Beschäftigungsgipfel in Mailand: Der Kampf gegen eine verlorene Generation

Beschäftigungsgipfel in Mailand: Der Kampf gegen eine verlorene Generation

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Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi fordert Konjunkturprogramme. Er will den Gipfel für eine „politische Debatte über die Wirtschaftslage“ in Europa nutzen.  

von Niklas Dummer

Die Jugendarbeitslosigkeit in Europa ist zum Teil erschreckend hoch. Beim Beschäftigungsgipfel in Mailand wollen Politiker Lösungen finden - doch der Blick nach Deutschland hilft dabei nur bedingt.

Europa drohe eine "verlorene Generation", sagte Martin Schulz, Präsident des Europaparlaments, in Bezug auf die Jugendarbeitslosigkeit in Europa während des Europa-Wahlkampfs im Mai. In der Pflicht sah er die EU. Und die will handeln.

Heute treffen sich die Staats- und Regierungschefs sowie die zuständigen Minister zum Beschäftigungsgipfel in Mailand. Sie wollen beraten, wie junge Menschen in Arbeit kommen. Aus gutem Grund. 

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Nach Angaben der Europäischen Statistikbehörde Eurostat waren allein im Euroraum 3,3 Millionen Menschen unter 25 ohne Arbeit – auf EU-Ebene sind es knapp fünf Millionen. Besonders die Lage in Südeuropa ist alarmierend: In Spanien, Griechenland und Italien ist jeweils etwa die Hälfte aller Jugendlichen ohne Arbeit.

In der Campus-Veröffentlichung „Arbeit in Europa“ findet sich Olaf Strucks Aufsatz: „Europäische Arbeitsmärkte“ Quelle: Presse

In der Campus-Veröffentlichung „Arbeit in Europa“ findet sich Olaf Strucks Aufsatz: „Europäische Arbeitsmärkte“

Bild: Presse

Da stellt sich die Frage: Wie können sie Arbeit finden, sich selbst oder eine Familie versorgen, sprich: Teil der Gesellschaft werden? Und wie kann die EU den Jugendlichen wieder Sicherheit geben?

Die Antworten der EU auf diese Fragen lauten: Strukturreformen und "Jugendgarantie". So heißt ein Programm, mit dem Jugendliche innerhalb von vier Monaten nach Abschluss einer Ausbildung oder dem Verlust des Arbeitsplatzes eine Stelle, eine Ausbildung, ein Praktikum oder eine Fortbildung erhalten sollen.

Deutschland als Vorbild im Kleinen

Dafür stehen sechs Milliarden Euro bereit, auf die sich die EU-Länder bewerben können, um ihre nationalen Förderprogramme zu stemmen. Bereits 2010 hatte die EU-Kommission diese Jugendgarantie auf den Weg gebracht. Allerdings flossen erst vier Jahre später die ersten Gelder. Der Grund: Die Kommission genehmigte viele Projekte nicht, nur jene aus Frankreich, Italien und Litauen.
In Mailand forderte nun die Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles, dass die EU-Kommission diese Mittel schnell bewilligen müsse. Es gehe jetzt wirklich darum, "die Arbeit auf europäischer Ebene zu effektivieren." So kann man es natürlich auch ausdrücken.

Zwar sei wirklich etwas in Bewegung gekommen, so Nahles. Aber das Programm stünde noch am Anfang. "Und zugegeben: Die Mühlen mahlen langsam."

Doch Experten sind skeptisch, ob diese Jugendgarantie etwas bringt. "Die Grundidee hinter diesem Projekt ist gut", sagt zum Beispiel Olaf Struck, Professor für Arbeitswissenschaft an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, "es kommt nur drei Jahre zu spät."Auch die Frage, was im Anschluss an das EU-Programm kommt, bleibt offen. Der Arbeitsmarkt werde die Jugendlichen nicht aufnehmen, glaubt Struck: "Warum sollte er auch? Jetzt tut er das ja auch nicht."

Außerdem seien die Ansprüche gemessen an den finanziellen Mitteln zu hoch. Zum Vergleich: Mit 1,1 Milliarden Euro aus dem EU-Fördertopf soll eine halbe Million junger Italiener ohne Arbeitsplatz und Ausbildung in den Arbeitsmarkt eingegliedert werden - das sind rund 2000 Euro pro Kopf. Struck: "Mit diesen Mitteln kann man Massenförderprogramme etablieren – davon haben weder die Jugendlichen etwas noch die Unternehmer." Das sei nicht mehr als ein symbolischer Akt.

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