Besuch in Berlin: Französische Charmeoffensive auf deutsche Steueraufkommen

ThemaFrankreich

KommentarBesuch in Berlin: Französische Charmeoffensive auf deutsche Steueraufkommen

Bild vergrößern

Frankreichs Premierminister Jean-Marc Ayrault und Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einer Pressekonferenz im Bundeskanzleramt.

von Frank Doll

Frankreichs Premier Jean-Marc Ayrault schmeichelte bei seinem Besuch in Berlin den deutschen Gastgebern. Doch französische Charmeoffensiven zielen stets auf das deutsche Steueraufkommen ab.

In der vergangenen Woche besuchte Frankreichs Premierminister Jean-Marc Ayrault Berlin. Deutschland sei nicht nur eine Exportnation, sondern auch eine Kulturnation, schmeichelte der Franzose. Das kommt an. Natürlich bekundete Ayrault auch den Willen der französischen Regierung, Reformen auf den Weg zu bringen: "Wir werden uns mit aller Kraft dafür einsetzen, damit wir das Ziel erreichen, Wachstum zu bekommen.“

Das ist löblich, aber über die Reformanstrengungen der französischen Regierung gab Ayrault tatsächlich nur Diffuses und Selbstgefälliges zum Besten. So ist ein Ende der 35-Stunden-Woche und die Anhebung des Renteneintrittsalters von komfortablen 60 Jahren etwa auf das deutsche Niveau bisher nicht einmal angedacht. Das lässt schon den Weg erahnen, den diese französische Regierung gehen wird. Reformen ja, aber nur da, wo es nicht weh tut.

Anzeige

Frankreich Paris setzt auf milliardenschwere Erleichterungen für Firmen

Am Montag stellte Louis Gallois seinen Bericht zur Wettbewerbsfähigkeit vor. Die französische Regierung will nicht alle Vorschläge des ehemaligen EADS-Chefs aufgreifen.

Der Premierminister Jean-Marc Ayrault erklärt am Dienstag die Pläne, um die französische Industrie wieder auf Vordermann zu bringen. Quelle: Reuters

Dabei müssten Ayrault und Staatspräsident François Hollande - im Gegensatz zu Bundeskanzler Gerhard Schröder und seiner Agenda 2010 - nicht nur schmerzhafte Reformen durchsetzen. Das in einem anderen Jahrhundert verankerte französische Gesellschaftsmodell benötigt eine komplette Runderneuerung.

Für die über weite Teile bereits zweitklassige französische Industrie geht es dabei um nicht weniger als das nackte Überleben. Die strukturellen Probleme und der Druck aus Asien sind enorm. Der Autobauer Peugeot ist nur die Spitze des Eisbergs. Konzerne wie Alcatel, Areva oder Veolia, einst Flaggschiffe der französischen Großindustrie, sind auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit oder in die Pleite.

Weitere Artikel

Wie Frankreich in den nächsten Jahrzehnten allein seinen großzügigen Wohlfahrtsstaat mit Heerscharen pensionsreifer und üppig alimentierter Beamten finanzieren will, bleibt ein Rätsel. Aber vielleicht kommt nach Währungsunion und Bankenunion ja auch noch die Rentenunion dazu. Eine Überraschung wäre das nicht. Zielten französische Charmeoffensiven doch schon immer ab auf das deutsche Steueraufkommen.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%