Bertelsmann-Studie : Europa ist ungerecht

Bertelsmann-Studie : Europa ist ungerecht

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Die Ungerechtigkeit innerhalb Europas ist gewachsen. Die Euro-Krise trägt eine Teilschuld.

von Tim Rahmann

Top-Bedingungen in Skandinavien, miese Chancen am Mittelmeer: Die Schere zwischen Europas Norden und dem Süden öffnet sich. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung.

Die Gründungsväter des Euro versprachen einst nicht weniger, als die Wirtschafts- und Lebensverhältnisse in Europa mit der Gemeinschaftswährung anzugleichen. Und zunächst lief alles wie erhofft: Mit dem Beginn der Euro-Einführung gingen die Zinsen in den Peripherieländern auf Talfahrt und näherten sich dem deutschen Niveau an. So entstand ein kreditfinanzierter Bau- und Konsumboom, der die Importe und Löhne der Südländer in die Höhe trieb.

Doch das Wachstum war nicht nachhaltig. Statt in Bildung und Maschinen zu investieren, wurden Geisterstädte errichtet. Und: Die Produktivität hielt mit den Lohnanstiegen nicht mit.

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Das Ergebnis ist bekannt: Griechenland, Italien, Spanien, Portugal und Irland sind hoch verschuldet. Bis auf Italien mussten alle Länder unter den Euro-Rettungsschirm flüchten und ihre Finanzen sanieren. Der Prozess ist längst nicht abgeschlossen – doch schon jetzt steht fest: Europa hat sich auseinanderentwickelt. Statt zusammenzuwachsen, sind die Unterschiede zwischen dem Norden und dem Süden viel größer geworden.

Der EU droht die soziale Spaltung

Zu diesem Ergebnis kommt auch eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung. Mit ihrem ersten EU-Gerechtigkeitsindex (.pdf) untersuchten die Forscher anhand von 35 Kriterien die Aspekte Armutsvermeidung, Zugang zu Bildung und Arbeitsmarkt, Gesundheit, Generationengerechtigkeit sowie gesellschaftlicher Zusammenhalt und Nicht-Diskriminierung.

Das Ergebnis: Der EU droht als Folge der Finanzkrise eine soziale Spaltung zwischen Nord und Süd. Das Gefälle zwischen den Teilhabechancen in den noch immer wohlhabenden Staaten Nordeuropas und den Krisenländern im Süden habe sich vergrößert. "Die wachsende soziale Kluft zwischen den Mitgliedsstaaten und zwischen den Generationen kann zu Spannungen und einem erheblichen Vertrauensverlust führen", warnte Stiftungsvorstand Jörg Dräger.

Vor allem in den südeuropäischen Ländern sei es nicht gelungen, die Lasten der Krisenbekämpfung in Form harscher Einschnitte einigermaßen gerecht zu verteilen. Generell gebe es ein starkes Nord-Süd-Gefälle bei der sozialen Gerechtigkeit in Europa. Allerdings seien in Deutschland gegen den Trend Fortschritte gelungen.

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Dennoch kommt die Bundesrepublik beim europäischen Vergleich zur „Bildungsgerechtigkeit“ nicht über einen 14. Rang hinaus. Der Zusammenhang zwischen sozialem Hintergrund und Bildungserfolg – schon in den Pisa-Vergleichsstudien immer wieder kritisiert – sei noch immer viel zu groß. Im Bereich Gesundheit (Rang 10) kann Deutschland zwar eine hochwertige medizinische Versorgung vorweisen, stellt die Studie fest. Dennoch sei die Zahl der hier zu erwartenden „gesunden Lebensjahre“ im EU-Vergleich unterdurchschnittlich (Rang 23).

Unterm Strich landet Deutschland als größte Volkswirtschaft Europas im Gerechtigkeitsindex auf Platz 7. Schweden, Finnland, Dänemark und die Niederlande stehen an der Spitze.

Frankreich landet auf Rang elf. Auch Großbritannien liegt mit Rang 13 noch über dem EU-Durchschnitt. Am Ende rangiert Griechenland, das mit am härtesten von der Staatsschuldenkrise betroffen war. Weit hinten liegen auch Italien (Rang 23), Spanien (Rang 21) und Portugal (Rang 20). (mit Material von dpa und Reuters)

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