis zum ausdrücklichen Willen, sich selbst aus der Krise befreien zu wollen“, sagte BDI-Präsident Hans-Peter Keitel in einem Interview mit der WirtschaftsWoche. Sollte Griechenland die mit der EU und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) vereinbarten Auflagen nicht einhalten, „wäre für Griechenland kein Platz mehr in der Euro-Zone“, sagte Keitel.

Damit rückt der Industrieverband von seiner bisherigen Position ab, das südliche Land auf jeden Fall im Währungsraum halten zu wollen. Keitel erklärte, dass ein Austritt Griechenlands keine Bedrohung mehr für die deutsche Wirtschaft darstelle. Sollte Athen jedoch endlich die Auflagen für die Hilfen von EU und IWF erfüllen, spricht sich der BDI für zusätzliche Maßnahmen aus, um der griechischen Wirtschaft auf die Beine zu helfen. „Ich könnte mir dann auch eine Art Sonderwirtschaftszone für Griechenland vorstellen, für zehn Jahre, mit Steueranreizen und ohne hinderliche Bürokratie, um dort attraktive Bedingungen für Wirtschaftsansiedlungen aus dem Ausland zu schaffen“, sagte Keitel der WirtschaftsWoche.

Griechenland: Die Lohnstückkosten sinken

Stillstand in Griechenland? Nicht ganz. Bei der Sanierung der Staatsfinanzen hat Athen durchaus Erfolge vorzuweisen: Um sechs Prozentpunkte vom Bruttoinlandsprodukt wurde das Haushaltssaldo in nur zwei Jahren verbessert. Eine solche Konsolidierungsleistung hat kein anderes Euro-Land geschafft. Und im ersten Halbjahr liegt Griechenland beim Defizitabbau sogar vor dem Plan. Auch dem Ziel, seine Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, kommt das Land näher: Die Lohnstückkosten sind seit 2009 rückläufig. Aber bei den Strukturreformen, die für eine international konkurrenzfähige Wirtschaft zumindest ebenso bedeutend sind, bleibt noch viel zu tun.

Eindeutige Fortschritte in der Euro-Krise

„Die europäische Staatengemeinschaft sollte mit mehr Selbstbewusstsein auf ihre bisherigen Entscheidungen sehen“, sagte BDI-Präsident Hans-Peter Keitel weiter. „Wir erleben eine allmähliche Trendumkehr in der Schuldenpolitik, die bisher zum unbeschwerten Alltag vieler Regierungen gehört hat. Die Defizite in den Staatshaushalten haben sich verbessert, etwa in Italien, Spanien oder Irland. Die Lohnstückkosten sinken, und zusammen mit zahlreichen Strukturreformen gewinnen die meisten Krisenländer ganz langsam an Wettbewerbsfähigkeit – trotz Rezession“, betonte Keitel.

Allerdings verkauften sich die Krisenländer nach außen weiterhin unter Wert. „Ich verstehe Italien und Spanien hier wirklich nicht. Beide Länder müssten ihre Erfolge und Strategien offensiv vermarkten, anstatt ständig nach Hilfestellung zu rufen.“ Keitel mahnt zu mehr Ruhe und Sachlichkeit in der Debatte. So lägen beispielsweise die italienischen Zinsen aktuell im Schnitt bei 4,5 Prozent. „Das ist viel weniger als zu Lira-Zeiten. Es war eher ungewöhnlich, dass die Zinsen in den einzelnen Euro-Mitgliedstaaten jahrelang nahezu identisch waren.“

Bundesregierung spart "nicht ambitioniert"

Außerdem fordert der Bundesverband von der Bundesregierung mehr Spar- und Reformanstrengungen. „Deutschland spart nun wirklich nicht ambitioniert. Da strengen sich viele andere Euro-Länder deutlich mehr an“, kritisierte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Peter Keitel, im Interview mit der WirtschaftsWoche. Die hierzulande sinkende Nettoneuverschuldung sei lediglich auf die sprudelnden Steuereinnahmen zurückzuführen, nicht aber auf Kürzungen bei den Staatsausgaben. An einer ernsthaften Diskussion über Einsparungen und Subventionsabbau würde sich die Wirtschaft beteiligen, versprach Keitel.

Ohne „eine Agenda 2020“ werde Deutschland im harten internationalen Wettbewerb zurückfallen, warnte der Industriepräsident: „Wir Deutschen werden uns in zehn Jahren ziemlich konsterniert umgucken, wenn wir uns dann wirtschaftspolitisch nicht ähnlich radikal weiterentwickelt haben.“ Die Regierung müsse daher konsequenter handeln, insbesondere in der Steuer-, Energie- und Klimapolitik. Gerade in der Energiepolitik müssten dringend Fehlentwicklungen korrigiert werden. Keitel: „Wir brauchen einen Fahrplan, wie wir die Förderung der Solarenergie schneller zurückführen und den Einspeisevorrang begrenzen. Beispielsweise müsste der Zubau daran gekoppelt werden, was das Netz verkraftet oder ob die gewonnene Energie überhaupt sinnvoll genutzt und gespeichert werden kann. Solange dies nicht möglich ist, sollte der Zubau begrenzt sein.“

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 19.08.2012, 15:41 Uhrno-bail-out

    Langsan, ganz langsam versteht es auch der BDI
    Der deutsche Steuermichel will nicht mehr!
    Zitat:"Griechenland braucht mehr, viel mehr Geld"
    Es will ja auch alles unterhalten werden.
    "Athen prahlt damit, die größte Dichte an teuren Porsche Cayenne in ganz Europa zu haben.
    ca. 140.000 Euro kostete so ein Brummer. Man gönnt sich auch sonst was. In den Häfen der Hauptstadt liegen viele der dicksten Jachten des Mittelmeers.
    Gerade mal 5000 der 11 Millionen Griechen geben laut „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ auf ihrer Steuererklärung ein Jahreseinkommen von mehr als 100 000 Euro brutto an."
    http://www.bild.de/politik/wirtschaft/griechenland/ohne-schmiergeld-laeuft-fast-gar-nichts-mehr-11312616.bild.html
    Gezahlt wird dieses sicherlich auch durch Target 2 Salden und zusätzlichen Rettungsmilliarden, insbesondere des dt. Steuerzahlers. Da wird dann bei uns über eine Vermögensabgabe diskutiert. Einer muss es ja auch bezahlen. Wenn ich die Zahlen richtig im Kopf habe benötigen Gr-Sp-It-Fr in den kommenden zwei Jahren 2 Billionen Euro an neuen Krediten. Na ja, das sind die Kredite die bis jetzt bekannt sind.
    Der €uro, er lebe hoch. Soetwas gab es doch schon einmal.
    http://www.gevestor.de/index.php?id=514911&tx_ttnews[tt_news]=567746http://www.welt.de/

  • 18.08.2012, 17:47 UhrMalocher

    Wie Keitel namens des BDI implizit in Abrede zu stellen, dass nicht wenige der in dessen Verband organisierten Unternehmen nach wie vor längst überkommene Produktionsweisen lediglich in modernisiertem Gewand selbst noch unter Inkaufnahme horrender Verluste an menschlicher Arbeitskraft praktizieren, erhöht den von außen vor allem auf die griechische Volkswirtschaft höchst unerlaubt verübten Druck immens. Kehrte also das dortige Präsidium besagten Verfehlungen der eigenen Mitglieder notwendig den Rücken, entfielen politisch bereits deswegen sämtliche Debatten um den Austritt von gleichem Land aus der Eurozone von vornherein.

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