Bertelsmann-Stiftung: Neue Ratingagentur steht in den Startlöchern

Bertelsmann-Stiftung: Neue Ratingagentur steht in den Startlöchern

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Die großen US-amerikanischen Ratingagenturen bekommen Konkurrenz.

Die Bertelsmann-Stiftung hat am Dienstag das Konzept für eine unabhängige europäische Ratingagentur vorgestellt. In einem Test-Rating bekommt Deutschland grünes Licht, für Frankreich sieht es dagegen düster aus.

Das Monopol der internationalen Ratingagenturen Standard & Poor's, Moody's und Fitch wackelt: Die Bertelsmann Stiftung treibt ihre Pläne für eine neue Ratingagentur als Gegengewicht zu den drei großen Platzhirschen weiter voran.

Am Dienstag stellte die Stiftung in Berlin ihre Machbarkeitsstudie für eine erste unabhängige und nicht gewinn-orientierte Ratingagentur vor. Die geplante Ratingagentur INCRA (International Non-Profit Credit Rating Agency) soll eine Alternative zu den drei Branchenriesen aufzeigen. Das Konzept wurde vor rund einem Jahr von der Bertelsmann Stiftung angestoßen, nachdem die drei den Markt dominierenden Agenturen Moody's, Standard & Poor's und Fitch während der Finanzkrise 2008/2009 heftig in die Kritik geraten waren. Ihnen wurde unterstellt, Unternehmen und Staaten nicht objektiv genug beurteilt zu haben, Zweifel an ihrer Unabhängigkeit kamen auf.

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Noch zu Beginn der Finanzkrise verteilten sie Bestnoten für faule Kredite und marode Banken, die wenig später abstürzten. Zunächst hatte Unternehmensberater Roland Berger an einer Europäischen Ratingagentur gearbeitet, fand dann allerdings nicht genug Investoren, um das notwendige Kapital von rund 300 Millionen Euro einzusammeln.

In Rahmen eines Testlaufs bewerteten Experten für die neue Agentur INCRA die Kreditwürdigkeit von fünf Staaten. Die vorgestellten Ratings wurden von den Initiatoren als "Praxistest" für das Konzept bezeichnet. Damit hofft die Bertelsmann-Stiftung, dass das Projekt auch international, etwa von der G20-Gruppe der 20 wichtigsten Schwellen- und Industrieländer, vorangetrieben wird.

Gutes Testergebnis für Deutschland

Deutschland schnitt bei den Testratings am besten ab. Der Bundesrepublik wird - wie auch von Moody's, Fitch und Standard & Poor's - eine Topbonität bescheinigt. Deutschland habe die Euro-Krise bislang am besten von allen Mitgliedern der Euro-Zone gemeistert. Einschränkend verweisen die Experten aber darauf, dass der Spitzenplatz bei der Bonität durch weitere gesellschaftspolitische Reformen langfristig abgesichert werden müsse. Das seien insbesondere die demografischen Risiken, die hohe Gesamtverschuldung von über 80 Prozent der Wirtschaftsleistung und hohe eventuelle Verbindlichkeiten im Rahmen der Haftung für kriselnde Eurostaaten von über 300 Milliarden Euro.

Rekordumsatz Ratingagenturen schlagen Profit aus der Schuldenkrise

S&P, Moody’s und Fitch haben die Einbrüche in ihrem Geschäft durch die Finanzkrise wettgemacht. Moody’s rechnet gar mit einem Rekordumsatz in 2012. Ein Grund: Die Ratingagenturen profitieren von der Schuldenkrise.

"Ratingagenturen-Glückspielautomat" Quelle: Marcel Stahn für WirtschaftsWoche


Ganz anders die Einschätzungen für Frankreich. Bei dem jüngst von Moody's herabgestuften Euro-Land sehen die Experten erhöhten Reformbedarf. "Makroökonomisch sind die französischen Daten nicht so schlecht. Aber man muss sehen, dass die angegangenen Reformmaßnahmen nicht in die richtige Richtung gehen", sagte INCRA-Projektleiterin Annette Heuser am Dienstag in Berlin. Unter den untersuchten Ländern - neben Deutschland und Frankreich auch Italien, Brasilien sowie Japan - findet sich Frankreich insgesamt auf Rang zwei wieder. Anders als im Urteil der großen kommerziellen Rating-Agenturen schneidet auch Italien mit einer Bewertung, die im gängigen Schema der Note AA entspräche, relativ gut ab. Am schwächsten wird das hoch verschuldete Japan eingestuft.

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